Völlig unabhängig vom laufenden Antrag auf Ernennung zum gemeinsamen Oberzentrum lassen Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) und sein Sonneberger Kollege Heiko Voigt (parteilos) nicht locker. Sie wollen die Zusammenarbeit zwischen den beiden Nachbar- und Partnerstädten weiter voranbringen. Dass die beiden Staatsregierungen beim Thema "Oberzentrum" nicht so recht zu ziehen scheinen, verschreckt Frank Rebhan nicht: "Es geht uns nicht um Titel, sondern um die Taten." Ein Motto, das offensichtlich bei der Staatsregierung in Erfurt gut anzukommen scheint.
In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben die beiden Stadtoberhäupter jetzt angekündigt, dass die Städte Neustadt bei Coburg und Sonneberg ihre Bemühungen um eine integrierte gemeinschaftliche Regionalentwicklung konsequent fort. Grundlage dafür seien einstimmige Beschlüsse der Stadträte Neustadt und Sonneberg, im Rahmen eines gemeinsamen Strategieseminars ergebnisoffen mögliche Handlungsfelder für ein gemeinsames ILEK (Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept) zu erarbeiten und darauf eventuell eine kommunale Allianz aufzubauen.
Zudem waren Voigt und Rebhan vergangene Woche zu Gesprächen in der Thüringer Staatskanzlei, wie Heiko Voigt dem Tageblatt auf Anfrage bestätigte. "Sehr konstruktiv", berichtete der Sonneberger Bürgermeister, sei der Dialog verlaufen. Er habe sehr wohl den Eindruck gewonnen, dass die Thüringer Staatsregierung "dem Thema zugetan" sei. Diesen Eindruck bestätigte Frank Rebhan: Er habe den Eindruck gewonnen, dass es auch Wunsch des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow sei, die länderübergreifende Partnerschaft zu unterstützen.


Das hätte schon Modellcharakter

Nachdem in den Jahren 1990 bis 2015 punktuelle Kooperationen im Vordergrund standen, soll diese Entwicklung nach Meinung der beiden Stadtoberhäupter nunmehr "in einen strategisch-konzeptionell unterfütterten Entwicklungsprozess münden, der als länderübergreifender Kooperationsraum modellhaften Charakter auch für andere Gebiete haben kann".
Beispiele gebe es genug, ergänzte Rebhan auf Nachfrage und führte an erster Stelle die Besuche von jungen Menschen in Berufsschulen des jeweils anderen Bundeslandes an. "Theoretisch", sagte der Oberbürgermeister, seien diese zwar möglich - aber in der Praxis quasi aktuell nicht umsetzbar. Ähnlich große Schwierigkeiten gebe es auch die unterschiedlichen Landesentwicklungsprogramme in Bayern und Thüringen. Sei es nicht schon Problem genug, dass diese an den Landesgrenzen aufhören, so klagte der Neustadter Oberbürgermeister: "Sie laufen in manchen Bereichen sogar in völlig gegensätzliche Richtungen."
Um diesen Prozess zu gestalten, wollen die beiden Städte Neustadt bei Coburg und Sonneberg bestehende Instrumente der Landesentwicklung in Bayern und Thüringen in Form einer Modell- und Experimentierklausel optimal koordinieren und für eine konzertierte Regionalentwicklung einsetzen.


Mit Hilfe von Fachleuten

Mit Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung in Oberfranken sowie des Amtes für Landentwicklung und Flurordnung in Meiningen sehen sie eine konstruktive Möglichkeit, in eine Phase des Handelns einzusteigen. Und die Stadträte beider Kommunen unterstützen diesen Vorschlag und wollen sich in die Erarbeitung einer gemeinschaftlichen Entwicklungsstrategie einbringen.
"Dass dieser Prozess sogar noch von Fachleuten moderiert und die Konzepterarbeitung finanziell gefördert wird, hilft uns natürlich für den Anfang sehr", heißt es in der Pressemitteilung weiter. Beide schon jetzt den Fachleuten der Ämter in Bamberg und Meiningen sowie dem Regionalmanagement Coburger Land für die Hilfe bei der Wegbereitung. red/bk