Natürlich gibt es gute Gründe, bekannte Stücke der Weltliteratur immer wieder neu zu inszenieren. Immer wieder neue Sichtweisen zu erproben - Stücke dramaturgisch gegen den Strich zu bürsten, zu verändern, zu verfremden und so einen neuen Blick auf vermeintlich vertraute Inhalte zu werfen.

Aber gerade deshalb kann es manchmal überraschend spannend sein, einem Klassiker der Bühnenliteratur fast völlig unverstellt zu begegnen - ohne angestrengte Regie-Klimmzüge, ohne verkrampfte Originalitätsbemühungen. Klassiker ganz unverstellt und ohne Angst vor Pathos und großen Gesten auf die Bühne zu bringen - das ist das ebenso einfache wie wirkungsvolle Konzept der American Drama Group Europe. Mit ihren Produktionen ist die American Drama Group Europe seit vielen Jahren regelmäßig zu Gast in der Region Coburg.

Aufstieg und Fall

Diesmal im Gepäck beim Auftritt im Haus Contakt: William Shakespeares mörderisches Drama "Macbeth", das als Wiederaufnahme in dieser Saison auch im Landestheater auf dem Programm steht. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des schottischen Heerführers, der zum Königsmörder und zum König wird - diese Geschichte zieht die vornehmlich aus Schülern bestehende Zuschauerschar auch ohne prunkende Kulissenpracht in Bann.

Wut, Angst und Hinterlist

Was bei dieser vormittäglichen Aufführung vor zahlreichen Besuchern packt und fasziniert, ist schlicht die Wucht von Shakespeares Sprache, die im englischen Original erklingt.

Leidenschaft und Hinterlist, Wut und Angst - sie werden durch das engagierte Spiel der Darsteller mit großer Intensität erlebbar. Sogar die Hexen- und Geisterszenen wirken auch ohne ausgeklügelte Lichtregie nachhaltig - durch die Kraft des dramatischen Wortes.

Ihren Anteil am eindringlichen Eindruck der Aufführung hat die Musik von Paul Flush, die unverhohlen auf klangmalerische Effekte setzt.

Diese "Macbeth"-Produktion der American Drama Group Europe in der Regie von Paul Stebbings feierte 2001 Premiere und wurde nach Angaben der Veranstalter weltweit bereits in mehr als 40 Ländern auf vier Kontinenten gezeigt - von Berlin bis Beijing, von El Salvador bis Atlanta. In Coburg erlebt sie das Publikum erstaunlich unverbraucht.

Hintergrund

Macbeth In seiner Tragödie, die wohl um 1606 entstand, greift Shakespeare zurück auf geschichtliche Fakten zum Leben des Schottenkönigs Macbeth. Aber auch Aspekte aus dem Leben des damals zeitgenössischen englischen Königs Jakob I. flossen ein in das Drama. Wiederaufnahme In der Inszenierung von Schauspieldirektor Matthias Straub steht Shakespeares "Macbeth" als Wiederaufnahme auf dem Spielplan des Landestheaters Coburg.red