"Du wirst die Welt niemals richtig genießen, bis nicht das Meer durch deine Adern fließt, dich der Himmel zudeckt und die Sterne dich krönen." (Thomas Traherne) Am vergangenen Sonntag ließen sich mehrere hundert Konzertgäste auf dieses musikalische Wagnis ein und bestiegen die "Windjammer Kongresshaus Coburg", um sich von der Seemannscrew "Seemannschor Coburg" durch die Ozeane der Sehnsucht, der Liebe und der Leidenschaft musikalisch schippern zu lassen. "Lieder der Meere" lautete der Titel des Konzerts.

Zuerst ertönte mehrfach die Schiffsglocke und dann ließ der Seemannschor den musikalischen Ruf erschallen: "Jetzt heißt es Leinen los." Und allein schon damit war für die mitreisenden Skipper die Sehnsucht nach dem weiten Meer geweckt.

Der Kapitän und Vorsitzende des Chores, Wolfram Haeuschkel, begrüßte seine Passagiere und wies erfreut auf den Oberkapitän der Stadt Coburg, Oberbürgermeister Norbert Tessmer hin. Dieser sei schon seit einigen Jahrzehnten Mitglied beim Coburger Seemannschor . Auch Coburgs Lieutenant - Dritter Bürgermeister Thomas Nowak - und einige Stadträte wurden begrüßt. Als Moderator trat Christian Limpert in Aktion. Er wies auch auf den Wechsel des Dirigenten hin. Chorleiter Manfred Weitzel hatte sich erst einer Hüft-OP unterzogen und fiel deshalb für das Konzert aus.

Dafür sprang der Leiter des ASB-Seniorenzentrums Am Park in die Bresche. Thomas Schwesinger ist hochmusikalisch und half bei diesem nautischen Desaster gern aus. 28 Seemannsmitglieder, eine Choristin und ein Chorist führten ihre musikalischen Gäste sicher durch die stillen und manchmal tobenden Gewässer.

Die Lieder wurden entweder von Solisten mit Chorbegleitung gesungen oder als Chorstück dargeboten. Der Seemannschor Coburg besteht nicht nur aus singenden Seebären mit guter Stimme, sondern auch "dat Deern (die Frau) Olga, ließ ihre Stimme als Seemannsbraut erklingen und sang von Liebe, Sehnsucht und der fernen Heimat. Lieder wie "Junge, komm bald wieder" (Bekannt geworden durch ein Seemannsmusical und den Sänger Freddy Quinn), "Ein Herz und eine Rose", " Ein weißes Segelboot" und "Endlos sind jene Meere" bis hin zum Klassiker "I am Sailing" wurden vor der Pause gesungen, mitgesungen und rhythmisch mitgeklatscht sowie mit viel Applaus belohnt.

Nach dem "Gorch Fock Marsch" erfuhren die mitreisenden Leichtmatrosen "Auch Matrosen haben Heimweh". So wurden "Mohavanna", "La Paloma", Die kleine Hafenmelodie", "Kleine Möwe flieg nach Helgoland", "Santiano" oder "Aloha Heja" und etliche weitere Lieder in das Meer der Gefühle, Sehnsüchte und aufkeimenden Hoffnungen notenmäßig geworfen. Den Sehnsuchtsmatrosen der Seefahrt im Konzert wurde verdeutlicht, diese musikalische Seefahrt geschieht niemals in Binnengewässern, sondern immer auf dem freien und manchmal wilden Meer.

Das Hauptsegel oder den Maschinenraum der musikalischen Windjammer bildeten die Akkordeonisten Helmut und Harald, der Gitarrenspieler Sigi und der Orgelspieler Heiko. Als Solisten traten auf Peter, Klaus, Olga, Arnold, Martin, Dieter und Wolf.

Die Passagiere der musikalischen Reise applaudierten und jubelten zu den Gesangsdarbietungen und schunkelten bei den ausdrucksstarken Seemannsledern mit. Mit beschwingtem und teils rollendem Seemannsgang marschierten die Coburger Konzertgäste am Sonntagnachmittag aus der Kongresshalle hinaus. In sich trugen sie sehr wahrscheinlich die Lieder zum Meer und die Sehnsucht nach fernen Welten.