Das Paradies beginnt bereits auf Erden. Wer zwischen Bodelstadt und Wiesen im Itzgrund unterwegs ist, könnte tatsächlich meinen, einen Beleg für dieses deutsche Sprichwort gefunden zu haben: Büdenhof. Die Einöde, bestehend aus zwei ökologisch betriebenen Landwirtschaftsgütern liegt rechts am Weg Richtung Welsberg.

Vogelgezwitscher, Gänseschnattern und Hundegebell hinter dem schmiedeeisernen Tor. Der Blick fällt in den Fachwerkhof mit weiß gekalktem Gemäuer und roten Fensterläden, umrahmt von den Reben, an denen dicke blaue Trauben nur darauf warten in einem gierigen Mund aufzuplatzen und ihren süßen Saft zu verspritzen.

In der Mitte plätschert der Brunnen. Dürsten muss hier niemand - weder Pflanz' noch Tier', wovon die leuchtend roten Tomaten zeugen, die zwischen dichten Sommerblumen-Rabatten hervorlugen.

Julika Gerlach hängt gerade noch Wäsche auf, während Boxerhündin Ida und der alte Raubauz Jakob um mich herumschwänzeln. Seit einem knappen Jahr wohnt die 49-Jährige zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn in dieser so genannten fehlerfreundlichen Hofgemeinschaft, zu der daneben noch der Eigentümer Stefan Haderlein mit seiner Frau und Georg Wagner, der Landwirtschaftsgärtner in Frührente gehören.

Was 2016 als solidarisches Landwirtschaftsprojekt begann, ist mittlerweile - nach einigen Mieterwechseln - zu einer Wohngemeinschaft gereift, in der alle den Traum von einem möglichst unabhängigen, nachhaltigen und selbstbestimmten Leben teilen.

Neuer Mieter gesucht

Zur Zeit wird ein passender neuer Mieter für eine 210 Quadratmeter große Wohnung gesucht. Am liebsten eine Familie mit Kindern. Doch es sind ganz andere Bewerber, die sich dafür aus ganz Deutschland interessieren. "Eher die jungen Älteren, die sich mit unserer Idee anfreunden können. Menschen, die in sich ruhen und wissen, was sie wollen.

Die schon eine Karriere hinter sich haben oder im sozialen Bereich engagiert sind", sagt Julika Gerlach, die an diesem Morgen die einzige ist, die sich auf dem Hof nützlich macht. "Die anderen sind schon auf der Arbeit, denn das Leben auf dem Büdenhof will finanziert werden", sagt die ehemalige Citymanagerin von Coburg. Mittlerweile kümmert sie sich 20 Stunden pro Woche ums Marketing der Medauschule.

Die ersten Mieter vom Büdenhof glaubten noch, sich durch die nachhaltige Landwirtschaft finanzieren zu können. Doch dem war nicht so. Deshalb wurde das Konzept auch etwas geändert. Geblieben ist die Gemeinschaft, der sich alle ein Stück weiter verpflichtet fühlen müssen.

"Das ist nicht immer einfach", gibt Julika Gerlach zu. Eine gute Kommunikation hilft dabei. "Wer auf dem Büdenhof leben möchte, sollte keinen Neid verspüren, die Nehmen-und-Geben-Kultur verinnerlicht haben, ein Stück Lebenserfahrung mitbringen und den Solidaritätsgedanken in sich tragen", bringt sie die Voraussetzungen auf den Punkt.

Denn neben den Gewächshäusern, dem Back- und dem Räucherofen, der kleinen Bierbrauerei, den Fischteichen und dem Kräutergarten, die es alle zu unterhalten und zu pflegen gilt, spuken noch eine ganze Reihe anderer, großer Ideen in den Köpfen der Büdenhofer.

Gerade als Julika Gerlach von dem Traum des ersten ökologischen Campingplatzes erzählt, schlägt der Hofpfau sein Rad vor uns auf. "Der hat neulich sogar einen Fuchs verjagt", sagt sie voller Ehrfurcht vor diesem stolzen Tier.

Zurück zum Campingplatz: Erste Gespräche im Hinblick auf Fördermöglichkeiten stehen an, das Feld direkt hinterm Hof ist dafür bestellt. Gerlach, die die Deutsche Spielzeugstraße betreut hat, kennt sich im Tourismusgeschäft aus und hat bereits die Pläne von Rad- und Wandertouren, Kanufahrten und der ökologischen Selbstverkostung der Campingurlauber vor Augen.

Da fällt mein Blick in die beiden Gewächshäuser: Tomaten, Tomaten, Tomaten, Paprika, Süßkartoffeln, Staudensellerie und Basilikum in rauen Mengen verströmen den Duft des Sommers. Am Boden ranken sich die Honig- und die Netzmelonen. Gärtner Georg hat heute noch nicht geerntet.

Die Äpfel und Pflaumenbäume zwischen den Glashäusern können ihre Früchte kaum noch tragen. Schwer hängen die Äste herab und warten auf Erlösung.

Die kommt bald, verspricht Gerlach. Denn das "ungedüngte, ungespritzte und mit viel Liebe aus Demetersamen gezogene Obst und Gemüse" kommt auch unter die Leute. So gehören das Gasthaus "Alte Henne" und das Lokal 1627 in Coburg zu festen Abnehmern.

Und seit ein paar Monaten läuft auch die neu gegründete Whatsapp-Gruppe auf Hochtouren. Wenn die Ernte besonders üppig ausfällt, schreibt Julika Gerlach an all ihre Freunde und Bekannten eine Whatsapp-Nachricht. Tüten- oder Stückweise bietet sie dann die Leckereien aus dem Schoß von Mutter Natur an - zum Selbstkostenpreis. Wer möchte, bekommt seine Bestellung dann auch noch vor die Tür geliefert - paradiesische Zustände sind das.

Lage und Geschichte

Büdenhof liegt etwa vierzehn Kilometer südwestlich von Coburg auf einem Westhang im Rodachtal. An der Siedlung führt die Staatsstraße 2204 von Kaltenbrunn nach Seßlach vorbei.

Geschichte Der Büdenhof ist für das 12. Jahrhundert als ein zu Bennendorf gehörender Güterkomplex belegt. Eine erste urkundliche Erwähnung war wohl 1149, sicher 1154.

1875 hatte die Einöde dreizehn Einwohner und fünf Gebäude.

Im Jahr 1987 umfasste die Einöde sieben Einwohner und zwei Wohnhäuser mit zwei Wohnungen.

Seit 1. Juli 1972 gehört Büdenhof zum Landkreis Coburg. Im Zuge der bayerischen Gebietsreform verlor Welsberg am 1. Mai 1978 seine Selbstständigkeit als Gemeinde und wurde, wie sein Ortsteil Büdenhof, ein Gemeindeteil vom Itzgrund.