So schön sie auch ist, die verschneite Winterlandschaft zwischen den Städten Neustadt und Sonneberg - sie stellt eine trügerische Idylle dar. "Es ist derzeit lebensgefährlich, in den Wald zu gehen", sagt Revierförster Frank Wystrach. Die Stadtverwaltung hat auf die extrem seltenen Witterungsbedingungen reagiert und beide Straßen von Meilschnitz in Richtung Thüringen gesperrt. Wer also Richtung Effelder und Mürschnitz fahren möchte, muss einen Umweg über das Sonneberger Stadtgebiet und die B89 nehmen.

Man muss kein Forstwirt sein, um am "Effelder Berg" die Gefahren zu erkennen. Unter der schweren Last des Neuschnees vom zurückliegenden Wochenende neigen sich selbst starke Bäume bedenklich zur Seite. "Es sind gewaltige Kräfte, die da wirken", erklärt Wystrach, der seit über 20 Jahren für das Neustadter Forstrevier verantwortlich ist und solche Verhältnisse bisher sehr selten erlebt hat.

Die Kiefer leidet besonders

Schuld daran ist der "typische Null-Grad-Schnee", sagt der Förster. Der feuchte Niederschlag fiel am Freitag und Samstag, gefror dann an den Ästen fest und bildete eine stabile Grundlage, auf der sich der Schnee der darauffolgenden Tage anhaften konnte. Die Folge: Alle Bäume sind mit einer dicken und schweren Schneeschicht überzogen - nicht ganz untypisch für Regionen, die rund 400 Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Während die spitz nach oben zulaufenden Fichten mit dem Neuschnee kein Problem haben, leiden ganz offensichtlich die Kiefern. Die haben von ihrem natürlichen Wuchs her eine breite Krone, auf der sich der Neuschnee leicht sammeln kann. Was dann bei zu viel Neuschnee passiert, kann man auf der Steigung den "Effelder Berg" hoch sehen: Am Straßenrand liegen links und rechts jede Menge abgebrochene Baumwipfel. "Alle diese Bäume werden kaputt gehen", erklärt Wystrach.


1000 Festmeter Holz liegen schon


Jetzt die Mannschaft des städtischen Bauhofes in den Wald zu schicken, wäre lebensgefährlich. Deshalb haben sich Bauhofleiter Gerhard Reh und die Stadtverwaltung dazu entschieden, den Berg für den Verkehr zu sperren - auch wenn es, wie Anwohner der Effelder Straße in Meilschnitz jeden Tag x-fach erleben, manche Autofahrer nicht einsehen wollen. "Wir machen die Bäume um, sobald es die Witterung zulässt", versichert der Bauhofleiter. Wenn man dem Wetterbericht glauben darf, wird es bis da hin aber noch ein bisschen dauern.

Frank Wystrach ist froh, wenn er sich die Wettervorhersagen für die kommenden Tage anhört. Denn dort hört er nichts von Tauwetter, Regen oder starkem Wind. Sollte sich eine solche Witterung nämlich einstellen, sagt Wystrach, "könnte sie einen katastrophalen Schneebruch auslösen". Schon jetzt sind die Schäden nach Einschätzung des Revierförsters erheblich. Er rechnet mit mehr als 1000 Festmeter Holz, die im Neustadter Revier auf dem Waldboden herum liegen. "Da haben die Waldbesitzer im Frühjahr ganz schön zu tun", weiß Wystrach schon jetzt.

Frank Wystrach hat am Wochenende bei einer Kontrolle der Bäume am "Effelder Berg" selbst Reißaus genommen. "Das hat überall geknackt, da wurde mir das zu gefährlich", sagt der Förster. Er warnt deshalb die Neustadter Bevölkerung eindringlich davor, die Gefahren im Wald zu unterschätzen - übrigens nicht nur rund um Meilschnitz, sondern auch am Muppberg.

Vorsicht auf dem Muppberg

Wie Gerhard Reh berichtet, mussten seine Mitarbeiter am Dienstag mehrere umgebrochene Bäume vom Weg noch zur Schutzhütte entfernen. Die Waldbesitzer brauchen sich angesichts der Gefahren übrigens keine Gedanken über haftungsrechtliche Fragen machen. "Was wir derzeit erleben, ist höhere Gewalt", erklärt Frank Wystrach. Das heißt: Jeder, der sich momentan im Wald bewegt, tut dies ausdrücklich auf eigene Gefahr.