Das Maß war eigentlich schon voll. Auf der Strecke von Nürnberg bis Coburg mussten die Reisenden über eine Stunde Verspätung in Kauf nehmen - eine Geduldsprobe. "Wir haben bei Hirschaid länger als eine Stunde gestanden. Es gab keine Durchsage und keine Auskunft von der Zugbegleiterin", erzählt einer der Fahrgäste, der anonym bleiben möchte.

Er war mit Freunden und dem Bayernticket unterwegs. 0.30 Uhr sollte der Regionalzug fahrplanmäßig in Coburg ankommen. Durch eine Baustelle bei Bamberg sei es aber zu der Verspätung gekommen. Nachdem klar gewesen sei, dass die Bahn erheblich später als geplant in Coburg eintreffen wird, habe die Zugbegleiterin Taxischeine für all jene Fahrgäste verteilt, die noch weiterfahren mussten.


Ab 1 Uhr ist alles dicht

1.35 Uhr kam der Zug schließlich am Coburger Bahnhof an. Das war genau 35 Minuten zu spät, wie sich herausstellte. Alle beide Türen, sowohl der Haupteingang als auch der Ausgang zur Adamistraße waren verschlossen. "Ich habe daraufhin die Nummer vom DB-Service herausgesucht, dort angerufen und war erst einmal etwa zehn Minuten in der Warteschleife", erzählt der betroffene Reisende.

Dann habe er endlich mit einer Mitarbeiterin sprechen können. "Die hat mir erklärt, dass eine Schließgesellschaft vor Ort den Bahnhof um 1 Uhr verschließt. Da hätten wir halt Pech und müssten bis 3 oder 3.30 Uhr warten. Sie könne da jetzt auch nichts tun."


Bei Polizei angerufen

E inige Fahrgäste seien derart sauer gewesen, dass sie sogar die Polizei angerufen hätten. Doch deren Hilfe wurde dann doch nicht gebraucht. Denn der Lokführer wusste einen Ausweg. Er war etwas später als die anderen Fahrgäste ins Bahnhofsgebäude gekommen und übernahm es, sie über einen unbeleuchteten und noch dazu schlecht begehbaren Weg nach draußen zu bringen - für die Reisenden, die mit Koffern unterwegs waren, kei n leichtes Unterfangen.

Eine Anfrage bei der Deutschen Bahn blieb am Dienstag unbeantwortet. Bis zum Abend gab es keine Stellungnahme. Eine Pressesprecherin teilte lediglich mit, dass sich die zuständigen Stellen mit der Frage beschäftigen und der Vorgang geprüft werde.