Entspannte Händler und gut gelaunte Schnäppchenjäger brachten am Wochenende Leben in Coburgs historische Innenstadt. Der traditionelle Flohmarkt, der diesmal unter einem neuen Konzept stand, lockte Tausende von Besuchern an.

Hobbyhändler, professionelle Anbieter und Besucher bevölkerten am Wochenende wieder die Stadt. Zu den alteingesessen Trödelhändlern gehörten Ingeborg Amberg und Ursula Kessler, die an ihrem Stammplatz im Steinweg ihr Waren feil boten. Neben Geschirr, Gläsern, Kleidung stand auch Sekt bereit. "Wir wollen später ein Gläschen trinken", sagten die Frauen. Seit 30 Jahren kommt Ingeborg Amberg nunmehr regelmäßig zum Coburger Flohmarkt, um all das zu verkaufen, was sie nicht mehr braucht. Am Samstagabend war die Coburgerin gut gelaunt, obwohl sie einräumte, dass sie skeptisch gewesen sei. "Ich war erst verunsichert, weil ja diesmal alles ein bisschen anders läuft. Ich habe überlegt, ob ich komme ", sagte sie. Damit sprach sie das neue Konzept zum Coburger Flohmarkt an. Die Organisation hatte die Stadt Coburg diesmal an die Firma "Enklers Floh-und Trödelmärkte" aus Dinkelsbühl abgegeben.

Ambergs Bedenken wurden schnell ausgeräumt. "Es hat alles sehr gut geklappt, und vor allem waren die Leute beim Kassieren sehr freundlich", freute sich die Coburgerin. Den höheren Preis von sieben Euro anstelle der drei Euro für einen laufen Meter Stellfläche nehme sie gerne in Kauf, wenn es so reibungslos und entspannt ablaufe, sagte sie. Dies sahen Martina Wolf, Julia Messaoud und Marion Rennecke genau so. Schließlich würden die Preise überall steigen, und wenn die Qualität passe, sei dies in Ordnung, so Martina Wolf. Die Frauen hatten ihre Wühltische und Kleiderständer gegenüber dem Stadtcafé aufgebaut, und sie lobten das neue Konzept. "Die zehn Euro Kaution finde ich sogar richtig gut. Denn wie manche Leute ihren Stand verlassen haben, war wirklich eine Katastrophe", sagte Martina Wolf.

Seit zehn Uhr morgens hatten die drei Frauen geduldig ihren Platz reserviert und gewartet, bis sie gegen 18 Uhr ihr Auto ausladen durften. Und auch das störte sie nicht. "Es ist eine tolle Stimmung in der Stadt, das Warten macht nichts", war Martina Wolf rundum begeistert. Für den Fall, dass in der Nacht der Hunger komme, habe man einen Korb mit Proviant dabei. "Wir wissen noch nicht genau, wie lange wir bleiben. Das kommt auf den Verkauf an", so Wolf. Auch Ingeborg Amberg und Ursula Kessler stellten sich auf eine lange Nacht ein. Sie hatten Dachboden, Keller und Schränke leer geräumt, um edle Weingläser, Geschirr oder Original venezianische Masken zu verkaufen. "Die Masken hat mein Sohn in Italien gekauft, jetzt braucht er sie nicht mehr, vielleicht freut sich jemand darüber", sagte Amberg.

Je später der Abend, um so mehr Schnäppchenjäger strömten in die Straßen, Gassen und auf den Marktplatz. Und manche waren auf der Suche nach Kuriosen wie Diethard Rauschert aus Coburg, der ein Trinkhorn aus dem Rucksack heraus kramte. "So was habe ich in Schottland gesehen, aber 80 Euro waren mir zu teuer", erzählt er. Jetzt habe er das ungewöhnliche Trinkgefäß von 25 Euro auf 22 Euro runter gehandelt, freute er sich. Es müsse noch nur mit Met befüllt werden, sagte er.

Durch die Ketschengasse schlenderten auch Leonie und Mohammed, die am frühen Abend für die Firma Enkler gearbeitet hatten. "Wir haben den Job auf Ebay gefunden und ein bisschen Geld dazu verdient," sagte die Schülerin. Zum Beispiel hätten sie darauf geachtet, dass bis 17.45 kein Auto in die Zone im Steinweg fahre. "Es ging alles sehr gut und entspannt über die Bühne, " freuten die jungen Leute. Überall in der Stadt herrschte ein fröhliches Treiben und Feilschen, neben den Hobbyhändlern boten diesmal deutlich mehr professionelle Anbieter als in den Vorjahren ihre Produkte feil.

Entlang des bunten Trödelmarktes flanierten gegen Mitternacht noch vereinzelt Nachtschwärmer, um Schnäppchen zu erstehen. Kunst, Krempel, Kleidung und Kuriositäten verschwanden teilweise unter Planen, einige Händler schlugen ihr Nachtlager auf, andere bleiben wach. Bei Ingeborg Amberg und Ursula Kessler knallten die Sektkorken.