Der Wildpark von Schloss Tambach ist seit Jahren das wirtschaftliche Sorgenkind von Heinrich Graf zu Ortenburg. Immer wieder mussten andere Betriebsteile das Defizit aus dem Park abfangen. Das Geld kam zum einen aus der Waldbewirtschaftung, zum anderen seit 2008 aus dem Betrieb des Ruheforstes bei Weitramsdorf. Eine Bestattungsform, die sich immer größerer Nachfrage erfreut.

Seit Anfang Juni leitet die studierte Betriebswirtschaftlerin Friederike Hafermann den Betrieb. Sie ist vom Konzept einer Beisetzung im Wald überzeugt und überzeugt gern Interessenten ebenso, wenn sie Führungen betreut, die jeden Mittwoch und Samstag, immer um 14 Uhr, stattfinden. Kaum eingestiegen, darf sie sich schon mit einer Erweiterung der Fläche beschäftigen, die im kommenden Jahr durchgeführt werden soll.

Wachstum wird vorbereitet

"Wir sind schon bei den forstlichen Arbeiten", bestätigt Graf zu Ortenburg. Rund 1,5 Hektar sollen zu den bereits vorhandenen 3,5 Hektar dazu kommen. "Wir haben bald nicht mehr genug Biotopbäume zur Verfügung, um auch alle Wertstufen anbieten zu können", erklärt Graf zu Ortenburg die Notwendigkeit zum Wachsen. Bisher stehen rund 500 Bäume zur Verfügung, unter denen die biologisch abbaubaren Urnen beigesetzt werden können. Über 400 solcher Beisetzungen hat es bereits gegeben. Doch das sagt nichts über die Auslastung aus. Viele Kunden buchen eine Beisetzungsstelle zu Lebzeiten.

"Die Menschen sehen das als Vorsorge", sagt Graf zu Ortenburg. Das ist auch die Erfahrung, die Friederike Hafermann in der kurzen Zeit schon gemacht hat, in der die 29-Jährige die Leitung des Betriebs übernommen hat. "Die Leute sagen mir, sie wollen ihren Angehörigen keine aufwändige Pflege der Grabstätte aufbürden, oder sie haben keine oder weit entfernt lebende Angehörige", erzählt sie. Vor allem aber sei es vielen wichtig, zu wissen, wo ihre letzte Ruhestätte sein wird. Hin und wieder sind es die Angehörigen, die sich für diese Beisetzungsform entscheiden. "Da sagen die Leute dann zum Beispiel, der Verstorbene war immer gern in der Natur. Deswegen soll er in der Natur beigesetzt werden." Es muss also keine Grabstelle vorgebucht sein, um im Ruheforst beigesetzt zu werden. Die Natur spielt im Konzept eine große Rolle. Deswegen ist Grabschmuck generell untersagt.

"Wer sich hier beisetzen lässt, schätzt eben gerade, dass es eben keinen Grabschmuck und keine Verpflichtung zur Pflege gibt", erklärt Hafermann den Gedanken hinter diesem Verbot. Es ist auch eine Frage der Grenzziehung. Wer ein Sträußchen erlaubt, kann schwer das große Gebinde verbieten. Offenbar wissen viele zu schätzen, dass der Ruheforst so ist wie er ist. Die Nachfrage ist groß, bestätigen Graf zu Ortenburg und seine Mitarbeiterin.
Dabei wurde das Projekt zuerst von vielen Seiten kritisch betrachtet. Graf zu Ortenburg konnte die Idee erst nach zähem Ringen bei der Gemeinde Weitramsdorf durchsetzen. Inzwischen hat der Gedanke an eine Beisetzung unter Bäumen so viele Freunde gefunden, dass Kommunen nachziehen und entsprechende Flächen auf ihren Friedhöfen einrichten - wie jüngst die Stadt Coburg.

Kommunale Aufsicht

Ein Friedhof ist der Ruheforst übrigens auch, ein kommunaler der Gemeinde Weitramsdorf, die damit auch die Aufsichtsbehörde ist. "Inzwischen begegnet man uns mit viel Vertrauen", betont Graf zu Ortenburg, der keinen Zweifel daran lässt, dass "wir uns hier in der christlichen Bestattungskultur", auch wenn der Ruheforst Menschen aller Konfessionen ebenso offen steht wie Konfessionslosen. "Wie die Beisetzung gestaltet wird, ist Sache der Verstorbenen, die das vorher planen, oder der Angehörigen, da gibt es viele Möglichkeiten", versichert Graf zu Ortenburg.

Beim Gang durch das Gelände, macht Friederike Hafermann dann erneut darauf aufmerksam, wie natürlich alles wirkt. Nur kleine Täfelchen in Einheitsgröße erinnern daran, dass hier Menschen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Pfade führen zwischen den Bäumen hindurch, Ruhebänke laden dazu ein, in Gedanken an die Verstorbenen den Geräuschen der Natur zu lauschen - eben ohne sich überlegen zu müssen, wie die Leute über Art und Weise der Grabpflege denken. Denn: "Die Grabpflege übernimmt ja eben die Natur", sagt Friederike Hafermann.