In der Küche duftet es nach frisch geschnittener Petersilie, die Pfifferlinge werden gerade geputzt. Muhammet Cinel und Abdullah Caudar legen in ihrem Restaurant "Mediterran", das sie im Alten Schützenhaus betreiben, Wert auf frische Ware. Die Gerüchte von Ratten im Keller, die in den vergangenen Wochen fast täglich in den Zeitungen diskutiert wurden, haben die beiden geärgert.

Zwar war das Lokal und der dazugehörige Biergarten nahezu jeden Abend ausgebucht, doch die Gespräche an den Tischen drehten sich oft um die tragischen Geschehnisse im Haus und um den schlagzeilenträchtigen Prozess. "Es war viel Spaß dabei, aber es gibt schon neugierige Leut' und einige, die uns direkt auf die Ratten angesprochen haben", erzählt Cinel.

Auch das Gesundheitsamt Coburg führte aufgrund der Diskussionen um mögliche Ratten im Keller des Gebäudes in der vergangenen Woche eine Kontrolle durch. Ohne Ergebnis. "Allerdings empfahl uns das Amt, eine offizielle Schädlingsbekämpfungsfirma damit zu beauftragen, ein Gutachten zu erstellen", sagt Cinel.


Schriftlich bestätigt

Die Firma Heß aus Sonneberg kam und bestätigte den beiden Gastronomen jetzt, dass weder im Keller, in den Nebengebäuden noch in der Gaststätte Nagerbefall festgestellt werden konnte. Cinel: "Jetzt haben wir schriftlich, was wir sowieso wussten." Nahrungsmittel dürfen gar nicht im Keller gelagert werden. Und das Lager im Alten Schützenhaus, wo auch das LKA Schussversuche durchgeführt hatte, um nachzuweisen, ob dort eventuell schon einmal auf Ratten geschossen wurde, dient lediglich als Unterstellmöglichkeit für Mobiliar, Holz und Schirme.

Seit Januar betreiben Cinel und Caudar das Restaurant Mediterran. Seit 2010 interessiert sich der Neustadter Muhammet Cinel für das Lokal. "Es war genau das, was ich gesucht habe!" Doch als er sich darum bewarb, hatte Eva-Maria Schad dort gerade das "Papisa" eröffnet.

Nachdem es im Herbst vergangenen Jahres geschlossen wurde, meldete sich Cinel erneut und bekam den Zuschlag. Die Umstände der Schließung störten die neuen Besitzer nicht. "Wir haben einfach bei Null angefangen", sagt Cinel, der sehr zufrieden mit der Entwicklung ist und stolz sein Buch mit den Tagesreservierungen zeigt.
Oben im Dachgeschoss, in der Wohnung, in der im Oktober vergangenen Jahres Ulrich S. seine Ehefrau Marie erschossen hat, wohnen die beiden. "Für uns ist das kein Problem. Wir kennen weder Täter noch Opfer. Haben also keinen Bezug dazu", sagt Muhammet Cinel und zeigt uns bereitwillig den Tatort.

Auch einige Möbel haben sie Eva-Maria Schad abgekauft. Dazu gehört die Küche, das Esszimmer und das weiße Himmelbett im ehemaligen Schlafzimmer.