Dass der Stadtrat einen Haushaltsentwurf ablehnt, der von Mitgliedern aller Fraktionen im Finanzsenat vorberaten und erarbeitet wurde, ist kaum zu erwarten. Wie die Fraktionsvorsitzenden das Zahlenwerk kommentieren, das ist dennoch interessant - vor allem, wenn eine Kommunalwahl unmittelbar bevor steht.

So nutzte Elmar Palauneck (CSU) seine Haushaltsrede für eine Bilanz zur gesamten ersten Legislaturperiode von Bürgermeister Marco Steiner (FW), denn: "Möglicherweise ist das ja meine letzte Rede zu einem Haushalt." Der CSU-Fraktionsvorsitzende erinnerte daran, dass Steiner zu Beginn seiner Amtszeit wegen der Ansiedlung von Schuh-Mücke "Zoff" mit der Nachbarstadt Coburg hatte und sich gegen den geplanten Bau einer weiteren Starkstromtrasse durch die Region stemmte. Er erwähnte das Entwicklungskonzept ISEK, die Zukunftswerkstatt und die Seniorenpolitik, hohe Investitionen in Schulen und Kitas und die enormen Fördergelder, die für diese Projekte in die Stadt geholt wurden - alles Posten auf der Haben-Seite für den Bürgermeister.

Dafür seien die Straßen zu kurz gekommen und könnten kaum schneller repariert werden, als sie immer weiter kaputt gehen. "Ich hätte mir mehr eigenes Profil gewünscht", sagte Palauneck, mehr Gestaltungskraft. Die Bevölkerung, so Palauneck weiter, wünsche sich mehr Augenmerk auf die Umwelt. Daher plädiere er für die Einführung einer Baumschutzverordnung für die Stadt.

Gerade die Investitionen in Bildung und Erziehung lobte auch Thomas Lesch als Fraktionsvorsitzender der SPD. Dass die Schulden trotzdem auf einen Tiefststand der letzten zehn Jahre gebracht werden konnten, habe er noch vor wenigen Jahren kaum für möglich gehalten. Bauen werde vor allem im Innenbereich ermöglicht, Wohnraum saniert und günstig angeboten, alles mit Hilfe der Stadt. Mit Blick auf noch vorhandene Leerstände an Industriebauten, zeigte sich Thomas Lesch bewusst: "Das braucht oft einen langen Atem." Dennoch sei für das verlassene OBI-Gebäude eine Nachnutzung gefunden worden. Für den noch leer stehenden früheren Media-Markt zeichne sich bereits eine neue Nutzung ab. (Hier hat ein Textilanbieter bereits Baurecht, aber noch nicht mit dem Ausbau begonnen).

Guter Mix der Generationen

Mit Blick auf die gute Entwicklung bei der Einkommenssteuer folgert Lesch: "Das zeigt mir, dass wir keine Stadt sind, die droht, zu vergreisen." Bei Straßen und DSL-Versorgung gebe es noch zu tun. Dafür sei das Ärzteproblem zumindest akut vom Tisch. Als Zweiter Bürgermeister lobte Lesch die Zusammenarbeit mit Marco Steiner und bilanzierte: "Für Deine erste Amtszeit - Hut ab!"

Konstante Einwohnerzahl

Die Einwohnerzahlen hatte auch Joachim Lieb (FW) im Blick. Dass sie in den vergangenen zehn Jahren ziemlich konstant geblieben ist, widerspreche allen damaligen Prognosen, die von einem starken Schwund ausgegangen waren. Auch er lobte Investitionen, die Rödental vor allem für junge Familien attraktiv gemacht hätten, und findet: "Rödental ist auch objektiv schöner geworden", das vor allem durch Abriss alter Gebäude an der Durchgangsstraße. Nach dem Hochbau könne nun ein Blickwechsel folgen: "Jetzt können wir uns verstärkt um die Straßen und Wege kümmern."

Begeistert ist Ulrich Leicht (Grüne) von Elmar Palaunecks Vorschlag für eine Baumschutzverordnung: "Elmar, das machen wir zusammen!" Er plädierte für ein Erfassungssystem für Leerstände auch bei Wohnbebauung, das helfen soll, Baugebiete im Außenbereich zu vermeiden. Das Ärzteproblem sieht er noch nicht als gelöst an, weil mehrere Hausärzte in der Stadt in einem Alter sind, das erwarten lässt, dass sie in wenigen Jahren ihre Praxis aufgeben. Nachfolger seien oft schwer zu finden. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht eines Tages nur noch einen virtuellen Hausarzt haben", mahnte er. Mit Bedauern stellte er fest, dass es auf den Dörfern praktisch keine Nahversorgung für die Bewohner mehr gebe.

Einstimmig für das Zahlenwerk

Der Haushaltsplan wurde einstimmig verabschiedet.