Strahlend kommt er zur Tür herein, wenn auch etwas spät. "Schuld ist der ICE", sagt Heubisch.Der sei zu spät in Nürnberg angekommen, und da sei ihm der Regionalzug nach Oberfranken vor der Nase weggefahren. Außerdem lag vor dem Besuch in Coburg noch ein Termin in Kulmbach. Den Besuch auf der Veste am Dienstag hat sich der Ex-Minister und Zahnarzt aber quasi selbst verordnet: Schließlich habe er als Minister für Wissenschaft und Kunst "die Luther-Ausstellung initiiert", wie er betont. Am Ende des Besuchs wird Heubisch sagen, dass es richtige Entscheidung war, die Ausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" nach Coburg zu geben, handelt es sich doch bei der Veste Coburg um eine authentische Lutherstätte.
Klaus Weschenfelder, der Direktor der Kunstsammlungen, und Fabian Fiederer von der dreiköpfigen Ausstellungsleitung aus dem Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG), persönlich geleiten den Gast samt der örtlichen FDP-Prominenz durch die Ausstellung.
Es bleibt immerhin Zeit für ein paar gegenseitige Komplimente. Fiederer und Weschenfelder berichten, dass am Tag zuvor der 90 000 Besucher begrüßt wurde, und sie bestellen Grüße von Richard Loibl, dem Direktor des HdBG. "Ich soll Ihnen sagen: Als Sie Minister waren, war es besonders schön", sagt Weschenfelder, und Heubisch strahlt noch mehr.
Dan aber los: Im Schnellgang hastet die Gruppe durch die Räume. Zu sehen gibt es viel, und Heubisch nimmt sich durchaus die Zeit, das eine oder andere intensiver zu betrachten. Die historische Straßenkarte zum Beispiel, wo sich Coburg (zufällig) im Mittelpunkt befindet, oder den Display-Tisch, wo die Besucher raten können, wovon sich die Bauern im 16. Jahrhundert ernährten. Eigentlich sei dieser Tisch eher für die Kinder gedacht gewesen, erläutert Fiederer. Aber das Ratespiel findet Anklang bei allen Altersstufen. "Gestern ist die Technik ausgefallen. Das gab tumultartige Szenen bei den Senioren", erzählt der Ausstellungsleiter. Auch die FDP-Gruppe macht sich prompt ans Werk und schiebt Bildchen von Lebensmitteln über den Bildschirm.


Lindner und Merkel

Die Landesausstellung schildert im ersten Teil die Lebensverhältnisse des frühen 16. Jahrhunderts, vom Aufbau der Gesellschaft über den Alltag in Stadt und Land und die Bedeutung der Religion bis zum höfischen Leben. Vor diesem Hintergrund geht es über zur Reformation und ihren (politischen) Folgen. Historisch begegneten sich Martin Luther und Kaiser Karl V. im Jahr 1521 auf dem Wormser Reichstag. In der Ausstellung ist symbolisch in Szene gesetzt, wie: Luther hat Ausgaben der Bibel und seiner Bücher an seiner Seite, der Kaiser ist flankiert von Zeichen geistlicher und weltlicher Macht. "Das ist wie Lindner gegen Merkel", kommentiert Heubisch trocken. Christian Lindner ist der FDP-Vorsitzende, und sein Verhältnis zur Kanzlerin soll kein besonders gutes sein.
Doch sonst bleibt die Politik außen vor. Wolfgang Heubisch steht begeistert vor dem (nachgebauten) Tod, der auf dem Löwen die Stunde schlägt, er blickt angemessen beeindruckt auf die originalen Luther-Schriften im Lutherzimmer und amüsiert sich im Raum mit den Flugschriften, als Fiederer erläutert, dass die Bildsatire gewissermaßen ihren Ursprung in protestantischer Propaganda hat. "Danke", sagt Heubisch am Ende der Führung schlicht.