Kriegen wir einen glanzvollen Märchen-Tanzabend? Der Coburger Ballettchef Mark McClain jedenfalls wirkt im Vorfeld der Premiere am Samstag, 27. Oktober, im Großen Haus des Landestheater ganz verträumt: "Tschaikowskys ,Nussknacker' ist einfach wunderschön, das Weihnachts-Ballett an sich."


Jeder hat die Musik im Ohr



In Nordamerika steht es im November und Dezember schier überall auf dem Programm, erzählt der gebürtige Amerikaner McClain im Gespräch mit dem Tageblatt. Er selbst aber hat es hier in Deutschland noch nie aufgeführt, weder getanzt in seiner Zeit als Solist des Stuttgarter Staatsballetts, noch als Choreograf. "Das ist allen so vertraut, die Musik ist fast zu gut, jeder hat sie im Ohr."


Verzauberter PRinz



Na eben! Und deshalb will uns auch das Landestheater Coburg mal wieder dieses Traumstück vom mutigen Klärchen bescheren, das dem zum Nussknacker verzauberten Prinzen hilft, den Mäusekönig mit seiner Armee zu besiegen. Das Philharmonische Orchester des Landestheaters wird live spielen unter Leitung der neuen 1. Kapellmeisterin Anna-Sophie Brüning. Jetzt, wo er sich intensiv mit Musik und Märchenstoff beschäftigt, ist auch Mark McClain verzaubert von Tannenwald und Schneeflocken-Walzer, von Zuckerburg und Zuckerfee. Und erst recht von den unvergleichlichen Tänzen Tschaikowskys in Spanisch, Arabisch, Chinesisch und Russisch, blumig und in wilder Tarantella. "Wir Tänzer reagieren allerdings weniger auf die Melodien als auf die rhythmischen Strukturen, und die sind bei Tschaikowsky so abwechslungsreich, so raffiniert und die Fantasie anregend", präzisiert der Choreograf.

In klassischen Kostümen


Weil dieses Ballett nach der Geschichte von E.T.A. Hoffmann und einer Version von Alexandre Dumas, als Libretto aufbereitet von Marius Petipa höchstselbst, so klassisch ist, wird auch McClain in seiner Bewegungssprache richtig klassisch bleiben in richtig "klassischen" Kostümen von Ausstatter Ingomar, der aber sicherlich, so wie wir ihn kennen (unter anderem "Crazy for you") auch für schräge Akzente sorgen wird.


Eigentlich ein Ballett der Tausend



McClain jedenfalls lässt sich so richtig fallen in den Zauber des klassischen Balletts und der Geschichte und hofft, sein Publikum mit sich zu ziehen. Wenn er auch inhaltlich nichts verändert am Original, Anpassungen für Coburg muss er vornehmen. "Das ist doch ein Ballett der Tausend und wir haben hier nur zehn Tänzer und Tänzerinnen. Deshalb wollte ich das eigentlich nicht machen." Na, da muss das Coburger Ensemble halt mal wieder richtig ran in den knapp zwei Stunden der Choreografie, das sind die doch gewöhnt.


Ein Märchen, wie es im Buche steht



Bei allem Stöhnen über die großen Anforderungen habe das Ensemble allerdings auch viel Spaß gerade in diesem Stück. "Das ist doch ein Märchen, wie es im Buche steht", lächelt McClain, der es auch gelassen nimmt, dass Po-Sheng Yeh und Niko Ilias König krankheitsbedingt längere Zeit ausfallen werden. An ihrer Stelle sind jetzt zwei Gäste, Sylvain Guillot und Robert Kedzinski, zu erleben.

Zwei Gäste


Veränderung auch bei den Damen: Miki Nakamura, erst letztes Jahr nach Coburg gekommen, hat geheiratet und ist ihrem Liebsten nachgezogen. Nathalie Holzinger, Absolventin der Bosl-Stiftung, tanzt nun an ihrer Stelle. Außerdem ergänzen zwei Elevinnen, Greta Giorgi und Yukina Hasebe als weitere Gäste. Beim "Nussknacker" kommen auch mal wieder die Coburger Tanzschulen zum Zuge. Nach einem Vortanzen sind nun 22 Kinder für zwei Besetzungen dabei.


Weitere Ballettproduktionen in dieser Saison



In dieser Saison wird es übrigens noch einmal Tanztheater mit Live-Orchester im Großen Haus geben: einen Tango-Abend im April mit den Tango-Spezialisten aus dem Orchester. Die Ballettsaison insgesamt wird komplettiert durch die "Jungen Choreografen" im Januar und ein besonderes Projekt in der Reithalle: Schauspielchef Matthias Straub und Ballettmeisterin Tara Yipp werden Büchners "Woyzeck" als Schauspiel-Ballett-Produktion inszenieren. Premiere im Juni.