Ins Zelt oder in die alte Dreifachturnhalle am Anger? Wie kommt es, dass bis jetzt, also kurz vor Torschluss, keiner sagen kann, wohin das Landestheater für die drei bis vier Jahre dauernde Generalsanierung ziehen soll, ohne dass das Publikum in großem Umfang wegbricht? Was Coburg erst richtig teuer zu stehen käme.


Endlich, nach langen, schwierigen Verhandlungen, ist man sich mit dem Freistaat über die Finanzierung der Generalsanierung einig. Der Stadtrat soll am 12. Januar zustimmen. Wobei weitgehend Erleichterung darüber herrscht, dass der Freistaat bei diesem 63-Millionen-Projekt nicht nur 75 Prozent der reinen Sanierungskosten übernimmt, sondern sich auch noch mit 50 Prozent an der Schaffung dringend benötigter Proben- und Verwaltungsräume (Sanierung Kyrill-Palais plus neuer Anbau) beteiligt sowie einverstanden ist, eine Ausweichspielstätte bis zu 5 Millionen Euro mit 75 Prozent zu finanzieren.


Coburg kommt doch gut weg

"Wir haben so lange gebraucht, bis wir an dieser Stelle angelangt sind. Dass sich die Situation für Coburg jetzt so günstig darstellt, dass der Staat so mitmacht, darf auf keinen Fall gefährdet werden", betont CSU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Oehm.


Da stimmt Landestheater-Intendant Bodo Busse selbstverständlich zu, die Haare rauft er sich trotzdem allmählich. Denn er müsste längst den Umzug in ein Ausweichquartier und einen für die dortigen Verhältnisse attraktiven Spielplan vorbereiten. Das Landestheater lebt seit dem Wasserschaden von 2013 mit einem Verfallsdatum unabhängig von der Sanierung. Ende 2018 ist Schluss, Betriebsgenehmigung erlischt. Und keiner will noch mehr Geld für rein Provisorisches investieren.


Staat zahlt so nur für Interim

In der nun unterschriftsreifen Vereinbarung mit dem Freistaat steht, dass die Stadt selbsttätig eine Ausweichspielstätte einrichtet. Auszuschließen ist, dass der Freistaat einfach mal nebenbei eine neue, zukunftsbeständige Halle in diesem Umfang mitfinanziert. Wenn man diesen Weg wollte, was reichlich spät, wohl zu spät, in den Sinn käme, müssten noch mehr "Milliönchen" locker gemacht werden.


Es waren die "Bauchschmerzen", sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Bettina Lesch-Lasaridis, "die wir alle hatten angesichts der über fünf Millionen Euro, die in eine nur vorübergehende Lösung fließen sollen."


Im Januar hatte sich der Stadtrat auf die alte Angerturnhalle festgelegt. Die eben vorgelegte Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass sie sich für etwas mehr als fünf Millionen zu einem sogar recht guten Theaterspielort umbauen lässt. Weshalb Intendant Busse auch ruft: "Hört jetzt auf, lasst uns das machen, die Zeit drängt. Eine Zeltlösung hätte viele Nachteile und käme auch kaum günstiger."


Diejenigen, die in den vergangenen Jahren bei Besichtigungen dabei waren oder privat Aufführungen in Zelten besucht haben, wissen ob der Nachteile. Gerhard Amend (CSB): "Ich habe mir vor Jahren in einem Zelt in Nürnberg ein Musical angesehen. Es hat geregnet. Es war furchtbar." Auch alle anderen sagen: Naja, suboptimal. Und für Busse, siehe oben, ist ein Zelt indiskutabel, dann müsse man auch noch eine Extra-Ausweichstelle fürs Schauspiel suchen. "Das geht im Zelt nicht, wie es sich andernorts erwiesen hat."


Doch aus der innerstädtischen Projektgruppe und bei einer Fraktionsvorsitzenden-Besprechung kam kürzlich trotzdem die Bitte um Prüfung, ob ein Zelt als Interim nicht doch günstiger zu haben ist. Also untersucht das städtische Hochbauamt jetzt eine Zeltlösung. "Das sind wir aber erst in der Entwicklungsphase," informiert dessen Leiter Peter Cosack. "Bis zum 12. Januar wird da keine grundsätzliche Einschätzung möglich sein."


Es ist keine Zeit mehr da

Was bedeutet das für die Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung, von der jetzt wirklich alles abhängt? Lesch-Lasaridis: "In der SPD-Fraktion würden wir uns etwas Dauerhafteres wünschen. Es wäre aber fatal, diesen Punkt jetzt wieder herauszunehmen. Wir haben viel erreicht. Das Ding muss jetzt in Gänze durch. Eine weitere zeitintensive Diskussion können wir uns nicht leisten." Wenn also nicht noch die supergünstige Alternative vorgelegt wird, wonach es nicht aussieht, dann wird die SPD in vollem Umfang zustimmen.


Auch CSU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Oehm, der einer Zeltlösung zunächst noch offener gegenübersteht, sagt: "Rein aus Vernunftsgründen muss das jetzt über die Bühne. Wir werden nicht ablehnen." Doch was das Zelt anbelangt, "da müssen wir erst noch sachlich abwägen."


Martina Benzel-Weyh bezieht für die Grünen einen unabhängigeren Standpunkt: "Wir wären bereit, nach einer nachhaltigeren Lösung zu suchen, auch wenn sie für Coburg teurer käme. Deshalb ja auch unsere Überlegung zusammen mit den anderen Fraktionen, das Kongresshaus abzureißen.


Aber es wird wohl zu spät sein, dort eine Lösung zu finden, die rechtzeitig auch als Interimsspielstätte dienen könnte. Uns aber blutet das Herz, wenn so viele Ressourcen verbraucht werden. Das ist alles andere als nachhaltig." Notgedrungen werden auch die Grünen der Aufrüstung der Angerturnhalle zustimmen. "Dass die Sanierung des Landestheaters endlich kommt, ist das Wichtigste." Ihr Vorwurf geht eher nach München: " Ich verstehe die Logik der Staatsregierung nicht, zu finanzieren, um später abzureißen."

Wäre da noch die Fraktion "Sozial und bürgernah für Coburg". René Hähnlein (Linke) will sich noch nicht festlegen, hat ohnehin stärker den finanzierbaren Gesamthaushalt der Stadt im Blick.