Nun auch noch Dauerregen! Nicht gerade vom Glück verfolgt sind die Arbeiten zur Bergung von Weltkriegsmunition aus der Itz rund um die historische Eselsbrücke. Aber Heinrich Bernhard Scho, Sprengmeister und Leiter der Bergungsarbeiten, lässt sich vom schlechten Wetter nicht aus der Ruhe bringen: "So lange das Wasser hier nicht übers Ufer tritt, stört uns der Regen nicht groß."


Pegel der Itz nach den Regenfällen deutlich gestiegen

Allerdings ist am Dienstagmorgen deutlich zu sehen, dass in der Nacht lang anhaltende Regenschauer über das Coburger Land gezogen waren. Der Pegel der Itz ist deutlich höher als am Montagabend, als Scho und sein Team der Firma "HBS-Munitionsbergung" ihre Arbeit beendeten und ins Übernachtungsquartier beim Meschenbacher "Bräustübla" fuhren. Mindestens 15 Zentimeter steht das Wasser nun höher - so viel sagt der offizielle Itz-Pegel des Wasserwirtschaftsamtes an der Schenkenau nur wenige Kilometer Meter südlich der Eselsbrücke aus.


Jede Menge Munition

Die Arbeiten selbst brachten für das HBS-Team keine Überraschungen mehr. "Das Übliche halt: Jede Menge Munition, Handgranaten auch wieder", bestätigt Scho, der weiterhin mit einem Fünf-Mann-Team an der Itz im Einsatz ist. Am meisten Respekt müssen die speziell ausgebildeten Mitarbeiter Schos vor Phosphorgranaten ("Nebelwerfern") haben. Einige davon wurden auch gestern aus dem Wasser gezogen, immerhin ging keine dabei in Flammen auf. Dies war ja am Freitagabend der Fall, wobei der Rauch für jede Menge Aufregung unter den Meschenbachern und Autofahrern auf der Bundesstraße 4 sorgte.


Keine Sekunde unvorsichtig sein

Dennoch mahnt Scho seine Kollegen immer wieder zur Vorsicht: "Wir dürfen bei der Suche keine Sekunde mit der Konzentration nachlassen." Für den Fall, dass sich doch einmal wieder ein Nebelwerfer beim Kontakt mit Sauerstoff an der Luft entzündet, haben die Suchkräfte spezielle Anzüge an. Wie Heinrich Bernhard Scho erklärt, dienen diese zum Schutz vor dem Phosphor, der nicht nur brennen, sondern auch spritzen kann. "Die Spritzer kleben wie Honig - deshalb die Anzüge", sagt Scho. Die vorgestern und gestern aus dem Wasser geborgenen Phosphorgranaten hat das HBS-Team vorübergehend in mit Wasser-/Sand-Gemisch gefüllten Spezialbehältern gelagert. Ob und wie diese weitertransportiert werden, ist derzeit noch unklar.

Schon 260 Kilo gefunden

Heinrich Bernhard Scho hat sich vorgenommen, dass die Nachbarn und die Autofahrer auf der B 4 möglichst wenig durch die Bergungsarbeiten gestört werden. Deshalb will er auf jeden Fall vermeiden, dass weitere Phosphorgranaten direkt an Ort und Stelle neben der Itz abgebrannt werden. "Wir haben schon überlegt, ob wir einen sicheren Ort suchen und es dort machen", erklärt der Sprengmeister. Bislang sei es auf jeden Fall noch nicht nötig gewesen, kurzfristig einen "Nebelwerfer" abzubrennen.


Zur Entsorgung nach Ingolstadt transportiert

Wie es mit den Bergungsarbeiten weitergeht, kann Scho immer noch nicht genau sagen. Der Sprengmeister geht davon aus, dass er noch bis mindestens Ende der Woche an der Eselsbrücke im Einsatz sein wird. Die Masse der Munition, die Baggerfahrer Ingo Lamm Schaufel für Schaufel aus dem Fluss zieht, lässt jedenfalls kaum nach. Die ersten rund 190 Kilo Munition sind bereits am Montagabend zur Entsorgung nach Ingolstadt transportiert worden. Inzwischen liegen allerdings schon wieder über 70 Kilo in den schweren Munitionskisten zur Abholung bereit.



Scho, der am Freitag noch eher mit einem kleinen Einsatz rechnete, muss mittlerweile über das Ausmaß der Kampfmittelfunde selbst ein bisschen schmunzeln. "So viel Zeug auf einer so kleinen Fläche - das ist wirklich nicht mehr alltäglich", sagt der Firmenchef. Und noch ist sein Einsatz in Meschenbach ja nicht zu Ende. Am Dienstagabend hatte das HBS-Team etwa die Hälfte des Suchgebietes - jeweils 20 Meter ober- und unterhalb der Eselsbrücke - durch.