Ein bisschen scheint das Feuerwehr-Gen bei der Familie Schultheiß schon im Blut zu liegen. Als Diana - die Tochter des Kreisbrandmeisters Bernd Schultheiß - zwölf Jahre alt war, marschierte sie ihrem Vater und ihrem Bruder einfach zur Feuerwehr hinterher. Heute, weitere zehn Jahre später, kann die 21-Jährige vielen männlichen Kollegen etwas vormachen - wie man ein Feuerwehrauto fährt, zum Beispiel.
Denn Diana Schultheiß ist eine der wenigen Frauen, auf jeden Fall die einzige im Gemeindegebiet Großheirath, die auch einen Feuerwehrführerschein für Fahrzeuge mit 7,5 Tonnen besitzt.
Es ist typisch für die 21-Jährige, dass sie um ihren Dienst bei der Feuerwehr kein großes Aufsehen macht. "Ach, gar nicht so schlimm", war für sie der "große" Führerschein, den sie nach neun praktischen Stunden auf dem Coburger BGS-Gelände, im Stadtverkehr und auf der Landstraße vergangene Woche abgelegt hat. Und schon gar nicht schlimm lässt sich das Großheirather Feuerwehrauto, auf dem sie die Prüfung machen musste, fahren. Obwohl es schon deutlich größer ist als das Rossacher, mit dem Diana im Normalfall zu Einsätzen unterwegs sein wird. Da stimmt ihr Christian Göpel aus Großheirath, der auch den Führerschein hat, zu: "Das geht überraschend einfach." Nur den Schulterblick aus der Auto-Fahrschule sollte man sich abgewöhnen, denn der bringt nichts. Da wiederum nickt Diana Schultheiß eifrig: "Nach Spiegel fahren - das ist schon eine Umgewöhnung." Aber sonst? "Passt scho."
Viel härter war insgesamt die Prüfung zum Atemschutzgeräteträger. Auch die steht inzwischen als "erfolgreich abgeschlossen" im Feuerwehr-Lebenslauf von Diana. Dabei war sie sich am Anfang gar nicht so sicher, ob sie enormen körperlichen Anforderungen erfüllen werde. Aber das "leichte Muffensausen" war letztlich unnötig. Freilich, die Übungseinheiten auf der Ebersdorfer Atemschutz-Strecke wurde zu einer extrem schweißtreibenden Sache. "Aber es war nicht so, dass ich an meine Grenzen gestoßen bin", sagt die 21-Jährige.
Der Großheirather Bürgermeister Udo Siegel (CSU) ist froh, dass es Typen wie Diana Schultheiß gibt. Nicht nur, weil sie eine Frau ist, sondern auch weil sie jung ist. Da macht sich die Jugendarbeit - die in Rossach, Großheirath und auf den Eigens dörfern sogar schon bei den "Löschzwergen" im Alter von acht bis zwölf Jahren beginnt - im Gemeindegebiet bezahlt. "Wir haben durch die Bank sehr junge Truppen", freut sich der Bürgermeister. Und er selbst, er darf sich auch ein bisschen mit dem außergewöhnlichen Feuerwehr-Werdegang von Diana Schultheiß schmücken: Udo Siegel war nämlich Jugendleiter, als Diana 2002 in Rossach zur Feuerwehr kam. Dass sie danach sämtliche Prüfungen im Jugendbereich ablegte - logisch!
Diana Schultheiß ist als Frau in der Feuerwehr alles andere als eine Außenseiterin. Das sagt sie nicht nur so dahin, das sieht man auch im Umgang mit ihren Kollegen. Wenn überhaupt, dann spürte sie den "kleinen Unterschied" während ihrer Zeit in der Jugendfeuerwehr. "Pubertät und so...", erinnert sie sich und lacht. Dann haut sie dem Großheirather Feuerwehr-Piloten Christian Göpel lachend auf die Schulter und zeigt auf das Feuerwehr-Auto: "Ihr müsst mich schon öfter mal mit dem Ding fahren lassen - nicht, dass ich es wieder verlerne." Bei Diana ist die Feuerwehr ein wichtiger Teil des Lebens. Deshalb steht der ehrenamtliche Dienst auch in ihrem Lebenslauf, mit dem sie sich erst vor einiger Zeit am Coburger Klinikum beworben hat. Was sie dann im Bewerbungsgespräch erlebt hat, freut die 21-Jährige heute noch. "Meine Chefin hat gesagt, dass sie ein solches Engagement toll findet", erzählt Diana begeistert. Dass das aber nicht immer und überall so ist, weiß sie auch. "Schade", findet sie das. Und in diesem Zusammenhang macht sich auch Bürgermeister Udo Siegel so seine Gedanken, trotz der momentan tollen Personalstärke der Großheirather Wehren. "Wenn man den demografischen Wandel betrachtet, dann wird es mit den Feuerwehren in Zukunft schwierig", sagt Siegel. Typen wie Diana Schultheiß können da vielleicht mithelfen, dass es doch nicht so schlimm wird wie die Zahlen vermuten lassen.