Ein buntes Programm mit unterschiedlicher Besetzung, alle zwischen 1830 bis 1850 entstanden, erwartete die Besucher beim vorletzten Sinfoniekonzert dieser Saison im Landestheater.

Wie immer führte Dirigent Roland Kluttig erläuternd durch das Programm, das er mehrfach aus musikalischen Gründen umgestaltet hatte.

Ursprünglich war vorgesehen, das Hauptwerk - die "Reformations-Sinfonie" von Mendelssohn - an den Anfang zu setzen. Sie bildete jetzt den krönenden Abschluss als einziges Werk nach der Pause.

"Meeresstille"

Begonnen wurde mit einem weiteren Werk dieses Komponisten, der Konzertouvertüre "Meeresstille und glückliche Fahrt" nach einem Gedicht von Goethe. Lang ausgehaltene Töne der Streicher symbolisieren das ruhige Meer, bevor die Flöte eine leichte Brise ankündigt, die sich nach und nach mit virtuosen Geigenläufen und schmetterndem Blech zu einem lebhaften Wind steigert. Die glückliche Fahrt endet mit einer ruhigen Landung. Unter der sorgsam gestaltenden Leitung des Dirigenten erlebte man eine gediegene Wiedergabe des aparten Werks mit eindrucksvoller Piano-Kultur im ersten und glänzender Orchesterfülle im zweiten Teil.

Ungestümes Werk

Mit vergrößertem Orchester folgte die sinfonische Dichtung "Mazeppa" von Franz Liszt, ein recht ungestümes Werk, das auf einer Dichtung von Victor Hugo basiert. Packend mit beweglichen Streichern und mächtigem Blech gestalteten Dirigent und Orchester den nicht endenden wilden Ritt des Protagonisten und brachten nach einem kurzen Ruhepunkt das Werk zu festlich-triumphalen Abschluss.

Makellose Tonbildung

Ein besonderer Genuss in dem farbigen Programm war das erst vor kurzem entdeckte Konzert für Fagott und Orchester von Gioacchino Rossini, für das man mit Sophie Dervaux eine ausgezeichnete, überragende Solistin gewinnen konnte.

Seit 2015 ist sie Solofagottistin der Wiener Philharmoniker und war davor zwei Jahre Solokontrafagottistin der Berliner Philharmoniker - von anderen Auszeichnungen und Preisen abgesehen. Mit überlegener Technik und makelloser Tonbildung zeigte sie die vielseitigen Klangmöglichkeiten des Instruments und ihre ausdrucksvolle Gestaltungskraft, die besonders eindrucksvoll im expressiven Largo des Rossini-Konzerts zur Geltung kam. Schon nach dem ersten Satz setzte unüblicher Beifall ein, der sich am Ende zu langanhaltenden Ovationen steigerte, für die sich die Solistin mit einem Cello-Solosatz von Bach bedankte.

Orchester in Höchstform

Krönender Abschluss - wie schon erwähnt - nach der Pause die 5. Sinfonie d-Moll, die "Reformations-Sinfonie", von Felix Mendelssohn-Bartholdy in einer klangvollen, dichten und fesselnden Wiedergabe durch das sich in Höchstform präsentierende Orchester sowie den minuziös und eindringlich gestaltenden Dirigenten Roland Kluttig. Die Engländer werden staunen, was die deutsche Prinz Albert-Stadt an musikalischer Qualität aufzubieten hat!

Die nächsten Konzerte des Landestheaters

Samstag, 29. Juni Klassik-Open-Air "Coburg Night of the Proms", Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, Leitung: Roland Kluttig - 20.30 Uhr, Rosengarten Sonntag, 7. Juli 5. Kammerkonzert - Werke von Anton Bruckner und Louis Vierne, 11 Uhr, Rathaussaal (in Zusammenarbeit mit dem Festival "Klanggrenzen") Montag, 8. Juli 7. Sinfoniekonzert, Werke von Ralph Vaughan Williams - Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, Royal Choral Society London, Leitung: Roland Kluttig - 20 Uhr, St. Moriz Vorverkauf Tickets für die Konzerte gibt es im Vorverkauf in der Tageblatt-Geschäftsstelle (Hindenburgstraße 3a) und an der Theaterkasse.