Er war schon lange nicht mehr Teil des öffentlichen Lebens, aber er war ein Mann, der in Neustadt viel bewegt hat: Dr. Karl Heinz Drogula. Wie erst jetzt bekannt geworden ist, verstarb der langjährige Eigentümer des Neustadter Krankenhauses Ende Juli im Alter von 92 Jahren.
Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) würdigte die Lebensleistung des Orthopäden, der vor gut drei Jahrzehnten als erfolgreicher Unternehmer gleich mehrere Kliniken in Deutschland besaß: "Die Stadt Neustadt hat Karl Heinz Drogula viel zu verdanken." Er habe das Neustadter Krankenhaus einst übernommen, modernisiert und in eine hochmoderne Einrichtung verwandelt.
Es war im Jahr 1986, als Drogula die "Privatklinik Dr. Koschitz-Kosic" übernahm und diese schnell und leicht verständlich in "Krankenhaus Neustadt" umbenannte. In der Folgezeit schob die Drogula-GmbH (die neben dem Neustadter Krankenhaus auch im sächsischen Döbeln eine Klinik unterhielt) immer wieder Investitionen am Standort Neustadt an. Einer der Marksteine war die Eröffnung eines zweiten Operationssaals im Jahr 2005, schon zuvor trieb Karl Heinz Drogula eine umfassende Sanierung des Gebäudes im Seilersgründchen voran. Was diese den Klinik-Unternehmer gekostet hat, wurde nie in kompletter Höhe kommuniziert - fest steht aber, dass alleine der Freistaat Bayern zwischen 2001 und 2005 rund 16 Millionen Euro staatliche Zuschüsse für die Modernisierung in Neustadt bereitgestellt hat. Dass Neustadt überhaupt noch ein Krankenhaus hat, ist für Oberbürgermeister Frank Rebhan eine enorm wichtige Angelegenheit und ein zentraler Teil der städtischen Infrastruktur.
Unruhig wurde es um das Krankenhaus vor fünf Jahren. Nach dem Verkauf der Döbelner Klinik wurde deutlich, dass die Drogula-Klinikgruppe nur mit dem Neustadter Krankenhaus nicht mehr profitabel arbeiten kann. Karl Heinz Drogula ging daraufhin auf die Suche nach einem Käufer und fand diesen im Krankenhausverband von Stadt und Landkreis Coburg, der wiederum Bestandteil des Regiomed-Klinikverbundes ist. Wie viel damals für das Neustadter Krankenhaus gezahlt wurde, blieb nichtöffentlich. Thomas Linse, der mit der inzwischen eingereichten vorläufigen Insolvenz der Dr.-Drogula-Krankenhausbetriebe beauftragt war, sprach 2012 von einem "angemessenen Marktpreis", den der Coburger Klinikverbund bezahlt habe. Teil des Pakets waren auch 13 Millionen Euro staatliche Zuschüsse - diese hätten zurückgezahlt werden müssen, wäre das Neustadter Krankenhaus geschlossen worden.


100 Mitarbeiter, 73 Betten

Heute ist das Krankenhaus immer noch ein wichtiger Faktor des lokalen Arbeitsmarktes. Nach Angaben von Regiomed arbeiten knapp über 100 Menschen im Krankenhaus am Fuße des Muppbergs. 73 Betten stehen für Patienten zur Verfügung. In zwei Fachbereichen hat sich das Neustadter Krankenhaus über den Klinikverbund hinaus einen sehr guten Ruf erworben: einerseits als spezialisiertes Krankenhaus für Hüft- und Knieoperationen, andererseits für die Innere Medizin, verbunden mit der Geriatrie.
Ließ sich Karl Heinz Drogula während seiner Zeit als Eigentümer des Krankenhauses immer wieder gerne bei gesellschaftlichen Ereignissen in Neustadt blicken, so wurden seine Besuche nach dem Verkauf an Regiomed zu einer Seltenheit. Lebensmittelpunkt Drogulas wurde die Stadt Mittenwalde, wo sich der erfolgreiche Mediziner und Unternehmer auch als Mäzen und Gönner engagierte. Mit mehreren Hunderttausend Euro machte er in Mittenwalde die Errichtung eines Heimatmuseums möglich, auch für ein Denkmal zu Ehren des Theologen und Kirchenlied-Dichters Paul Gerhardt leistete er einen namhaften finanziellen Beitrag. Dafür wurde Karl Heinz Drogula in Mittenwalde sogar zum Ehrenbürger ernannt. Es waren nicht die einzigen Auszeichnungen, die der Mediziner erhielt: In Neustadt bekam er 1993 die Stadtmedaille in Gold für besondere Verdienste, 1997 das Bundesverdienstkreuz am Bande.


Die Trauerfeier

Termin: Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am kommenden Dienstag um 14 Uhr auf dem Friedhof in Mittenwalde statt.