Janette, Jana und Lavina Sievers staunten nicht schlecht. Als sie durch ihren Ort radelten, trauten sie ihren Augen nicht: Im Gras, in der Nähe eines kleinen Teiches, lag ein ungewöhnlich großes Ei.
"Wir haben angehalten, weil wir eigentlich die Enten anschauen wollten," erzählt die neunjährige Jana. Das große Ei habe sie anfangs für eine Attrappe gehalten. "Wir dachten, das ist aus Plastik und es hat dort jemand hingelegt." Bei der näheren Begutachtung schlug das Herz der Kinder höher. "Wir haben es in die Hand genommen, es war echt und wir haben auch gemerkt, dass was drinnen ist", erzählen die Mädchen.
Da es gewärmt in der heißen Sonne lag, vermuteten die Kinder es könnte möglicherweise gleich ein Küken schlüpfen. Mit dem ungewöhnlichen Fund im Gepäck radelten sie zum Tierarzt nach Großheirath, der dann weiter an Egon Helder von Landesbund für Vogelschutz (LBV) verwies.
Der Buchenroder war überrascht, als die Kinder das besondere Ei zeigten. Dass es sich um ein Nandu-Ei handele, vermutete er gleich. Allerdings ist es bis heute völlig unklar, wie es dort auf die Wiese in der Nähe des sogenannten "Hundsbrünnla" gekommen ist.
In Großheirath und in der Umgebung gibt es seines Wissen niemanden, der diese exotischen Tiere hält. Helder hat das Ei zunächst unter die Wärmelampe gelegt und bewahrt es jetzt in einem Karton bruchsicher auf.
Der Buchenroder schaltete die Fachbehörden ein, Biologe Frank Reißenweber vom Landratsamt Coburg, ist gleichzeitig Kreisvorsitzender im LBV und kennt die Geschichte um den ovalen Fund. Ja, bestätigt er auf Anfrage unserer Zeitung, es handele sich definitiv um ein Nandu-Ei. Dies hätte ein Fachmann des Naturkundemuseums mit hoher Sicherheit bestätigt. Reißenweber ist allerdings ziemlich ratlos, wie ein solches Ei auf eine Wiese nach Großheirath kommen soll. "Nandus sind Gehegetiere und ich wüsste nicht, dass hier im Landkreis welche gehalten werden."
Nandus gehören demnach zur Gattung der Laufvögel und sind in Südamerika beheimatet. Etwa 600 Kilometer vom Landkreis entfernt, weiß Reisenweber, bewohnen die exotischen Vögel in freier Wildbahn in Mecklenburg-Vorpommern vor allem Stilllegungsflächen mit flächigen Trocken-und Halbtrockenrasen und Kiefernforsten, aber auch Grünland, Äcker und Laubwald.
Die Straußenvögel laufen zwar mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 Stundenkilometer, allerdings sei es äußerst unwahrscheinlich, dass ein Tier von dort ausgebüxt ist und dann in Großheirath ein Ei legt.
"Möglicherweise ist es angespült worden", spekuliert der Experte. Vielleicht, mutmaßt der Biologe weiter, stamme das Ei ja aus einer Sammlung und es hat jemand dort verloren. Allerdings handele es sich um ein geschlossenes intaktes Ei, was wiederum gegen ein Sammlerei spreche. Er könne sich den Fund beim besten Willen im Moment nicht erklären. "Sollte hier im Landkreis tatsächlich ein Nandu beobachtet werden, dann wäre es eine kleine Sensation."Möglicherweise kläre sich das Rätsel ja auf.