Claudia Ehrlinger ist eine gebürtige Triebsdorferin und kennt die alte Schäferei noch aus Kindertagen. "Das ist ein Stück Heimat, und ich finde es toll, die alten Bräuche und Handwerkstechniken den jungen Leuten zu zeigen", sagt sie und lässt ihre kleinen Mädels "Federn schleißen". Nun schon im zweiten Jahr hatte die Alte Schäferei am Samstag zum Schlenkermarkt eingeladen. Rund 30 Händler aus nah und fern hatten ihre Stände aufgebaut, boten Strickwolle, Handweberei, Kunstgewerbe, Holzartikel, allerlei Gestricktes und Gefilztes, exklusive handgemachte Hüte und vieles mehr.

Das Schäferei-Team, sagt Museumsleiterin Chris Loos, setze auf Qualität und ein außergewöhnliches Warenangebot. Und sie erzählt von den einstigen Jahrmärkten, als die Dienstboten an ihren einzigen freien Tagen im Jahr Zeit zum Schlendern oder Schlenkern hatten, ihr sauer verdientes Geld für Nützliches und Tand ausgaben, einen neuen Dienstherrn suchten und vielleicht auch einen neuen Schatz.


Landschaft im Guckkasten

Alte Bekannte in der Schäferei sind Renate und Gustav Luthardt aus Mengersgereuth-Hämmern (Landkreis Sonneberg). Gustav zeigt den Kindern das Schnitzen, spielt zwischendurch auf der Mundharmonika und lässt die Besucher auch mal in den selbst gebastelten Guckkasten schauen, in den er eine kleine Waldlandschaft gezaubert hat. Erstmals wird ein altes Handwerk gezeigt, das durchaus zeitaufwendig ist. Helga Wagner und Ilona Renner aus Roßfeld schleißen Federn. "Die weichen Daunen", erklärt Helga Wagner, "wurden früher an den langen Winterabenden vom Kiel gezupft. Und da hat es schon mal einen ganzen Winter gebraucht, bis die Daunen eine Zudecke füllten." Vom Hörensagen kennen die Roßfelderinnen den Schlenkermarkt freilich. "Zu Mariä Lichtmess musst der Bauer die größte Wurscht ess...", sagen sie lachend.

Gudrun Zwingelberg zeigt, wie man Perlen in Handschuhe strickt, mit viel Fingerspitzengefühl und einem exquisiten Ergebnis. Sie und ihre Spinngruppe freuen sich auf ein besonderes Projekt. "Grafitti aus Wolle", nennt es Professor Christian Holtorf von der Hochschule Coburg, der im vergangenen Sommersemester mit Studierenden kreative Ideen für die Alte Schäferei gesucht hatte und nun ein Folgeprojekt entwickelt, das "Urban Knitting". Um historische Handarbeiten und Techniken geht es, die gemeinsam mit jungen Leuten kreativ "weitergesponnen" werden sollen. Stricken, meint der Professor, sei wieder im Trend und er selbst wolle es auch lernen. "Wir wollen gemeinsam mit den hier agierenden ehrenamtlichen Gruppen junge Leute und ihre Ideen in die alte Schäferei holen", erklärt Holtorf, "und damit alte Traditionen jung aufleben lassen." Mit Gudrun Zwingelberg und ihrer Spinngruppe ist er bereits im Gespräch. Die Damen der Spinngruppe sitzen bis unters Dach in der Doppelscheune, spinnen und klöppeln. Mechthild Pauls aus Weidach schaut mit ihren Enkeln Holger und Jakob der Spinnerin Mechthild Schüler über die Schulter.

Chris Loos ist begeistert von solch neuen Ideen und Inhalten. Sie und ihr Team selbst arbeiten kreativ, um die Intention der Alten Schäferei umzusetzen mit Veranstaltungen ebenso wie mit der Museumspädagogik. "Aber ohne unsere Ehrenamtlichen", betont sie ausdrücklich, "würde die Arbeit so nicht funktionieren. Wir sind wie eine große Familie, die an einem Strang zieht und dem Museum immer wieder neue Inhalte gibt. Und dazu zähle ich auch die Schäferstuben, die eine Bereicherung für unsere Veranstaltung ist." Von der Museumsarbeit in der Alten Schäferei zeigt sich auch Sebastian Sonnauer, Geschäftsführer des Zweckverbandes "Museen im Coburger Land", beeindruckt. Museen, sagt er, seien Bildungseinrichtungen, wo Brauchtum vermittelt und altes Handwerk bewahrt werde.
Mit der Feuershow von Narrateau und am Abend mit "Boxgalopp" in der Doppelscheune fand der Schlenkermarkt 2018 einen stimmungsvollen Abschluss.