Das Ziel war 2008 schon ehrgeizig. Für 47 Prozent aller unter dreijährigen Kinder sollten Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. "Inzwischen wurden durch Neu- und Anbauten sowie durch Umwandlung von Kindergarten- und Krippenplätzen 228 weitere Betreuungsplätze geschaffen", sagt Jugendamtsleiter Reinhold Ehl. Es habe sich ausgezahlt, dass Coburg vor allem auf den Krippenausbau gesetzt hat. Das Ergebnis: Durch die Fertigstellung der integrativen Kindereinrichtung auf der Bertelsdorfer Höhe und die bevorstehende Eröffnung der Waldorf-Kinderkrippe auf dem Callenberg kann Coburg schon bald den Bedarf an Betreuungsplätzen für die unter Dreijährigen voll abdecken - mit 50,6 Prozent. Derzeit sind es bereits 48,2 Prozent.

Noch Puffer nach oben
Grundlage für diese Zahlen ist eine Online-Elternbefragung des Instituts Modus im Auftrag der Stadt. Als Maximalbedarf wurde dort eine Quote von 54,5 Prozent ermittelt. "Das gibt uns einen Puffer nach oben für die zukünftige Entwicklung", stellt Reinhold Ehl fest. Überraschend sei die Entwicklung der Betreuungszeiten, erläutert Manfred Zehe vom Modus-Institut. Lag der Durchschnitt 2008 noch bei 18,6 Stunden pro Woche, so seien es inzwischen 27 Stunden. Zum Vergleich: Bayerischer Durchschnitt sind 23 Wochenstunden.

"Grund dafür sind unter anderem die erweiterten Öffnungszeiten der Kindereinrichtungen. Dadurch war es den Müttern möglich, ihre Arbeitszeit auszubauen", sagt Reinhold Ehl. Darin sieht der Dritte Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) ein deutliches Signal an die Wirtschaft. "Dass die Betreuungsquote in Coburg inzwischen doppelt so hoch ist wie der Bayerndurchschnitt ist gut für den Ruf der Familienstadt."

Wie Manfred Zehe betont, seien die Eltern heute auch bereit, mehr für einen Krippenplatz zu zahlen. Waren es 2008 noch durchschnittlich 154,85 Euro pro Monat, die sie für fünf bis sechs Stunden tägliche Betreuung aufbringen wollten, so seien es heute 193,23 Euro. "Das hat auch damit zu tun, dass durch die nun stärker berufstätigen Mütter auch mehr Geld zur Verfügung steht." Von allen Betreuungsangeboten werden die Krippen mit 55 Prozent am stärksten genutzt. An zweiter Stelle stehen betreuende Verwandte, an dritter Kindergärten, die auch Krippenkinder aufnehmen. Es folgen auf den letzten Plätzen die Tagesmütter und Sonstige (siehe Grafik links).

Mehr Personal ist notwendig
Die Ergebnisse der Elternbefragung stellte Manfred Zehe den Mitgliedern des Jugendhilfesenats vor. Dieter Schwämmlein, Leiter der Erziehungsberatung beim Diakonischen Werk, warnte davor, nur die reine Zahl der Betreuungsplätze zu sehen. "Aus Sicht der Erziehungsberatung muss vor allen an der Qualität noch viel getan werden", warnte er. Es fehle zum Teil noch an Personal, um die Bindungssicherheit der Kinder zu gewährleisten. "Sie sind oft sehr verunsichert, wenn sie in die Einrichtungen kommen. Bindungsstörungen, die dann auftreten können, zeigen sich erst später in der Entwicklung." Stadträtin Monika Ufken (SPD) mahnte, auch die Kinder aus Flüchtlingsfamilien nicht aus dem Blick zu verlieren. Deren Betreuung erfordere eine besondere Qualität und genügend Personal.

Christian Müller (CSB) verwies darauf, dass ein besserer Betreuungsschlüssel höhere Kosten nach sich ziehen werde. "Dann sollten wir auch die Eltern daran beteiligen." Dem widersprach Martina Benzel-Weyh (Grüne): "Wir sollten eine gute Betreuung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig machen."

Thomas Nowak machte darauf aufmerksam, dass die Qualität der Betreuung Bestandteil der Beschlussvorlage zur Senatssitzung ist. Wörtlich heißt es dort: "Da der quantitative Bedarf nun gedeckt ist, gilt ab jetzt das Augenmerk auf die Qualitätsentwicklung und -sicherung der pädagogischen Arbeit in den Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege zu richten."

Für die Befragung des Modus-Instituts wurden 881 Eltern angeschrieben, 342 haben geantwortet. Das sind 38,8 Prozent. Begleitet wurde das Ganze von einem Gewinnspiel. Die Preisträger werden in der nächsten Woche bekanntgegeben.