Neuer Coach beim FC Coburg ist Lars Scheler, der vier Jahre lang die U19 betreut hat: "Es war eigentlich schon besiegelt, dass ich weiter bei der U19 bleibe. Doch dann hat sich die Situation geändert, und ich habe nun gerne die erste Mannschaft übernommen", sagt "Lally", der in Lautertal wohnt und seit Februar Inhaber der Elite-Jugend-Lizenz ist.
Der 36-Jährige hat beim VfL Frohnlach Bayernliga und beim TSV Mönchröden Landesliga gespielt, schoss zahlreiche Tore für den FCC-Vorgängerverein DVV Coburg und agierte erfolgreich als Spielertrainer beim Kreisklassisten SV Hut Coburg.
Er weiß also, worum es geht. Basis seines Kaders sind viele Talente aus dem NLZ und der Region: "Ich hatte einige Spieler schon in der U19. Mit Kapitän Eric Heinze habe ich selbst schon zusammengespielt", sagt Scheler. Es gibt aber auch zwei externe Neuzugänge: Mittelfeldspieler René Knie (23) aus Frohnlach, der früher selbst im NLZ in Coburg gekickt hat, und Stürmer Tevin McCullough (23) - ebenfalls ein Junge mit NLZ-Stallgeruch!
Ansonsten sollen Akteure aus der eigenen U23 und U19 aufrücken. Potenzial ist reichlich vorhanden. Scheler hofft natürlich, dass er mit seinem Team den Klassenerhalt bewerkstelligen kann. Das sollte bei fünf Aufsteigern in der 18er-Liga möglich sein. Doch mittelfristig setzen sich die Vestekicker, die den Bezirk würdig vertreten wollen, andere Ziele: "Wir wollen uns in der Landesliga etablieren, wollen möglichst schnell eine feste Größe werden”, formuliert Scheler. Auch, wenn zunächst einmal geschaut werden muss, wie sich die Truppe auf Verbandsebene präsentiert.
Aktuell gibt es mit der SpVgg Bayern Hof und der DJK Don Bosco Bamberg nur noch zwei Bayernligisten in der Region. Der FC Coburg besitzt dank des NLZ und die Trainingsmöglichkeiten gute Voraussetzungen, um auf Verbandsebene eine feste Größe zu werden. Wie stark der FC Coburg wirklich ist, muss die Mannschaft von Coach Lars Scheler erst noch unter Beweis stellen. Aber die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Weg sind allemal gegeben. Wir sprachen mit dem neuen Hoffnungsträger der Vestekicker:

Hallo Lars, wie fühlst Du Dich als Landesliga-Trainer? Bist Du stolz oder eher nervös?
Lars Scheler: Eigentlich weder noch. Ich bin eher gespannt auf die Aufgaben, die wir gestellt bekommen, und wie wir sie zusammen als Team lösen werden.

Die neue Aufgabe ist anspruchsvoll, welche Ziele verfolgst Du mit Deinen Vestekickern?
Was die erste Mannschaft angeht will ich einfach, dass wir uns schnell in der neuen Klasse etablieren, gefestigt auftreten und die vorhandenen Spieler wieder ein paar Entwicklungsschritte machen. Das wünsche ich mir aber für all unsere Teams.

Mit welcher Spielidee willst Du diese Ziele erreichen? Denkst Du eher offensiv oder muss die Null stehen?
Das eine schließt das andere ja nicht aus. Wir wollen sicherlich nach Möglichkeit mutigen, offensiven Fußball spielen, aber bei jedem Angriff brauchen wir einen Plan dafür, was wir tun, wenn der Angriff mal nicht so läuft, wie wir es uns wünschen. Das ist eigentlich die Idee. Für alles immer einen Plan oder sogar mehrere zu haben.

Wo spielt ihr künftig? Wieder auf Kunstrasen oder doch im Stadion? Der Rasen ist ja gut in Schuss.
Ich hoffe, dass wir so viele Spiele wie möglich im Stadion auf dem Rasen machen können. Wir waren am Donnerstag zum Trainingsauftakt einmal drauf. Das war absolut in Ordnung. Es ist einfach anderer Fußball, andere Räume und Distanzen. Es sollte uns für die Spiele in der Fremde entgegenkommen, wenn wir so viel wie möglich auch zu Hause auf Rasen zu spielen.

