Die Gegner eines Flugplatzneubaus bei Neida hatten große Hoffnungen in den Termin gesetzt: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte im August angekündigt, dass er nochmals Gespräche führen wolle, ob ein neuer Verkehrslandeplatz wirklich notwendig sei. Am Dienstag, sprach Herrmann wie angekündigt mit Vertretern der Region am Rande der CSU-Klausurtagung in Kloster Banz.

Die Delegation bestand aus großenteils aus Neubau-Befürwortern: "Vertreter der regionalen Wirtschaft unter Führung des Präsidenten der IHK zu Coburg, Friedrich Herdan, dem Oberbürgermeister der Stadt Coburg, Norbert Tessmer, des Landrates Michael Busch und Vertreter der Verwaltung" nahmen laut IHK an dem Termin teil. "In dem Gespräch wurde die herausragende Bedeutung des Neubauvorhabens für die Region Coburg diskutiert und mit Fakten unterlegt", vermeldete die IHK hinterher. "Alle Anwesenden waren sich einig, dass ein leistungsfähiger und zukunftsfähiger Neubau eines Verkehrslandeplatzes für die Region Coburg dringend notwendig ist, da der bisherige Verkehrslandeplatz Brandensteinsebene nicht zielgerichtet für eine nachhaltige, richtlinienkonforme Luftverkehrsanbindung der Region ausbaubar ist und keine Alternativen bestehen."

Die Gegner eines Flugplatzneubaus beharren darauf, dass die Brandensteinsebene ausbaufähig sei. Doch das Gelände setzt Grenzen, selbst, wenn man einen großen Teil auffüllen würde. Mehr als 1200 Meter Startbahnlänge sind laut Gutachten nicht möglich. Die Startbahn auf der Brandensteinsebene hat aktuell eine Länge von rund 980 Metern; weil die Schwellen und Sicherheitsstreifen von der Bahnlänge abgezogen werden müssen, stehen nur 632 Meter zur Verfügung. Flugzeuge, die mehr wiegen als zwei Tonnen, brauchen jetzt schon für jeden Start eine eigene Genehmigung.

Die 632 Meter sind für viele Kleinflugzeuge (bis 5,7 Tonnen Gesamtgewicht) zu kurz; die Firma Brose hat ihren Jet deshalb schon aus Coburg abgezogen und fliegt damit von Bamberg aus. Dort ist die Landebahn länger, aber es ist kein Instrumentenflug möglich.

Der wiederum ist auf der Brandensteinsebene gestattet, aber nur bis Ende 2019. So lange gilt die Ausnahmegenehmigung des Bundesverkehrsministeriums für die nicht richtlinienkonforme Anflugbefeuerung. Deshalb werde die Deutsche Flugsicherung das Instrumentenflugverfahren voraussichtlich auch nur bis 2019 aufrechterhalten, heißt es seitens des Luftamts Nordbayern.

Zuschuss in Aussicht

Wie die IHK mitteilt, gelang es nicht nur, den bayerischen Verkehrsminister von der Notwendigkeit eines Flugplatzneubaus zu überzeugen. Herrmann habe auch eine Beteiligung des Freistaats an den Baukosten in Aussicht gestellt, heißt es in der Mitteilung der IHK. "Dies ist die letzte Hürde, die auf dem Weg zur Einreichung der Planfeststellungsunterlagen und letztlich zum Neubau noch fehlt", wird Willi Kuballa zitiert, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Coburg (PGVC) und Rechtsdirektor der Stadt Coburg.

Die Baukosten für einen neuen Verkehrslandeplatz mit 1420 Metern Startbahnlänge werden auf 30 Millionen Euro geschätzt. Wie die IHK mitteilt, übernimmt "die Wirtschaft" einen Anteil von acht Millionen Euro. "So werden die Kommunen entlastet und zugleich der Weg hin zu einer zukunftsfähigen Infrastruktur der Region Coburg bereitet. Hiervon profitieren alle Unternehmen am Wirtschaftsstandort Coburg, die auf einen schnellen, direkten wie auch planbaren Luftverkehrsweg angewiesen sind."

Dem seien "lange und intensive" Gespräche zwischen IHK-Präsident Herdan, dem Vertreter der Gesellschafterversammlung der Brose Unternehmensgruppe, Michael Stoschek, Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer und Landrat Michael Busch (beide SPD) vorausgegangen. Stadt und Landkreis wollen zusammen sieben Millionen Euro aufbringen: 5,5 Millionen die Stadt, 1,5 Millionen der Landkreis. Welche Unternehmen welchen Anteil der insgesamt acht Millionen Euro übernehmen, teilte die IHK nicht mit.

Bleiben bei Gesamtkosten von 30 Millionen Euro 15 Millionen, die noch offen sind. Wie viel de Freistaat zuschießen wird, ist offen. Minister Herrmann "stellte die Beteiligung an der Finanzierung für das Vorhaben in Aussicht, über deren Höhe kurzfristig seitens der Staatsregierung entschieden wird", heißt es in der Mitteilung der IHK.

Stadtrat und Kreistag werden in diesen Tagen entscheiden, ob ein Planfeststellungsverfahren für einen neuen Verkehrslandeplatz bei Neida eingeleitet werden soll. Widerstand gegen dieses Vorhaben gibt es vor allem aus dem Raum Meeder, aber auch im Coburger Stadtteil Beiersdorf und in Bad Rodach. So haben sich unter anderem die betroffenen Grundstücksbesitzer zu einer Interessengemeinschaft gegen den Flugplatz zusammengeschlossen. Unterstützt werden die Gegner vom Bund Naturschutz und vom Bayerischen Bauernverband.