Prinzessin Amirah ist verzaubert vom Klang einer schönen Stimme, der Stimme des jungen Jamil. Dass Jamil ein Fischverkaufer und damit alles andere als eine standesgemäße Wahl für ist - das ist der Prinzessin egal. Sie glaubt an die Macht der Liebe und daran, dass sie aus dem ungebildeten jungen Mann einen Prinzen machen kann - ganz nach ihren Vorstellungen.


Eine Geschichte aus dem Märchenbuch - diese Geschichte der Prinzessin und des Fischverkäufers. Anne-Sophie Brüning, Coburgs Erste Kapellmeisterin, hat aus dieser Geschichte gemeinsam mit der Librettistin Paula Fünfeck und zur Musik des spanischen Komponisten Juan Crisóstomo de Arriaga vor einigen Jahren eine Märchenoper mit exotischem Kolorit gemacht und 2009 in Ramallah zur Uraufführung gebracht.


Jetzt erlebte das Werk unter dem Titel "Die arabische Prinzessin" seine Coburger Erstaufführung an ungewöhnlichem Ort - in der Johanneskirche auf der Hut. Verwirklicht wurde die Inszenierung als ehrgeiziges Mehrgenerationen-Projekt - mit dem Kinderchor des Landestheater in Zusammenarbeit mit der Melchior-Franck-Schule sowie Mitgliedern des Seniorenclubs.


Eine Liebe auf den ersten Blick, die sich nicht um Standesunterschiede schert, Verwicklungen und Missverständnisse, ein finsterer Fürst auf einer einsamen Insel, schließlich ein spätes, aber eben doch nicht zu spätes Happyend - diese kurzweilige Oper hat alle Zutaten, die eine Märchenoper braucht. Und die Musik Arriagas, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte und oft als "spanischer Mozart" tituliert wird, pendelt stilistisch sehr reizvoll zwischen Mozart, dem jungen Mendelssohn und Rossini.


Sie verbindet eingängige Melodik mit vielen kompositorisch interessanten Details, die selbst in einer sehr reduzierten Orchesterbesetzung mit fünf Streichern und vier solistischen Bläserstimmen gut zur Geltung kommen.
Unter der jederzeit umsichtigen Leitung von Anne-Sophie Brüning entfaltet das Nonett aus Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters eine beachtliche, farblich fein differenzierte Klangfülle.

Spielfreudiger Kinderchor

In einer Szene tritt auch noch ein dreiköpfiges Ensemble mit orientalischen Instrumenten hinzu.
Bestens besetzt sind die beiden solistischen Hauptrollen. In der Titelpartie der arabischen Prinzessin gefällt Julia Klein mit schlankem, präzis geführtem Sopran und lebendigem Spiel. Und als junger Fischverkäufer Jamil zieht Hitoshi Tamada das Publikum mit der zarten Lyrik seines Tenors und seiner intensiven Darstellung in Bann.
Der dritte Hauptdarsteller aber ist der Kinderchor des Landestheaters, der nicht nur musikalisch mit Präzision und stimmlichem Engagement überzeugt (Einstudierung: Daniela Pfaff-Lapins), sondern auch große Spielfreunde demonstriert und die Szene jederzeit belebt. Nicht nur in dieser Hinsicht beweist Regisseurin Constanze Weidknecht bei ihrer ersten eigenen Inszenierung am Landestheater Einfallsreichtum und Geschick.

Auch die Solisten, die in kurzen Szenen immer wieder aus dem Chor hervortreten, werden von der Regie stets gut geführt.
Wie aber wird aus einem modernen Kirchenraum eine provisorische Opernbühne? Susanne Wilszek zaubert dazu mit wenigen Versatzstücken orientalisches Kolorit herbei, unterstützt durch farbenprächtige Kostüme. Dazu haben Schüler der 3. Klassen der Melchior-Franck-Schule bunte kleine Fische als wichtige Requisiten gebastelt.


Mit dieser "Arabischen Prinzessin" ist dem Landestheater ein buchstäblich märchenhaftes Mehrgenerationenprojekt gelungen, das zudem auch als Stadtteilprojekt wirkt. Kein Wunder, dass alle Mitwirkenden nach der Premiere ausdauernd gefeiert werden.




Das Werk und seine Interpreten in Coburg


Theater-Tipp "Die arabische Prinzessin", Märchenoper von Anna-Sophie Brüning nach Musik von Juan Crisóstomo de Arriaga, Libretto von Paula Füneck; 4. April, 18.30 Uhr, 5. April, 17.30 Uhr, 13., 27. April, 15.30 Uhr, 9. Mai, 18.30 Uhr, 11. Mai, 15.30 Uhr, Johanneskirche Coburg.

Besetzung Amirah: Julia Klein (Sopran)
Jamil: Hitoshi Tamada (Tenor)
Die junge Safah: Saskia Fruntke/Rosalie Mertl
Tanta Safah: Elly-Xenia Jurgan/Heide-Marie Weber
Der Fremde/Der Fürst: Manfred Völk/Manfred Artus
Ali, ein Kind: Tom Schwerdt/Louis Gemmer
Dienerinnen: Valeska Bobreck, Lara-Christin Fiedler, Saskia Fruntke, Francesca Mai, Rosalie Mertl, Sophie Mitter, Sarah Schulz, Janina Werner
Kinderchor des Landestheaters (Einstudierung: Daniel Pfaff-Lapins); Philharmonisches Orchesters Landesthe ater Coburg; Leitung: Anna-Sophie Brüning; Instrumentalensemble Nilüper Demirezen (Saz), Pinar Tokur (Darbuka), Damla Tokur (Darbuka).