Nichts wird es, mit einem gemeinsamen Oberzentrum Neustadt und Sonneberg. Zumindest vorerst nicht. Die zuständigen Ministerien haben den Antrag der beiden Städte sowohl in Bayern als auch in Thüringen abgelehnt. Doch für die CDU-Landtagsabgeordnete Beate Meißner aus Thüringen und ihren Kollegen von der der CSU, Jürgen W. Heike, ist das Thema damit noch nicht vom Tisch. Enttäuscht zeigten sich beide dennoch bei einer gestern einberufenen Pressekonferenz.
Das gilt vor allem für Beate Meißner. "Der Ministerpräsident hat noch im Juli vor Zeugen erklärt, dass er die Idee befürwortet", sagt sie und fragt sich, was sie Bodo Ramelow überhaupt noch glauben soll. Doch auch sie gibt die Hoffnung nicht auf. Immerhin heißt es in dem Schreiben, das eigentlich die Absage enthält, auch: "Die Landesregierung teilt Ihre Auffassung, dass sich eine konkrete, länderübergreifende Zusammenarbeit positiv auf die Entwicklung beider Städte auswirken kann." Diese Zusammenarbeit auszubauen, bleibe ein wichtiges Ziel. Dass die Regierung schreibt, es sei nicht erkennbar, wie die Einstufung als gemeinsames Oberzentrum dazu beitragen könne, offenbare allerdings einen erheblichen Mangel an Kenntnis der Situation vor Ort.


Blick rückwärts gerichtet

Die Ablehnung begründet das thüringische Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft übrigens ebenso wie das bayerische Heimatministerium weniger mit einem Blick in die Zukunft als mit einem in die Vergangenheit. Im thüringer Schreiben wird darauf verwiesen, dass Neustadt und Sonneberg 1998 in den beiden Landesentwicklungsplänen als gemeinsames Mittelzentrum eingestuft worden seien. Dazu heißt es: "Da es seitens der Städte nicht zu einer Verwirklichung dieser landesplanerischen Zielstellung kam, wurde diese Regelung später wieder aufgehoben." Im Schreiben des bayerischen Heimatministeriums an Jürgen W. Heike ist der Wortlaut: "Wegen dauerhaft anhaltender Differenzen zwischen den Städten wurde diese gemeinsame Festlegung im LEP 2006 wieder aufgehoben."
Differenzen, die Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) gar nicht bestreitet. Allerdings seien damals darüber hinaus auch die Rahmenbedinungen für beide Städte ganz andere gewesen als heute, sagt er unter anderem mit Blick auf die für Sonneberg damals viel günstigere Förderkulisse im Vergleich zum bayerischen Ex-Grenzland.


Geänderte Voraussetzungen

Heute seien die Voraussetzungen aber eben andere. Die Zusammenarbeit mit Sonnebergs Bürgermeister Heiko Vogt sei ausgezeichnet, die Rahmenbedingungen angeglichen. Wenn sowohl Sonneberg als auch Neustadt von der Ministerialbürokratie bescheinigt werde, dass die Voraussetzungen für eine Anerkennung als Oberzentrum nicht gegeben seien, sei das der falsche Blick, meint Rebhan. "Deswegen haben wir den Antrag ja gemeinsam gestellt", betont er.
Für Jürgen W. Heike war der Griff nach dem Titel Oberzentrum "möglicherweise ein wenig hoch". Er erinnert an eine denkbare Zwischenstufe. "Es gibt die Möglichkeit eines Mittelzenrums mit Teilfunktion eines Oberzentrums", sagt er.
Für Frank Rebhan ist der Titel nicht so wichtig. "Es geht nicht um Eitelkeiten sondern um Möglichkeiten", sagt er. Es gelte grundsätzlich, Wege zu finden, wie eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten erleichtert werden könne, die es ja schon jetzt in vielen Bereichen gibt.


Weiter in kleinen Schritten

Die Annäherung wird aber wohl nun in kleineren Schritten erfolgen müssen als gehofft. Immerhin ist die Gebietsreform in Thüringen, die Sonneberg um den Rang einer Kreisstadt bringen soll, erst einmal auf Eis gelegt. Nach Meißners Einschätzung wird sie sich in dieser Legislaturperiode wohl nicht mehr durchsetzen lassen. Die nächste Landtagswahl im Nachbar-Freistaat findet 2019 statt. Die Angst vor einer Reform hin zu gigantischen Großlandkreisen könnte ein wichtiges Wahlkampfthema sein.