Eierstockkrebs im Brustkorb!? "Hätte es nicht auch was Normales sein können?" Agathe Prommersberger muss darüber lachen. Humor ist (offensichtlich), wenn man trotzdem lacht, schießt es mir da durch den Kopf. Die Frau mit den kurzen, flaumigen Haaren hat in den vergangenen zwei Stunden mehr gelacht als ich in der ganzen letzten Woche. Tatsächlich meint es das Schicksal mit der 59-Jährigen nicht gut und ihre Situation ist alles andere als lustig: Das gesicherte Rezidiv des Ovarialkarzinom, wie es offiziell heißt, umschließt ihre Organe im Oberkörper und muss dauerhaft mit einer Antikörper- oder Chemotherapie behandelt werden. Es ist nicht heilbar.

Was ist es, das Agathe Prommersberger so positiv erscheinen lässt? Woher nimmt sie die Kraft, die sie planen und verreisen lässt? Zwei Wochen Kuba im Februar, sechs Wochen Alpenüberquerung im Frühsommer stehen in ihrem Terminkalender.

Ein Spaziergang an der frischen Luft bringt sie in Erzähllaune. Sie empfinde es als Gnade, mit einer positiven Einstellung zum Leben und einer gesunden Portion Humor geboren zu sein. "Das macht das Leben einfach schöner!", sagt sie. "Irgendwie bin ich ein barocker Mensch, lebens- und sinnesfroh, aber den Tod immer vor Augen", beschreibt die Diplom-Pädagogin wie sie sich oft fühlt.

Der Humor hilft ihr, die Situation anzunehmen. Agathe Prommersberger lacht gern und viel. Aber mit Hirn müsse der Witz schon sein. Sie mag Karl Valentin und Loriot. Diese feine Art, das Hintergründige, Anarchische - keine brüllenden Schenkelklopfer-Weisheiten á la Mittermeier und Barth.

Lachen kann sie aber auch ganz ohne Grund. Sagt sie - und legt los.

Wir haben die erste Anhöhe unseres Weges noch nicht ganz geschafft, da bleibt sie stehen und lacht. Lacht laut. Lacht hell. Lacht gerade heraus. Lacht ansteckend. Dagegen kann sich niemand verschließen. Dieses fröhliche Lachen klingt nicht gekünstelt - obwohl es das doch ist, oder?

"Wer gerne und viel lacht, weiß wie gut das tut - dem Körper und der Seele", erklärt sie. In der Reha hat sie auch Sitzungen im Lach-Yoga besucht. Aus Neugier - und, weil es ihr Spaß macht. "Es ist schon eine geniale Anlage, dass wir unser Gehirn austricksen können, in dem wir nur unsere Mundwinkel nach oben ziehen und ein Lachen andeuten - ob echt oder nicht."

Denn mit dem Lachen kommt das Wohlbefinden. Das kann nicht nur subjektiv empfunden, sondern auch biologisch belegt werden. Im limbischen System, einer evolutionsgeschichtlich alten Region im Gehirn, liegt das Zentrum für Gefühle. Hier werden während des Lachens Glückshormone (Endorphine) produziert, die in die Blutbahn gelangen. Das merken wir daran, dass die Stimmung steigt.

Was ist also gerade mit uns passiert?

Durch die schnellere Atmung hat sich der Gasaustausch um ein Dreifaches erhöht. Das Zwerchfell hat sich gespannt, dadurch dehnen sich die Lungenflügel. Wenn wir so lauthals loslachen wie eben, pressen wir den Atem stoßartig mit 100 Stundenkilometern aus der Lunge heraus.

Wir haben rund 300 Muskeln vom Kopf bis zum Bauch angespannt, allein 17 im Gesicht.

Nach der "Aufregung" durch den Lachanfall entspannt sich unser Körper wieder.

Wir gehen weiter. Agathe Prommersberger muss auf sich aufpassen. Ihr Immunsystem ist geschwächt. Eine Erkältung kann schwerwiegende Folgen haben. Durchs Lachen haben wir jetzt allerdings gestärkt. Denn so genannte Antikörper, die der Körper zum Schutz vor Bakterien und Viren braucht, wurden soeben neu gebildet.

