Lisa Güntner ist so etwas wie das "gute Gewissen" des Coburger Landes, was den Klimaschutz angeht. Die 29-Jährige arbeitet seit 1. April 2015 als Klimaschutzmanagerin im Coburger Landratsamt.
Lisa Güntner stammt aus Neuensorg, ist aber inzwischen nach Coburg gezogen - "auch, um klimafreundlich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können", sagt die Geo-Ökologin, die sowohl ihre Bachelor- als auch ihre Masterarbeit an der Bayreuther Universität geschrieben hat.
Im Gespräch mit dem Tageblatt erzählt die Klimaschutzmanagerin, wie sie auf die großen Plakate der Metropolregion Nürnberg gekommen ist und wie es um den Klimaschutz im Coburger Land bestellt ist.

Wie fühlt man sich denn so, wenn man sich selbst in Überlebensgröße auf einem Plakat sieht?
Lisa Güntner: Am Anfang war es schon total verrückt. Erst recht, wenn man weiß, dass etliche solcher Plakate in der ganzen Metropolregion stehen. Die Aktion ist bei meinen Bekannten und Verwandten natürlich auch das große Thema. Ich habe mich total gefreut, als die Anfrage dazu von der Metropolregion kam.

Mussten Sie bei der Anfrage nicht lange überlegen?
Eigentlich nicht, ich habe sofort zugesagt, weil ich auch den Begriff vom "Energiebündel" klasse fand. Ich habe mich aber auch gefreut, dass wir vom Forum für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung in der Metropolregion damit die Chance haben, unser Thema noch mehr an die Öffentlichkeit zu bringen. Der Klimaschutz spielt in der Metropolregion schließlich eine wichtige Rolle.

Niemand dürfte diese Frage besser beantworten können als Sie: Wie steht denn der Landkreis Coburg im Vergleich mit anderen Regionen da, wenn es um den Klimaschutz geht?
Es gibt rund 25 Klimaschutzmanager in den Städten und Landkreisen der Metropolregion. Natürlich stehen wir im regelmäßigen Austausch, aber es gibt keinen Wettbewerb untereinander. Aber ich denke, der Landkreis Coburg braucht sich beim Klimaschutz nicht zu verstecken. Wir haben mit der Bürger-Energieberatung, dem Coburger Klima-Markt, den Energiespartagen und der Schul-Tour tolle Projekte, die teilweise Anregung für andere Kommunen waren.

Wie läuft die Bürger-Energieberatung im Coburger Land?
Gut. Wir haben viele ausgebuchte Termine. Allerdings bekomme ich immer wieder Anrufe von Hauseigentümern, die gerade ihre Heizung ausgetauscht haben und sich nach Fördermöglichkeiten erkundigen. Nach dem Tausch ist es aber schon zu spät. Deshalb ist es mein Ziel, dass die Menschen im Coburger Land die Energieberatung im Hinterkopf haben und bei Projekten am eigenen Haus daran denken: "Mensch, so etwas gibt es doch bei uns auch." Allmählich funktioniert das auch schon ganz gut.

Viele Menschen winken beim Klimaschutz ab und sagen: Was kann ich kleiner Mensch da schon tun? Was kann denn der kleine Mensch so tun?
Mit gutem Beispiel vorangehen, ein bisschen Vorreiter sein. Wobei wir Klimaschutz-Manager ohnehin nichts vorschlagen, das Nachteile bringt, sondern immer auch private Vorteile. Wenn ich Kaffee ohne Kapseln brühe, spare ich Müll. - Wenn ich mehr Fahrrad fahre, tue ich meiner Gesundheit was Gutes. - Wenn ich mein Haus richtig dämme, dann profitiere ich sowieso doppelt und dreifach. Und es gibt noch viele Beispiele mehr!
Wo werden die Herausforderungen dann schon größer?
Ich habe im privaten Bereich damit angefangen, möglichst auf Plastik zu verzichten. Da habe ich selbst gemerkt, dass der Umstieg gar nicht so einfach ist. Aber nach ein paar Wochen stellt man fest, dass auch so etwas ganz gut funktionieren kann.

Angenommen: Der Landrat kommt in Ihr Büro und sagt: "Frau Güntner: Wir haben aus einer Spende eine Million Euro für ein Klimaschutzprojekt bekommen." Was würden Sie da als Wunschprojekt im Angriff nehmen?
(überlegt nur kurz) Das wäre genial. Spontan fällt mir da ein Erlebnis- und Experimentierzentrum zum Thema Klimaschutz ein. Erneuerbare Energien, Klimawandel, regionale Lebensmittel - all das in spannender Form und mit Experimenten vermitteln. Da könnten wir bei Kindern Interesse wecken und sie für diese Themen interessieren. Für so ein Zentrum braucht man aber eine Menge Geld, da wären also eine Million Euro nicht schlecht.
Ein nicht unerheblicher Teil Ihrer Arbeit besteht darin, die lokale Politik beim Thema Klimaschutz mitzunehmen. Wie leicht oder schwer ist dies im Coburger Land?
Meine Arbeit ist für die breite Masse wichtig, aber die Entscheidung über finanzielle Mittel muss die Politik treffen. Zum Glück bin ich hier immer wieder auf offene Ohren gestoßen, weil die Bedeutung des Klimaschutzes bei unseren Entscheidungsträgern angekommen ist. Aber klar: Alles, was wir in Angriff nehmen wollen, läuft als freiwillige Leistung. Das heißt: Man muss um die Mittel kämpfen. Da würde ich mir leichter tun, wenn der Klimaschutz eine Pflichtaufgabe wäre. Die Zusammenarbeit mit der Politik war immer gut. Ich hoffe, dass es so bleibt.

Aber die Arbeit der Klimaschutz-Managerin kostet ja nicht nur Geld...
Das stimmt. Bei den hohen Zuschüssen für die gerade erst beschafften E-Autos für den Landkreis wird meine Arbeit sicht- und greifbar. Anderes Beispiel: Die Arbeitsgemeinschaft für den ÖPNV und das Klimaschutz-Management haben gemeinsam eine Neubeschilderung der Radwege auf den Weg gebracht - mit 270 000 Euro Zuschuss aus Bundes- und Leader-Fördermitteln. Das ist für den Landkreis und die Stadt Coburg eine große finanzielle Unterstützung.

Die Förderung für Ihre Stelle läuft im März aus. Wissen Sie schon, wie es danach mit Ihnen weitergeht?
Die drei Jahre sind wahnsinnig schnell vergangen. Wir bereiten derzeit ein Konzept vor, wie eine Fortführung des Klimaschutz-Managements aussehen und finanziert werden könnte. Die Landkreis-Gremien werden voraussichtlich noch im Herbst darüber entscheiden, wie es weitergehen soll.

Haben Sie Lust darauf, dass es weitergehen soll?
Auf jeden Fall, ich wäre sofort mit dabei! Deshalb hoffe ich natürlich, dass in der Kreispolitik auch positive Beschlüsse getroffen werden.