Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein - das hat Reinhard Mey in seinem Schlager gesungen. Für Wolfgang Weiß bedeutet das Fliegen hingegen, dass er sich vollkommen konzentrieren muss. Denn der 50-Jährige ist seit 14 Jahren einer von insgesamt 94 ehrenamtlichen Luftbeobachtern in Franken. Mit ihren Kontrollflügen helfen sie, dass auf der 23 000 Quadratkilometern großer Fläche aus einem kleinen Feuer kein Waldbrand wird.

Selbst fliegen müssen die Luftbeobachter nicht - hierfür gibt es eigene Piloten. Die Aufgabe der Luftbeobachter ist es, Brände rechtzeitig zu entdecken. "Wenn man ein Feuer früh erkennt, ist es noch recht leicht, es zu löschen. Je später es entdeckt wird, desto schwieriger wird es", erklärt Weiß. Hierzu hat der Coburger eine einwöchige Ausbildung bei der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg absolviert. Funken und Kartenlesen steht dort auf dem Programm. Damit dieses Wissen nicht einrostet, absolvieren die Luftüberwacher jedes Jahr eine Übung. So auch vorgestern in Coburg: "Es kann ja sein, dass ein Luftbeobachter schon seit zwei Jahren nicht mehr in der Luft war", sagt Michael Nickles von der Stadtverwaltung Bamberg, die die Übung organisiert.

Ein Feuerwehrauto wird vermisst


In dem Szenario ist ein Feuerwehrauto in der Nähe der Gemeinde Itzgrund verunglückt - 20 Kilometer südlich von Coburg. Der Funkkontakt ist abgerissen. Letzte Information: Das Auto muss irgendwo in einem Wald in der Nähe der Gemeinde Itzgrund, rund 20 Kilometer südlich von Coburg sein. Wolfgang Weiß findet das Auto nach zehn Minuten, verständigt die Einsatzleitzentrale und lotst zwei andere Feuerwehrautos an die Unfallstelle. Dieser Ablauf sei bei einem echten Einsatz ähnlich, sagt Adolf Nüßlein, Vizepräsident der Luftrettungsstaffel Bayern: "Wenn die Luftbeobachter Rauch entdecken, überfliegen sie die Stelle und melden das der Leitstelle. Die gibt das dann an die Feuerwehr weiter." Anschließend müssen die Luftbeobachter die Feuerwehr an den Brandherd lotsen, "weil man den aus der Luft besser erkennt als vom Boden aus", fügt Nüßlein hinzu.

Der April ist besonders gefährlich


"Je trockener es ist und je höher die Windgeschwindigkeit, desto höher ist die Gefahrenstufe für Waldbrände, weil sich Bodenfeuer dann am schnellsten ausbreiten", erklärt Klaus-Peter Wittich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Ob die Luftbeobachter fliegen, entscheidet die jeweilige Bezirksregierung. In der Regel geschieht das ab Stufe 4 der 5-stufigen Waldbrandgefährdungs-Skala, die der DWD herausgibt - Oberfranken lässt seine Wälder ab Stufe 5 beobachten.

2011 flogen Frankens Luftbeobachter acht Einsätze - sieben davon im April. "Im Frühjahr, wenn die Bodenvegetation total vergilbt ist, ist die Waldbrandgefahr je nach Einstrahlung sehr hoch", erklärt Klaus-Peter Wittich diese Häufung.

Dieses Jahr waren die Luftbeobachter erst zwei Mal im Einsatz: Ende April über Mittelfranken, und heute über Oberfranken, "weil die Trockenheit extrem ist", sagt Michael Nickles. Wolfgang Weiß darf jedenfalls am Boden bleiben - diesen Einsatz übernimmt ein anderer.