Das alles weiß die Diplom-Pädagogin. Doch ihr wurde die Freude am Lachen in die Wiege gelegt, sie muss sich zum Lachen nicht zwingen. Sie habe viele Menschen getroffen, denen es damit ähnlich geht. In Krankenhäusern und Rehakliniken werden viel mehr gelacht als man denkt, erzählt sie. Über sich selbst und seine Situation lachen zu können, sei eine tolle Methode, um dem Leben ein Stück Leichtigkeit zurückzugeben. Beispiele dafür hat sie viele. Als Förderlehrkraft an der Mauritiusschule hat sie mit Behinderten gearbeitet. "Was die für Witze über sich selbst erzählen! Da war sogar ich manchmal sprachlos", gibt sie zu.

Sie macht einen Sprung: "Als mir die Haare abrasiert wurden, war ich richtig froh darüber." Ganz oft sei sie im Sommer "oben ohne" - auch im Dorf - herumgelaufen. Offensiv damit umgehen, sei auch eine Art locker zu werden. Voraussetzung sei allerdings da die innere Einstellung. "Humor ist, wenn man trotzdem lacht" ist gesetzt.

Wo der Trainerin für interkulturelle Kompetenzen allerdings tatsächlich das Lachen vergeht, ist die aktuelle Flüchtlingspolitik. Sie, die sich seit Jahren für junge Afghanen engagiert, wird richtig wütend, wenn sie von den Abschiebe-Mechanismen berichtet. "Das legt sich mir auf die Seele!", sagt sie traurig. Alle miteinander würden hinters Licht geführt: Flüchtlinge, Ehrenamtliche und Unternehmen.

Wir nehmen die letzte Abbiegung und wechseln noch einmal das Thema. Der Mutter zweier erwachsener Töchter fällt es - trotz allem - nicht leicht, sich der Endgültigkeit ihrer Diagnose zu stellen. Zwar sei es jetzt - 20 Jahre nach dem ersten Auftreten des Krebses - einfacher, weil die Kinder groß sind, aber es gebe schon auch Tage, an denen sie sich schlecht und schwermütig fühle. Ganz langsam beginne sie, ihre "letzten Dinge" zu regeln. "Ich habe das vor mir hergeschoben, jetzt fülle ich die Formulare aus."

Da ist er wieder, der barocke Mensch Agathe Prommersberger. Der hin- und herpendelt zwischen dem Carpe Diem (Nutze den Tag) und Memento Mori (Bedenke deines Todes).

Jetzt darüber lachen und Galgenhumor beweisen, das kann sie. Auf den letzten Metern zurück zum Haus spricht sie von ihrer Beerdigung: Einen "g'scheiten zünftigen Leichenschmaus" wünscht sie sich - und wirft gleich ein, dass sie es schade findet, nicht dabei sein zu können. In Schwarz gekleidet, braucht niemand kommen - lieber farbenfroh und Typ gerecht. Wenn man ihr einen Bocksbeutel aufs Grab kippen würde, das fände sie toll.

Leitmotive des Barock

Carpe Diem (aus dem Lat. = nutze den Tag).

Dieser Ausspruch richtet sich an die Menschen,

die lieber den Tag leben und genießen sollen,

anstatt zu viel Zeit an den Gedanken der Endlichkeit

des Lebens zu verschwenden.

Memento Mori (aus dem Lat. = bedenke deines Todes)c

Dieser Spruch ist als Gegensatz zum Carpe Diem Motiv zu betrachten. Er soll den Menschen zum Nachdenken über Tod und das Sterben bringen. Der Mensch soll sich bewusst werden, dass auch er bald sterben muss.

Vanitas (aus dem Lat. = Vergänglichkeit).

Ist ähnlich dem Memento Mori-Motiv, jedoch steht beim Vanitas nicht der Tod im Vordergrund, sondern die Nichtigkeit und Vergänglichkeit des Menschlichen Lebens. Dies wird z.B. häufig gezeigt durch die Fassade des Lebenden (wie Gesichter) in Kombination mit Schädeln, welche das Vergangene, Tote symbolisieren; wie auch gealterte Frauen in aufreizenden, jugendlichen Posen. Ebenfalls wird die Vergänglichkeit der weltlichen Macht gezeigt durch den Verfall von Schlössern zu Ruinen oder durch abgelegte Kronen und Zepter. Halb verwestes Obst und Gemüse und leere Gläser wurden in der Malerei vor allem in Stillleben abgebildet.