Der Kiebitz hat es bei uns nicht mehr leicht im Coburger Land. Er und die anderen Wiesenbrüter wie die Bekassine, das Braunkehlchen, der Wiesenpieper und der Wachtelkönig sind auch hier stark rückläufig. Aber sie sind noch da. Das, so Alexander Ulmer, Geschäftsführer beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Coburg, zeichnet die Region gegenüber dem größten Teil von Bayern aus - auch wenn es bei all diesen Arten um nur noch wenige Brutpaare geht. Dafür zu sorgen, dass es nicht noch weniger werden, sondern vielleicht wieder mehr, ist Aufgabe von Christian Fischer, der jetzt als neuer Gebietsbetreuer für die Wiesenbrüter vorgestellt wurde.
In Trägerschaft des LBV wird die neue Halbtagsstelle für drei Jahre vom Bayerischen Naturschutzfonds, einer Stiftung des öffentlichen Rechts, finanziert. Seit dem 1. Juli hat Christian Fischer seine Arbeit im Coburger Land aufgenommen. Mit dem Fernglas sucht er zum Beispiel den Itzgrund, die Glender Wiesen und das Gebiet um den Goldbergsee ab, um Wiesenbrüter zu entdecken und im Erfolgsfall mit den betreffenden Landwirten über Nestschutzzonen zu reden, damit diese die Nester schonen.
Dafür kann der Landwirt dann eine Ausfallprämie in Anspruch nehmen. Oder die Wiese kann in ein Förder- und Extensivierungsprogramm aufgenommen werden.


Ansprechpartner für alle

"Als Gebietsbetreuer bin ich Ansprechpartner vor Ort und Schnittstelle zwischen den Behörden, den Landwirten und dem Naturschutz", sagt Christian Fischer. Auch Exkursionen und Führungen für die breite Öffentlichkeit will der 46-jährige anbieten. Der gebürtige Traunsteiner lebt jetzt im Itzgrund und hat zuletzt als freiberuflich tätiger Förster und Ornithologe unsere Vogelwelt schon seit Jahren beobachtet. Jetzt tut er es noch intensiver.
Wie Dr. Norbert Schäffer, LBV-Landesvorsitzender, erklärt, gibt es bayernweit zwischen 40 und 50 Gebietsbetreuer mit jeweils ganz speziellen Aufgaben. "Es ist eine spannende Aufgabe, die in vielen Gebieten in Bayern gut klappt", sagt er.
Es ist auch keine neue Idee. "Gebietsbetreuer gibt es schon sehr lange", sagt Dr. Herbert Rebhan, Leiter des Fachbereichs Naturschutz bei der Regierung von Oberfranken. Im Bezirk sind es mit Christian Fischer nun fünf. Sie kümmern sich um Gebiete im Frankenwald und dem Fichtelgebirge, um einen Bereich bei Forchheim, den Staffelberg und nun eben auch um die Wiesenbrüter im Coburger Land.
Diese Vögel, die in lückigen Feuchtwiesen brüten, haben bei der heute üblichen großflächig einheitlichen Wiesenbewirtschaftung mit den häufigen und frühen Schnitten, mit den Entwässerungen von Nassbereichen, der Insektenarmut, und der auf hohen Mengenertrag ausgerichteten Düngung keinen Platz mehr. So stehen sie heute alle als "vom Aussterben bedroht" auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvogelarten Bayerns und sind aus vielen Gebieten ganz verschwunden.
"1926 werden Vögel wie die Bekassine in der Flora und Fauna von Brückner noch als häufig bis gemein beschrieben", sagt Frank Reißenweber, der Vorsitzende der Kreisgruppe Coburg im LBV. In den letzten 20 bis 30 Jahren sind diese Arten zu seltenen oder vom Aussterben bedroht. Der Vorsitzende des LBV in Bayern, Dr. Norbert Schäffer, betont das hohe Wissen der Ehrenamtlichen. "Es ist unersetzlich und nur zu bekommen, indem jemand wirklich ständig vor Ort ist". Bei 199 Vogelarten, die allein am Goldbergsee nachgewiesen sind, bedürfe es auch ehrenamtlicher Ornithologen, die diese erst einmal kennen. Was heute alles andere als selbstverständlich sei.