Das Wesen der Bäume. Der Geist der Bäume. Er ist ohnehin intensiver zu spüren im Thieracher Garten, an dem zauberhaften, von Carola Rückert geschaffenen Ort am Waldrand im kleinen Stadtteil östlich über Rödental.

In der neuen Doppelausstellung aber dringt etwas vom Wesen der Bäume weiter hervor in unser Bewusstsein, in den prägnanten Werken zweier Künstler, die gerade in diesem Rahmen auf besondere Weise korrespondieren, in den Bildern von Sabine C. Sauermilch (Erfurt) und den Skulpturen von Heiko Börner (München). Mögen die Worte von Paul Klee leiten, auf die hinab wir durch einen Glaswürfel im Ausstellungs-Café blicken. "Unser pochendes Herz aber treibt uns hinab, tief hinunter zum Urgrund." Es ist die Kunst, die das dort "geheim Erschaute sichtbar" macht.

In der kleinen Ausstellungshalle dringt die aus Meiningen stammende Sabine Sauermilch in ihren Graphit-Zeichnungen in Poren, in Borke, in die Jahresringe gefällter Bäume.

Ob "Tränenfelder", "Blütenstaub" oder zu einer eigenen Bilder-Geschichte zusammengefügte "Varietäten" - in diesen feinen Strukturen Sabine Sauermilch hat sich inneres Leben niedergeschlagen.

Spaziergang dann durch den von Wind und Düften und dem Surren der Insekten durchwehten Kunst-Garten mit seinen immer wieder neuen An- und Ausblicken, mit seinen Funkien und Farnen und Gräsern, seinen lichtüberschütteten Inseln, kostbar gefasst von luftigen Schattenrändern, durch diese Fülle also in den eigentlichen Skulpturengarten.

Dort ragen Heiko Börners verwandelte Bäume aus den wogenden Grasbändern in den leichten, wolkendurchzogenen Juli-Himmel. Börners Eichen, Kastanien und Lärchen zeigen ihr eigentliches Wesen in klarer, funktionsloser, frei wirkender Architektur, in natürlicher und dabei gleichzeitig künstlerisch gestaltet wirkender Oberfläche, rau, rissig; der in seinen geometrischen Formen spannungsvoll- mächtige Körper der Kastanie wie ziseliert. In der Schwere des Stammes steckt erstaunliche Leichtigkeit der Form.

Was steckt in der Tiefe des menschlichen Seins, in die "unser pochendes Herz" hinab treibt? Die Kunstwelten, die der Verein "Hyazinth" nun im zehnten Jahr an Carola Rückerts besonderem Kunst-Ort zeigt, tragen auf sanfte Weise in eben diese zentrale Daseinsfrage.


Sabine Sauermilch, 1961 in Meiningen geboren, studierte an der Fachhochschule für angewandte Kunst in Schneeberg, Erzgebirge. Seit 1987 arbeitet sie freiberuflich in Erfurt, es entstanden Collagen, Malerbücher, Zeichnungen, Installationen. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.

Heiko Börner, 1973 in Arnstadt geboren, studierte zunächst Architektur und Bauwesen, absolvierte die Berufsfachschule für Holzbildhauerei Empfertshausen und die Meisterschule für Holzbildhauerei München, bevor er Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien studierte. Seit 2005 arbeitet er freischaffend, seit 2012 in München. Sein Schaffen wurde mit einer Reihe von Stipendien und Preisen bedacht.

Die Ausstellung Thieracher Garten: Sabine C. Sauermilch - Zeichnungen. Heiko Börner - Skulpturen. Bis 17. September, geöffnet jeweils mittwochs und freitags von 16 bis 19 Uhr sowie nach Vereinbarung (Telefon 09563/ 3535). Im August geschlossen. Weitere Informationen online.

Ausblick Das zehnjährige Bestehen des Vereines "Hyazinth - Schöne Künste im Garten" wird am 26./27. Juli mit vielseitigem Programm gefeiert. Die letzte Ausstellung 2014 wird am 21. September (11 Uhr) eröffnet. Gezeigt werden Collagen von Angelika Santer und Holzskulpturen von Rudolf Santer, beide aus Herzogenaurach.