In die Regierungszeit von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha fiel der Bau der Werrabahn von Eisenach über Meiningen, Hildburghausen, Eisfeld nach Coburg. Sein Ururgroßneffe Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha hat auch Eisenbahnen bauen lassen - allerdings im Modell. "Jeder Mann träumt von so etwas", sagt der 69-Jährige verschmitzt. Er selbst habe als Kind zwar eine Spielzeugeisenbahn gehabt, aber keine Modellbahnanlage. Die gönnte Prinz Andreas sich und seinen beiden Söhnen in den 70er Jahren. Nun hat er die gut sieben Meter große L-förmige Anlage den Eisenbahnfreunden Steinachtalbahn-Coburg vermacht. Behalten hat er lediglich einige Züge.

Aufgebaut war die Anlage im Dachboden des Privathauses der Familie. Aber weil dort ein neuer Fußboden verlegt werden sollte, mussten die Schienen weichen - und mit ihnen die ganze Miniaturlandschaft nebst Burg, Flugplatz, Bahnhof, Stadt und Lokschuppen. Prinz An dreas bot sie den Eisenbahnfreunden an. Die mussten sich erstmal ans Zerlegen machen. "Die Anlage war nicht für den Transport gebaut", sagt Ulrich Finsterer, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde. Nun steht die Anlage in vier große Platten getrennt im Lokschuppen der Eisenbahnfreunde in Neuses und harrt ihrer Aufarbeitung.

Da werden einige Lückenschlüsse nötig sein. Auch die Technik werde erneuert, erzählt Ulrich Finsterer. "Die Anlage hatte schon elektrische Weichen", erinnert sich der frühere Besitzer. "Ja, der ersten Generation", erwidert Finsterer. Heutzutage werden Züge und Weichen auch in der Modellbahn digital gesteuert.


Modellbahnanlagen haben feste Bleibe

Die Eisenbahnfreunde haben schon einige Anlagen wieder auf Vordermann gebracht - zuletzt eine Vorführanlage der Firma Fleischmann. Der Nürnberger Hersteller von Modellbahnen hatte früher eine eigene Bauabteilung, die die Vorführanlagen zu Werbezwecken auf Messen und Modellbautagen zeigte. Als die Abteilung aufgelöst wurde, hatten die Eisenbahnfreunde die Chance, einiges zu übernehmen. Unter anderem eine "Kiste der Träume", erzählt Finsterer, und zieht die große hölzerne Truhe hervor. Drinnen liegen, stoßsicher auf Schaumstoff gebettet, Lokomotiven aller Eisenbahn-Epochen. Sogar eine vollverkleidete Dampfsonderzuglokomotive ist dabei - so etwas brauchen die Eisenbahnfreunde, die 1984 mit der Veranstaltung von Sonderzugfahrten auf stillgelegten Bahnstrecken in der Region angefangen haben.

Inzwischen sind die jährlichen Modellbahntage die wichtigste Veranstaltung des kleinen Vereins, der im ehemaligen Neuseser Bahnhof sein Domizil hat. "Seit drei Jahren ist das Gebäude abbezahlt", sagt Finsterer nicht ohne Stolz. Damit haben haben auch die zahlreichen Modellbahnanlagen eine feste Bleibe: der Nachbau der Steinachtalbahn ("Karusselbahn"), das Modell der Kiengrundbrücke zwischen Seidmannsdorf und Achatfelsen. Hier kann der ICE schon fahren, wenn das gut sechs Meter lange Landschaftsmodell aufgebaut ist. Die echte Strecke wird erst 2017 in Betrieb gehen.


Damit was zum Spielen da ist

Die Bahn des Prinzen ist nicht die einzige, die im Neuseser Lokschuppen zu neuem Leben erweckt werden soll. Die Eisenbahnfreunde wollen eine weitere Fleischmann-Vorführanlage mit einem großen Kopfbahnhof wieder aufbauen. Aber anders als beim Vorgängermodell von 1987 werden darauf digitalisierte Züge fahren können. Außerdem schenkte ein weiterer Privatmann seine Anlage dem Verein: Seit der Kindheit hatte er sie immer weiter ausgebaut. Diese Anlage soll einen festen Platz im Neuseser Bahnhof erhalten, "damit was zum Spielen da ist", sagt Finsterer mit Blick auf seinen zehnjährigen Sohn Tim.

Eine Modellbahn-Schauanlage könnte sich wiederum Prinz Andreas für Schloss Callenberg vorstellen. "Das wäre doch eine Attraktion!" Das Sagen in geschäftlichen Angelegenheiten hat freilich inzwischen sein Sohn Hubertus.