Ach diese Kinder! Sind so voller Bewegungsfreude, noch nicht festgelegt, weder in ihrem Auftreten noch in ihrem Denken. Sind noch bereit zum Abenteuer. Zum Beispiel zu Erich Kästners Großstadt-Abenteuer "Emil und die Detektive" , das in seiner Substanz kolossal vergnüglich war und ist. Schaut nur mal in die heutigen Fernseh-Kinderserien, wie viele davon nach dem gleichen Muster funktionieren. Echt knorke, wie man 1929 in Berlin zu sagen pflegte, als Kästner seinen berühmten Kinderroman veröffentlichte.

In Coburg waren diese Kinder jetzt von etwas älterem Semester - was erst Recht spaßig war. Nicht der Jugend-, der Club der Alten, ab sofort Club 56 genannt, hat nämlich am Landestheater "Emil" gespielt, von Freitag bis Sonntag in der Reithalle. Was wahrlich kein Kinderspiel war, von der Leistung der zwölf mutigen Theaterspieler her gesehen. In der körper- und bewegungsbetonten Regie von Theaterpädagogin Luca Pauer entfalteten sie Ausstrahlungskraft und ansteckende Fantasie, ohne etwas vorzugeben, was sie nicht sind und nicht können.

Die Macht des Spiels

Selbstverständlich spielten die Mitglieder des Clubs 56 keine Kinder, sondern mobilisierten "1000 wildgewordene Berliner Senioren" auf der Jagd nach dem fiesen Räuber Grundeis. Der hatte dem armen Emil - Horst Gründel in seiner souverän ruhigen Art - das Geld gestohlen.

Ob Gitta Hofrichter als betont expressiver Gustav mit der Hupe, ob Annegret Schüppler als die Verfolgungsjagd organisierender Professor, ob eine entzückend jugendfrische Christa Felder als Pony Hütchen oder Ulrike Heckl-Fischer als Krummbiegel samt aller anderen individuell ihre Rollen gestaltenden Darsteller (Ursula Kreuz, Elvira Nettelroth, Karl-Friedrich Fehn, Rainer Lorenz, Gabriele Munzert, Heide-Marie Weber, Elly-Xenia Jurgan): Der Club 56 entwickelte unter der offensichtlich befreienden und befeuernden Regie von Luca Pauer aus der Kraft der eigenen Körper ein Stück, das wieder einmal die urtümliche Macht des Theaterspiels bewies.