Das Schlauchboot zu Weihnachten kann man sich sparen - so wie es derzeit aussieht, werden die Hochwasserpegel im Landkreis Coburg bis zum Heiligen Abend sinken. "Derzeit geht der Wasserstand alle zwei Stunden um einen Zentimeter zurück", sagt Friedrich Schubart, Abteilungsleiter für den Landkreis Coburg am Wasserwirtschaftsamt in Kronach.

Am Dienstagvormittag wurden im Itzgrund Höchstwerte von knapp über viereinhalb Metern erreicht. Das sei direkt unter der sogenannten Meldestufe 4 - und damit im Normalbereich. Das Hochwasser an sich sei indes nichts Schlechtes, wie Schubart erklärt: "Es ist etwas ganz Natürliches. Für die Wiesennutzung ist es sogar gut." Dies gelte so lange, wie nichts und niemand zu schaden kommt. Bislang sei das nicht der Fall.

Im Itzgrund war das Hochwasser in den vergangenen Tagen dennoch eine Besonderheit. Normal wird die Staatsstraße Richtung Bodelstadt nämlich bei einem Hochwasser ab 4,30 Meter überflutet. Aber das war diesmal nicht der Fall. Oder kaum. "Nur so viel", sagt Dieter Scherbel (Geschäftsleiter im Kaltenbrunner Rathaus) und zeigt dabei mit Daumen und Zeigefinger einen Abstand von vielleicht zwei Zentimetern auf. Deshalb wurde die Straße nicht einmal gesperrt.

Das gab es noch nie

Auf seiner Suche nach Ursachen für dieses für ihn bislang einmalige Phänomen ist Scherbel auf der Internet-Homepage des Hochwassernachrichtendienstes ( www.hnd.bayern.de ) fündig geworden. "In Coburg und nördlich davon wurde die Meldestufe 1 zu keinem Zeitpunkt überschritten", hat Dieter Scherbel entdeckt. Erst ab dem Pegel Schenkenau (Höchststand: 4,53 am Dienstagvormittag) wurde es kritisch. Das heißt: Das Hochwasser im Itzgrund kam diesmal nicht aus dem Thüringer Wald, sondern über die westlichen Zuflüsse in die Itz. "Und da spielt die Rodach von Seßlach kommend die Hauptrolle", erklärt der Rathaus-Geschäftsleiter.

Insgesamt gesehen, gleichen sich die Einschätzungen von Friedrich Schubart und Dieter Scherbel. Auch im Rathaus der Gemeinde Itzgrund stufte man die Lage in den vergangenen Tagen nämlich als "nicht kritisch" ein. Überschwemmt und damit gesperrt waren damit lediglich die "üblichen Verdächtigen" unter den Straßen im Itzgrund: Gleußen-Schottenstein, Lahm-Hemmendorf sowie die Verbindung der B 4 zum Welsberger Kreisel. Nicht überflutet wurde dagegen die frisch sanierte Staatsstraße zwischen Kaltenbrunn und Untermerzbach. Das wäre allerdings für Dieter Scherbel auch ein Wunder gewesen: "Ich bin jetzt so um die 30 Jahre hier - da konnte man bisher immer fahren."

Alles hängt vom Wetter ab

Im Stadtgebiet Coburg lagen die Pegel der Itz am Dienstag bei 3,4 Metern, bei einem Abfluss von 37 Kubikmetern pro Sekunde. Auch das sei völlig in Ordnung, da die Schutzmaßnahmen in Coburg für wesentlich größere Wassermengen ausgelegt seien.

Im Schönstädtspeicher sind bisher 2,10 Meter angestaut worden, sagt Schubart. Der Zufluss beträgt derzeit noch 16 Kubikmeter pro Sekunde, bei einer Abgabe von zwölf Kubikmetern.

Auch wenn die Aussichten gar nicht so schlecht sind, Vorhersagen lassen sich nur schwer treffen: "Wie sagt man so schön: Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Es hängt alles vom Wetter ab", so Schubart. Da für die kommenden Tage jedoch niedrigere Temperaturen gemeldet sind, geht er davon aus, dass sich die Schneedecke im Thüringer Wald stabilisiert und dadurch weniger Wasser in den Landkreis kommt. "Ich hoffe deshalb, dass wir Weihnachten ohne Hochwasser überstehen."