Sie könnten auch gut zwei der klischeebeladenen Figuren aus einem Krimi im Vorabendprogramm sein: Nina Kutscher, die junge Hobby-Buchautorin aus dem kleinen Neuensorg im Coburger Land, und Josef Wifling, der ehemaliger Leiter einer Mordkommission aus München. Gemeinsam machen sie zwar nicht Jagd auf Verbrecher, aber sie haben ein Faible für stammende Geschichten.
Nina Kutscher hat es geschafft, den begehrten Ex-Kriminalisten und Autoren Josef Wilfling zu einer Gastlesung nach Coburg zu holen. Wie es dazu gekommen ist und was sie am "Bösen" fasziniert, erzählen sie im Doppel-Interview.

Wie sind denn der alte Kriminalisten-Hase Wilfling und die junge Autorin Nina Kutscher auf die Idee einer gemeinsamen Veranstaltung gekommen?
Nina Kutscher: Wir haben uns durch einen Kriminalfall kennengelernt, in dem ich recherchiert habe. Seitdem treffen wir uns regelmäßig auf ein Bierchen in München, und da Josef ein gebürtiger Franke ist, hatte ich beschlossen, dass eine Lesung in der alten Heimat schon längst überfällig ist! Da Josef mich sonst oft zu seinen Lesungen in München einlädt - die immer sehr toll sind - habe ich mich wahnsinnig gefreut, dass es nun endlich klappt und ich auch noch moderieren darf. Wir sind nämlich ein sehr gutes Ermittler-Team.

Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Krimi aus?
Nina Kutscher: Da gibt es sehr vieles! Was ich hier aber lieber anführen möchte, ist, was einen Krimi für mich schlecht macht: Da ich mich viel mit realen Kriminalfällen beschäftige, ist es für mich ein absolutes No-go wenn ich in einem Krimi Fehler bei der Polizeiarbeit entdecke. Heißt bei den Ermittlungen, Fehler bei den Obduktionen und so weiter. Da ich mir in dem Bereich jetzt schon einiges an Fachwissen angelesen habe, fällt einem so etwas natürlich sofort auf. Man kann daraus also auch den Umkehrschluss ziehen: Ein guter Krimi beinhaltet für mich gut recherchierte Fälle und professionelle Ermittlungsarbeit.

Josef Wilfling: Ein guter Krimi muss die Wirklichkeit nicht unbedingt 1:1 abbilden, sonst wäre er ja langweilig. Er muss spannend, intelligent und einigermaßen realistisch sein. Also einerseits durchaus fantasievoll, aber auch im Bereich des Wahrscheinlichen bleibend.

Welcher Autor aus dem Krimi-Bereich hat bei Ihnen bleibende Eindrücke hinterlassen?
Nina Kutscher: Ich lese selbst meist eher Sachbücher von Kriminalkommissaren und Rechtsmedizinern. Aber es gibt ein paar Autoren, von denen ich einfach jedes Buch lesen muss: Cody McFadyen, Chris Carter und Jussi Adler-Olsen.

Josef Wilfling: Ich mag historische Krimis. Vor allem wenn sie vor dem Hintergrund realer Ereignisse spielen. Heidi Rehn ist eine solche Autorin. Sie vereint Geschichte und Fiktion spannend und anschaulich.

Sind reale Kriminalfälle für Sie ein Ideen-Fundus, aus dem Sie sich bedienen? Oder ist alles pure Fantasie?
Nina Kutscher: Eigentlich habe ich in jedem meiner bisherigen Bücher reale Fälle oder Details aus realen Kriminalfällen verwendet - und zwar bewusst. Oft sind solche Fakten nämlich schlimmer als alles, was sich ein Krimiautor einfallen lassen kann. Gerne verwende ich auch Fälle, die nie gelöst werden konnten. So etwas lässt mir ja immer keine Ruhe und so bastele ich daraus einen Krimi und löse zumindest dort dann den Fall.

Sie scheinen ja Nina Kutscher und ihre Geschichten gut zu kennen. Was zeichnet ihre schriftstellerische Arbeit aus?
Josef Wilfling: Nina ist mir eine gute Freundin geworden. Sie orientiert sie sich stark an der Realität, woran ich sicherlich einen Anteil habe. Sie wäre eine gute Ermittlerin geworden. Unerschrocken, belastbar und mit mir seelenverwandt.

Was fasziniert Sie an den wahren Geschichten, die Josef Wilfling zu erzählen hat?
Nina Kutscher: Es ist einfach spannend von den Fällen nicht nur aus der Zeitung oder den Medien zu hören, sondern von einem, der wirklich dabei war. Ich beschäftige mich ja wirklich viel mit Kriminalfällen und doch passieren immer wieder schreckliche Morde, die alles vorherige noch toppen. Ich finde es interessant, zu erforschen warum etwas passiert ist und wie der Täter so "tickt". Gerade Verhöre finde ich extrem spannend und da ist Josef ja der absolute Spezialist.

Müssen Sie über das Bild, das im Fernsehen von den Kriminalisten gezeichnet wird, eher lachen oder können Sie sich nur noch aufregen?
Josef Wilfling: Beides. Ich habe nichts gegen Humor, ganz im Gegenteil. Aber wir Kriminalisten sind alles brave Familienväter, wir streiten nicht ständig, treten keine Türen ein und werden auch nicht ständig von vertrottelten Chefs genervt.


Die Lesung

Zur Person Josef Wilfling war 42 Jahre lang bei der Schutz- und Kriminalpolizei in München tätig. 1987 wechselte er zur Mordkommission, die er ab 2002 leitete. Josef Wilfling galt als Vernehmungsspezialist und klärte spektakuläre Fälle wie den Sedlmayr- und den Moshammer-Mord auf und überführte den Serienmörder Horst David.

Die Lesung Josef Wifling ist Donnerstag, 5. Juli, 19 Uhr, im großen Sitzungssaal des Landratsamtes zu Gast. Karten gibt es im Vorverkauf (für fünf Euro) in der Buchhandlung Riemann und (für sieben Euro) an der Abendkasse. Der Erlös der Veranstaltung geht an den Weißen Ring.