Buche, Lärche und Ahorn sind mächtige Bäume, bei denen es entsprechend große Werkzeuge braucht, um sie zu beschneiden. Gärtner nehmen dafür große Astscheren oder gar Motorsägen. Aber nicht Wolfgang Wagner. Er nimmt kleine Zangen und Scheren, die von der Größe einer Bastelabteilung entsprungen sein könnten. Seine Buchen, Ulmen oder Lärchen sind auch nur Zentimeter und nicht Meter hoch. Wagner ist leidenschaftlicher Bonsai-Gärtner.


Das Wort Bonsai kommt aus dem japanischen und bedeutet "Anpflanzung in der Schale". Es ist eine fernöstliche Art der Gartenkunst, bei der Sträucher und Bäume in kleinen Schalen zur Wuchsbegrenzung gezogen und ästhetisch geformt werden.


"Der Auslöser war meine Frau, die mir einen Bonsai geschenkt hat, der dann aber ziemlich schnell eingegangen ist", erinnert sich Wagner. Das war vor über zwölf Jahren, da hat ihn der Ehrgeiz gepackt und der Funke für sein heutiges Hobby zündete. Jetzt stehen in seinem Garten über 100 der kleinen Bäume.


Neben einigen typischen Bonsai-Arten, wie japanischen Azaleen, sind darunter auch viele heimische Arten. "Meine Philosophie ist, mit einheimischen Arten zu arbeiten und die Reaktion auf den Schnitt der Äste und Wurzeln zu beobachten", erklärt Wagner.


Beim Betreten seines Gartens fühlt sich der Besucher in eine andere Welt versetzt. Neben den kleinen Bäumen sorgen große Bambusbüsche, eine Figur der indischen Gottheit Ganesha und eine roter Torii-Bogen aus dem japanischen Kulturkreis für ein asiatisches Flair. Und überall sind Bonsai-Gewächse zu sehen.

Die Schönsten hat Wagner in einem Fotobuch verewigt. "Im Winter schauen wir uns auch gerne die Fotos mit den schönen Blüten an. Aber eigentlich haben die Bäume zu jeder Jahreszeit ihren Reiz", sagt Ehefrau Monika Wagner. In der kalten Jahreszeit kann es für die empfindlichen Pflanzen auch gefährlich werden. "Vor allem die nichteinheimischen Arten sind sehr Kälte empfindlich und müssen drinnen überwintern.", sagt Wagner.

Eine Kunst mit Stil

Im Herbst und Frühjahr beschneidet er mit speziellen Zangen und Scheren die Äste und Wurzeln der Bonsais oder verdrahtet sie, um die Wuchsrichtung zu beeinflussen. "In der Bonsai-Kunst gibt es verschiedene Stilrichtungen. Wenn der Baum sich nach unten neigt, dann nennt sich das Kaskade. Die unterschiedlichen Stile haben japanische Begriffe, aber es gibt auch deutsche Bezeichnungen. Ein sehr einfacher ist die Besenform", erklärt Wagner an einer Ulme in seinem Garten.


Um so viel über die japanische Gartenkunst zu wissen, hat Wagner viele Bücher und Fachzeitschriften gelesen und sich 2001 dem Verein Bonsai-Freunde Altenkunstadt angeschlossen. "Wir sind 25 Leute aus einem großen Einzugsgebiet und treffen uns einmal im Monat. Es bringt immer jemand einen Baum mit. Unser Vorsitzender Peter Schardt hat ein riesiges Fachwissen und auch schon auf einigen Wettbewerben ausgestellt", sagt Wagner. Für ihn steht aber eher die Arbeit und die private Freude im Vordergrund seiner Bonsai-Leidenschaft. Einen Nachteil des zeitintensiven Hobbys fasst Monika Wagner zusammen: "Im Sommer gemeinsam in den Urlaub fahren, dass geht nicht. Denn einer muss die ganzen Bäume ja gießen." Aber trotzdem hat sie Freude an den Bonsais: "Im Frühjahr und Sommer haben manche auch weiße oder rosa Blüten und die Blätter verändern im Laufe des Jahres auch ihre Farbe."

Die Ulme ist einfach

Als Baum für den Einstieg in die Bonsai-Welt empfiehlt Wagner die Ulme: "Damit kann man sehr gut anfangen, auch weil die Ulme von Natur aus sehr kleine Blätter hat." Langweilig wird dem ehemaligen Schulleiter mit seinen vielen Miniatur-Bäumen bestimmt nicht, denn "es gibt immer was zu tun, umtopfen, beschneiden, verdrahten oder einfach nur auf der Terrasse sitzen und anschauen", sagt Wagner und hat schon wieder die Spezialzange in der Hand.


Die Bonsai-Freunde Altenkunstadt


Ausstellung Am 25. und 26. Mai veranstaltet der Verein Bonsai-Freunde Altenkunstadt in der Kulturscheune des Gasthofes Pörtnerhof in Seßlach, in der Luitpoldstraße 15, eine Ausstellung. Am Samstag ist sie von 11 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet 2,50 Euro.
Treffen Die Bonsai-Freunde treffen sich immer am letzten Donnerstag im Monat, um 19.30 Uhr, in Burgkunstadt im Café Besold. Interessierte können teilnehmen.

Internet Auf der Homepage, www.bonsaifreunde-altenkunstadt.de gibt es mehr Informationen vom Verein.