Es ist grau und es regnet - das passt zum Anlass. Eine Gruppe von Leuten unterschiedlichen Alters macht sich an einem Bauzaun rund um das Prinz-Albert-Denkmal zu schaffen und hängt dort laminierte DIN-A-4-Blätter auf - über 100 Stück. Darauf stehen Namen und Lebensläufe von Coburger Juden, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. "Es geht uns um eine lebendige Erinnerungskultur", erläutert Dieter Stößlein vom evangelischen Bildungswerk (EBW). Er hatte die Idee, zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Dazu gehören die Aktion am Albertdenkmal und ein Sternschweigemarsch am Samstag. "Seit Juli sind rund 20 Leute mit der Vorbereitung beschäftigt", sagt Dieter Stößlein. Es sind alles Partner des Netzwerkes für Menschenrechte, Demokratie und Toleranz.

Während am Bauzaun die Namen aufgehängt werden, kommen die ersten Passanten vorbei, um zu lesen und sich mit den Akteuren zu unterhalten.

Am Samstag wird um 13 Uhr ein zwei mal zwei mal zwei Meter großes Stahlgerüst in Form eines Würfels vor dem Rathaus aufgebaut und mit Stoff bespannt. "Dieser Würfel soll dann bei der Gedenkfeier zum Einsatz kommen. Während Michael Lion vom Landestheater die Namen der Deportierten verliest, werden Abbilder der dazugehörigen Stolpersteine an dem Stoffwürfel befestigt", kündigt Dieter Stößlein an. Darüber hinaus werden Flyer verteilt, auf denen die Veranstaltungen am Samstag zusammengefasst sind. Außerdem erläutert eine kurze Abhandlung das Anliegen, das der Künstler Gunter Demnig mit dem Verlegen der Stolpersteine verfolgt. Seit August 2009 wurden bei sieben Aktionen in Coburg 107 Steine verlegt.


Was passiert am Samstag?
Marsch
Der Sternschweigemarsch startet um 16.30 Uhr an fünf Stationen, an denen bereits Stolpersteine liegen. Diese Stationen sind: Mohrenbrücke, Spitalgasse (Einmündung Bürglaß), Judengasse (unterhalb des Judentors) und Ketschengasse (Hausnummer 26).

Gedenkfeier Die Gedenkfeier auf dem Marktplatz beginnt um 17 Uhr. Vera Olmer und Sepp Kuffer stimmen musikalisch auf die Veranstaltung ein und begleiten sie auch. Stadtheimatpfleger Hubertus Habel blickt auf die Geschichte der Judenverfolgung zurück. Michael Lion vom Landestheater liest danach die Namen der Deportierten vor. Es folgt eine Gedenkminute und Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD) spricht über das Gedenken heute. Die Gedenkfeier endet mit dem Kaddisch, dem wichtigsten Gebet im Judentum. Es ist eine Lobpreisung Gottes.