Die Strapazen der letzten Wochen sind ihnen anzusehen. Unwürdige, ja teilweise unmenschliche Zustände hatten sie zu ertragen. Vier Toiletten für 4000 Menschen. Doch sie haben es erduldet - voller Hoffnung auf eine bessere, eine sichere Zukunft. Welches Leben würde sie erwarten? Sie wissen nicht, was auf sie zukommt.

Ihr Glaube an die Zukunft, ihr Mut zur Flucht wird belohnt: Herzliche Willkommensszenen schon am Bahnhof, saubere, ordentlich vorbereitete Nachtlager in der BGS-Kaserne, Süßigkeiten und Puppen für die Kinder, Kleiderspenden, Essenseinladungen von Coburgern, die den Flüchtlingen ein bisschen Geborgenheit vermitteln wollen. Coburger Unternehmen bieten spontan Arbeitsplätze an.

393 Neuankömmlinge in der Region. 168 entschließen sich spontan, in Coburg bleiben zu wollen.
Das war vor 25 Jahren. In den Tagen von 1. bis 3. Oktober 1989 befand sich Coburg im Ausnahmezustand. Die 7000 DDR-Flüchtlinge, die in den vergangenen Wochen und Monaten in den deutschen Botschaften von Prag und Warschau auf ihre Ausreise gewartet hatten, trafen in Helmstedt und Hof ein, waren auf der Suche nach einer neuen Heimat. Und die Coburger erwiesen sich als traumhafte Gastgeber. "Hoffnungsvoll in eine neue Zukunft" lautete die Überschrift im Tageblatt vom 3. Oktober 1989.

2014

"Wohin mit den Flüchtlingen?" titelten wir am 13. September 2014. Die Stadt Coburg sucht händeringend nach Unterkünften. Acht Flüchtlinge pro Woche muss die Stadt aufnehmen, zwölf der Landkreis.

Insgesamt geht es um 220 Asylbewerber, die derzeit in der Stadt leben. Die Zahl ist nach oben offen...
Eine 13-köpfige Familie aus Syrien lebt immer noch in der Obdachlosenunterkunft der Caritas. Der Wohnungsmarkt in Coburg ist dicht. Wohn-Container am Floßanger könnten jetzt ein Ausweg sein. Die BGS-Kaserne jedenfalls ist es nicht mehr. Da hat der Bund die Finger drauf.

Mit Herzblut und Euphorie kümmern sich in Coburg Migrationsbeauftragte, Lehrer und eine ganze Menge ehrenamtlicher Helfer um die Flüchtlinge, die unglaubliche Strapazen hinter sich haben, die um ihr Leben gerannt sind und für eine sichere Zukunft gebetet haben. Projekte wie das "Kochen für Weltbürger" beziehen die Asylbewerber in das Leben der Stadt ein. Übergangsklassen verhelfen den Kindern zu einem guten Start. Das Mitgefühl und der große Respekt vor dem Mut und dem Leid der Menschen ist vereinzelt spürbar, eine Welle der Hilfsbereitschaft ist unter den Coburgern dennoch nicht ausgebrochen. Der Aufruf und die Bitte der Coburger SPD, private Wohnungen und Kirchen zu öffnen, fand nur wenig Gehör.

Hoffnung machen Chantal und Celina. Die beiden Mädchen entschieden sich ganz spontan beim Flohmarkt der Generationen, ihre Spielsachen nicht zu verkaufen, sondern sie in einer Kiste an Sozialamtsleiter Peter Schubert zu übergeben - für die Flüchtlingskinder aus Syrien. "Coburg ist bunt" steht eben nicht nur auf Plakaten.