Muss es nicht auch ein Ziel sein, wieder mehr Zuschauer zu gewinnen und diese dann auch für die schönste Nebensache der Welt zu begeistern?
Sicherlich! Wir dürfen Landesliga spielen. Der sportlich Reiz sollte für Zuschauer eigentlich jetzt höher sein. Wir werden mit unserem Einsatz jedenfalls alles dafür tun, um gute Werbung für den Verein zu machen und Zuschauer zu begeistern.

Stimmt es, dass Du ein Disziplin-Fanatiker bist? Wer nicht regelmäßig trainiert, der spielt nicht...
Ich sag's mal so: Wir betreiben in diesem Verein im NLZ bis zu den Herren Leistungssport. Unser Training ist dazu da, jeden einzelnen technisch, taktisch, athletisch und im Kopf zu verbessern. Ich setze das einfach voraus, dass man sich für sein Team in einem Maße einbringt, um es insgesamt besser zu machen. Ich weiß aber als zweifacher Familienvater auch, dass man manchmal nicht alles unter einen Hut bringen kann. Dann würde ich mich als verständnisvoll beschreiben, aber so viele Familienväter haben wir ja nicht (lacht).
Der Anspruch des Trainerteams an uns selbst und an unsere Spieler ist aber schon recht hoch, das ist richtig. Am Ende des Tages wird aus unserer subjektiven Sicht die bestmögliche Mannschaft auf dem Platz stehen. In einem 23-Mann-Kader kann man sich aber relativ leicht ausrechnen, welchen Stellenwert das Training hat.

Und was machen Eure Routiniers? Bleiben Daniel Sam und Lukas Mosert beim FCC?
Den beiden wurden Abwanderungsgedanken nachgesagt.
Lukas hat seine Zusage für die neue Saison gegeben, bei Daniel muss sich noch zeigen, ob wir eine Basis finden, in der er und der Verein sich wiederfinden. Da sind wir in den letzten Zügen und ich denke, dass er nach Beendigung seines Bauprojekts zu Hause im Laufe der Vorrunde auch wieder zu uns stößt.

Mit Rene Knie und Tevin Mc Cullough sowie zahlreichen A-Junioren stoßen talentierte Spieler zum Aufstiegskader. Ist der Kampf um die Stammplätze bereits entfacht?
Ja, der Zug im Training ist definitiv sehr hoch. Jeder will sich zeigen. Unser A-Jugend-Kader von letzter Saison soll dieses Jahr größtenteils auch A-Jugend Landesliga spielen und wird nicht wieder direkt hochgezogen. Nichtsdestotrotz hatten wir in jedem Training bisher bereits Spieler aus dem Jahrgang 2000 als Trainingsgäste und die Jungs haben schon gezeigt, was man von ihnen erwarten kann.

Müssen sich die Konkurrenten in der Kreisliga Coburg künftig warm anziehen, schließlich wird auch die 2. Mannschaft von derart vielen Spielern profitieren. Wie lautet das Saisonziel der Reserve?
Das Ziel der zweiten Mannschaft muss es sein, wieder einen Schritt nach vorne zu machen, nicht nur tabellarisch. Die Spieler, die wir nun in den Trainingskader der ersten Mannschaft gezogen haben, werden vom höheren Tempo im Training profitieren. Der restliche Kader, der vielleicht noch etwas Zeit braucht, wird hauptsächlich zusammen mit dem A-Jugend-Landesliga-Kader trainieren.
Da sind ja auch etliche Spieler dabei, die theoretisch im Herrenbereich spielen können und das Training beleben werden. Das wird eine Gewinn für beide Teams werden. Außerdem geben wir einen "roten Faden" vor, der, wie wir hoffen, größere Anpassungsschwierigkeiten der Spieler beim Übergang von einem Team ins andere eliminiert.

Und wer wird Weltmeister?
Weil das deutsche Team nun genug Warnschüsse abbekommen hat und die richtigen Lehren gezogen werden, schaffen wir die Titelverteidigung. Sollte es anders kommen, haben wir es nicht verdient, und das kann ich dann sehr emotionslos akzeptieren.

Das Gespräch führte
Christoph Böger