Vertreter der Staatsregierung sagen bei Spatenstichen oder Einweihungen gern: "Coburg ist uns lieb und teuer." Die Betonung liegt auf "teuer", und gemeint ist meist der Staatsvertrag zwischen dem ehemaligen Freistaat Coburg und Bayern, wo geregelt ist, was Bayern in Coburg alles zu unterhalten und zu bezahlen hat.

Von Hochwasserschutz ist im Staatsvertrag nicht die Rede. Aber den lässt sich der Freistaat in der Region viel kosten."In Coburg macht es Spaß, Geld auszugeben", verkündete am Dienstag Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU). Denn mit der Stadt herrsche eine gute Zusammenarbeit; die erforderlichen wasser- und baurechtlichen Genehmigungen seien nie ein Problem gewesen, sagte die Ministerin.

Seit 2008 wird die Lauter im Stadtgebiet eingehegt. Beginnend von ihrer Mündung in die Itz gegenüber der Heilig-Kreuz-Kirche flussaufwärts bis zur Agip-Tankstelle in der Callenberger Straße erhält sie in insgesamt vier Bauabschnitten neue (höhere) Ufermauern. Das soll verhindern, dass sie - wie zuletzt 2003 - das gesamte Bahnhofsviertel unter Wasser setzt. Das tat sie seit 1909 insgesamt viermal, "und es kamen einem in der Löwenstraße Paddelboote entgegen", wie sich Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) am Dienstag erinnerte.


400 Meter fehlen noch

Anlass war die Feier zur Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts zwischen Heilig-Kreuz-Schule und Raststraße. Die Bauarbeiten wurden zwar schon im Dezember 2014 abgeschlossen, aber nun reiste die Ministerin an, um den Abschnitt offiziell zu übergeben. 2,7 Millionen Euro haben die 300 Meter neues Ufer gekostet; der Freistaat Bayern übernahm davon (mit Hilfe der EU) 65 Prozent, die Stadt Coburg den Rest.

Nach kurzer Verschnaufpause soll es im Herbst 2016 weitergehen. Rund 400 Meter Ufermauer müssen noch gebaut werden. Vorgesehen sind zwei Bauabschnitte, die Kosten sind mit rund fünf Millionen Euro kalkuliert. Gemessen an den übrigen Hochwasserschutzmaßnahmen in der Region (siehe Grafik) ist das neue Bett der Lauter aber nur ein kleiner Fisch. Insgesamt habe der Freistaat für den Hochwasserschutz in und um Coburg bereits 100 Millionen Euro ausgegeben, sagte Ministerin Ulrike Scharf.

Im jetzt abgeschlossenen zweiten Bauabschnitt hat die Lauter neue und höhere Ufermauern und teilweise mehr Platz erhalten. Auch die Einmündung des verrohrten Rottenbachs wurde etwas naturnäher gestaltet. Verschwunden ist dagegen die kleine Fußgängerbrücke, die zwischen Kanonenweg und Saggasser-Gelände über die Lauter führte. Hier wurde der Bereich für den Fluss stark aufgeweitet.

Sehr knifflig seien die Arbeiten im Bereich der Agentur für Arbeit und an der Brücke der Raststraße gewesen, sagten Abteilungsleiter Hans-Joachim Rost und der stellvertretende Projektleiter Otmar Pfister vom Wasserwirtschaftsamt. Dort war nicht viel Platz, und es galt, Schäden an den vorhandenen Gebäuden zu vermeiden.

Der von Ministerin Scharf verkündete "Spaß am Geldausgeben" ging Oberbürgermeister Norbert Tessmer übrigens "runter wie Öl", wie er sagte. "Sie können sicher sein, dass ich Ihnen diese Freude gerne bereite, nicht nur, wenn es um Hochwasser geht!" Wofür Tessmer das Geld gerne ausgeben würde, sagte er nicht. Die Ministerin ist zuständig für Umwelt und Verbraucherschutz, aber die Stadt hofft bei ganz anderen Themenfeldern auf Hilfe vom Freistaat, zum Beispiel bei der Sanierung des Landestheaters. Dass der Freistaat sich an den Kosten fürs Theater beteiligt, ist auch eine Folge des Staatsvertrags aus dem Jahr 1920. Darin steht übrigens auch, dass der Freistaat den Bau eines Kanals von der Werra zum Main vorantreibt. Darüber redet kein Mensch mehr - die Ufermauern an der Lauter lassen indes manchmal an einen Kanal denken.