Der Prozess um die Amokfahrt des Harald B. durch weite Teile Frankens zu Beginn diesen Jahres dauert weiter an.Ursprünglich ist für Freitag ein Urteil erwartet worden, doch stattdessen setzte die erste große Strafkammer am Coburger Landgericht um Vorsitzenden Richter Christoph Gillot die Beweisaufnahme fort und vernahm weitere Zeugen.

27-Jähriger liefert sich Verfolgungsjagd mit Polizei - Beamter wird zum Held des Tages

Einer von ihnen war der Einsatzgruppenleiter der Coburger Polizei. Der Beamte nahm ab der A73 an der Anschlussstelle Bad Staffelstein die Verfolgung von Harald B. und seinem Sattelzug auf. Ein Überholen des Lkws war durch die Schwenkbewegungen des Angeklagten unmöglich. Auf Anhaltezeichen reagierte Harald B. nicht. Auch die Sackgasse in der engen Straße "Kleine Rosenau" in Coburg hielt den Trucker nicht auf.

Daher stellte Richter Gillot die Frage, welche Möglichkeiten in Betracht gezogen wurden, um den Lkw zum Stehen zu bringen.

Waffeneinsatz als letzter Ausweg

"Ultima ratio wäre der Schusswaffengebrauch gewesen", entgegnete der Polizist. Das wäre jedoch äußerst gefährlich gewesen, wie der Beamte weiter ausführte. "Dafür sind wir nicht ausgebildet. Da braucht es Spezialeinheiten". Außerdem seien die Schusswaffen der Streifenpolizisten nicht ausreichend, um einen fahrenden Lkw-Reifen so zu beschädigen, dass Luft austritt.

Im Einsatz waren sogenannte Stop Sticks, eine neuere Form der Nagelsperre. Jedoch ist Harald B. immer vorher abgebogen und diesen somit ausgewichen. "Es wäre ohnehin fraglich gewesen, ob die Stop Sticks funktioniert hätten", sagte der Beamte. "Eigentlich sind sie für Autos gedacht. Mit Lkws haben wir überhaupt keine Erfahrungen."

Ein Sachbearbeiter der Coburger Polizei erklärte in seiner Aussage, dass Harald B. in der Tatnacht keine Angaben zur Tat selbst gemacht habe. "Auf dem Weg in die Haftzelle sagt er jedoch, dass es ihm leid täte und er hoffe, dass niemand schwerer verletzt wurde", erinnerte sich der Zeuge.

Einen Tag nach der Tat, am 24. Januar ist Harald B. in der JVA Kronach vernommen worden. Aus dem Protokoll ging hervor, dass der 39-Jährige sich noch äußerst genau an die Festnahme erinnern könne, was jedoch im Widerspruch zu seiner Aussage vom ersten Verhandlungstag steht.

Über die vorherige und rund zwei Stunden andauernde Verfolgungsjagd habe er jedoch keine Erinnerungen mehr gehabt. Bereits zum damaligen Zeitpunkt räumte er den Konsum von Speed ein, da Harald B. viel Stress und öfters Streit mit seiner Frau gehabt habe. Die Neuigkeit, dass seine Frau einen neuen Partner hätte, habe ihn zusätzlich belastet.

Frage nach der Schuldfähigkeit

Ein Gutachter bescheinigte bereits, dass Harald B. sich während der Tat in einem Zustand befunden habe, der einem Vollrausch gleicht. Wenn das Gericht diese Meinung teilt, kann der Angeklagte wegen Vollrausch, nicht aber wegen versuchten Mordes verurteilt werden. Ein Urteil wird voraussichtlich am 17. Oktober erwartet.

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