Davon hätte vor nicht allzu langer Zeit niemand zu träumen gewagt: Nahezu einmütig hat der Kreistag am Donnerstag beschlossen, die "Phase II" des Naturschutz-Großprojektes "Grünes Band" einzuleiten.

Im Klartext: Das "Grüne Band" wird Wirklichkeit, bis zu elf Millionen Euro können in den nächsten zehn Jahren in Naturschutzprojekte in den Landkreisen Coburg, Kronach, Hildburghausen und Sonneberg fließen.

Hinter den Kulissen wurde viel bewegt

Ruhig war es zuletzt, um das enorm umstrittene "Grüne Band". Aber wie sich herausstellte, wurde hinter den Kulissen viel bewegt. Nur so ist es schließlich zu erklären, dass gestern der BBV-Kreisobmann Gerhard Ehrlich (einer der ärgsten Gegner des Großprojektes) fast schon feierlich das Mikrofon ergriff und (s)eine Stellungnahme verlas. Freilich, ein bisschen Kritik wurde darin schon noch laut, an dieser Naturschutzmaßnahme, die für Ehrlich im ihrem Anfangsstadium ein schlicht "verantwortungsloses Ausmaß" hatte. Aber man sei eben aufeinander zugegangen, sagte der CSU/Landvolk-Kreisrat und legte einige Zahlen nach: So wurde das Kerngebiet von weit über 10.000 Hektar auf rund 8200 Hektar reduziert, nahezu alle Flächen für die Umsetzung von Naturschutzprojekten befinden sich im Eigentum von Stiftungen, Verbänden oder der öffentlichen Hand. Für lediglich 105 Hektar müssen noch Verhandlungen zum Ankauf oder der Pacht geführt werden.

Jetzt war auch für Gerhard Ehrlich der Wendepunkt erreicht. Er ließ in seiner Stellungnahme eine kleine Kunstpause und sagte (zur Verblüffung nicht weniger Kreisräte): "Wir können zustimmen." Allerdings geschehe dies auch in dem Wissen, dass es im 114 Seiten umfassenden Projektantrag "noch genügend Konfliktpotenzial" gebe. Aber hier verlasse er sich auf die "vertrauensvollen Gespräche" mit Landrat Michael Busch (SPD) und die Zusagen des Projektmanagements.

Landrat Michael Busch wusste um die Bedeutung des Ehrlich-Statements: "Mir fehlen fast ein bisschen die Worte." Rückblickend auf die vergangenen Jahre mit teils extrem kontroversen Diskussionen und mehreren emotionalen Demonstrationen räumte Busch auch Fehler beim Projektmanagement ein: "Da ist in der Kommunikation einiges schief gelaufen." In der Anfangsphase habe man ja eigentlich gar nicht miteinander geredet.
Eine wichtige Rolle wird in den nächsten Jahren das paritätisch mit Naturschutz-Vertretern und Landwirten besetzte Ankaufsgremium spielen. Für dieses schickte Busch noch einmal ein klares Signal in Richtung der Bauern des Coburger Landes: "Wir können nichts ankaufen, was nicht mehrheitsfähig ist."

Finanziell überschaubar

Das "Grüne Band" hat mit dieser Entscheidung die wichtigste Hürde zur Umsetzung genommen. Wie Michael Busch informierte, hat der Kreistag in Hildburghausen (eine "Hochburg" des Widerstandes) seine Zustimmung erteilt. Die beiden Landkreise, Sonneberg und Kronach, werden in den nächsten Tagen folgen. Finanziell ist das Ja zur "Phase II" für den Landkreis eine vergleichsweise überschaubare Angelegenheit. Angesichts der enorm hohen Zuschussquote muss der Landkreis dem Zweckverband lediglich 230.000 Euro zur Verfügung stellen - auf die kommenden zehn Jahre gerecht. Das macht also nur 23.000 Euro im Jahr.

Gegen die Umsetzung stimmten Heidi Bauersachs, Elke Protzmann und Renate Schubart-Eisenhardt (alle CSU/Landvolk).