Versuchter Mord in vier Fällen, dazu der Versuch der besonders schweren Brandstiftung - für einen Coburger Gastronomen, der bis September 2010 in der Ketschengasse einen Döner-Imbiss betrieben hatte, könnte es jetzt richtig brenzlig werden. Die Coburger Staatsanwaltschaft wirft dem 45-Jährigen vor, am 30. September 2010 Feuer in seinen Geschäftsräumen gelegt und damit vier Menschen, die sich im ersten und zweiten Stock des Gebäudes aufhielten, in Lebensgefahr gebracht zu haben.

Eine aufmerksame Nachbarin hatte an jenem Septembermorgen gegen halb neun bemerkt, dass Rauch aus dem Gebäude drang, das vor dem Döner-Imbiss jahrzehntelang die Bäckerei Oppel beherbergt hatte. Sie alarmierte Polizei und Feuerwehr. Die Rettungskräfte holten einen Studenten, der noch schlief, sowie ein Ehepaar mit einem neun Monate alten Baby aus dem Gebäude und brachten sie in Sicherheit. Obwohl die vier Bewohner unverletzt blieben, lautet die Anklage gegen den Imbiss-Betreiber jetzt auf versuchten Mord.

Drei bis maximal 15 Jahre


Mord werde in Deutschland generell mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe bestraft, erläuterte Landgerichts-Pressesprecher Christian Pfab dem Tageblatt auf Nachfrage. Der Versuch könne aber unter Umständen milder bestraft werden - hier liege das Strafmaß bei mindestens drei bis maximal 15 Jahren. Ob dem 45-Jährigen allerdings die Tötungsabsicht nachgewiesen werden kann, muss der Prozess zeigen, der am Montag, 18. Juni, um 10 Uhr vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht beginnt.

Vor der mutmaßlichen Brandstiftung soll es zu Streitigkeiten mit der Vermieterin des Ladenlokals gekommen sein. Laut den Ermittlungen soll der Imbiss-Betreiber der Frau über Monate die Miete gekürzt und Mietschulden angehäuft haben. Er soll außerdem dem Schwiegersohn der Vermieterin gedroht haben, er wolle ihn "fertig machen". Die Hausbesitzerin zog schließlich die Konsequenzen und kündigte den Mietvertrag zum 30. September 2010.

Sachschaden lag bei 20.000 Euro



Wenige Stunden, bevor an jenem Tag die Schlüsselübergabe stattfinden sollte, brannte der ehemalige Imbiss komplett aus. Auch drei angrenzende Nebenräume wurden stark beschädigt. Der Sachschaden lag mit 20.000 Euro zwar deutlich niedriger als zunächst angenommen, die Anklage geht dennoch davon aus, dass der beschuldigte Gastronom zum einen der Familie der Eigentümerin schaden und zum anderen die Leistung aus einer Feuerversicherung kassieren wollte.

In den ausgebrannten Räumen fanden die Einsatzkräfte seinerzeit Holz und Gerätschaften aufgetürmt, dazu mehrere Kartons mit Servietten und Verpackungsmaterial, hölzerne Schubfächer und einen Eimer, der mit Fett getränkte Lappen enthielt. Der Gastronom soll den Haufen in Brand gesteckt haben. Das Feuer griff zwar nicht auf das Gebäude selbst über, machte aber so gut wie alle Räume im Erdgeschoss unbenutzbar.

Dem Tageblatt sagte der Betreiber des ehemaligen Döner-Imbisses damals, er sei seit zwei Wochen nicht mehr in den Räumlichkeiten gewesen. Er habe den Betrieb an diesem Standort eingestellt; deshalb seien auch keine technischen Geräte mehr angeschlossen gewesen.