Vor zehn Jahren hoben Michael Kobr und Volker Klüpfel ihren Kommissar Kluftinger aus der Taufe. Seither ziehen sie mit dem kauzigen Allgäuer im Gepäck durch die Lande und lesen aus ihren mittlerweile sieben Klufti-Bänden - wobei "lesen" längst nicht mehr zutrifft. Mit einer Mischung aus Comedy, Krimi und Show beweisen die beiden Autoren, dass Lampenfieber ein Fremdwort ist und dass es viel mehr Spaß macht, das Publikum einzubeziehen als ihm einfach nur vorzulesen. Live zu erleben sind die beiden am Donnerstag, 20. März, ab 20 Uhr im Coburger Kongresshaus. Aber Achtung, in der ersten Reihe leben Männer gefährlich...

Arbeiten Sie eigentlich noch in Ihren jeweiligen Berufen (Michael Kobr ist Lehrer, Volker Klüpfel ist Redakteur) oder bleibt mittlerweile nur noch Zeit für Kluftinger?
Michael Kobr: Es bleibt tatsächlich nur noch Zeit für Kluftinger. Aber wir haben ihm gern Platz gemacht.

Kluftinger ist Mitte, Ende 50. Darf er in Ihren Büchern eigentlich altern? Irgendwann müsste er ja sonst auch mal in Rente.
Er altert schon, aber nicht chronologisch, nicht parallel zum Erscheinen der Bücher. Sonst wäre er ja wirklich schon fast in Rente, nachdem er vor zehn Jahren angetreten ist. Sagen wir so: Bei vier Büchern wird er ein Jahr älter. Aber er geht jetzt schon allmählich in einen neuen Lebensabschnitt, denn der Markus, sein Sohn ist jetzt so richtig erwachsen und heiratet...

Sie haben also noch genügend Ideen für weitere Kluftinger-Folgen.
Ja, tatsächlich sind wir immer ein paar Ideen voraus. So zwei, drei Geschichten haben wir noch auf Halde. Die müssen wir auf jeden Fall noch schreiben. Wir werden aber tatsächlich irgendwann nochmal etwas anderes als Klufti wagen - zusätzlich zu Kluftinger natürlich. Der muss schon weiter machen, denn er ist noch längst nicht abgespielt.

Dürfen Sie verraten, was Klufti noch erwartet?
Im neuen Buch geht's ja schon ganz schön privat zu. Da rückt man ihm ordentlich auf die Pelle. Sein Sohn heiratet und die japanische Verwandtschaft...mit der muss er sich auseinandersetzen. Und zwar nicht einfach nur am Telefon oder per Skype, sondern ganz real.

Als es mit Klufti losging, hatten Sie und Volker Klüpfel noch ganz "normale" Lesungen veranstaltet. Heute sind daraus richtige Shows geworden.
Im Laufe der zehn Jahre, die wir das schon machen, hat es sich von der klassischen Lesung, wo der Autor sich an den schwarzen Tisch setzt und sagt: ,ich werde folgende Passagen vorlesen‘ relativ weit entfernt. Uns macht es so auf jeden Fall viel mehr Spaß, weil man einfach mehr agieren kann. Man hat viel mehr Kontakt zum Publikum. Das liegt uns auch mehr. Klar, ab und zu gibt es Situationen, in denen man eine klassische Lesung macht, bei der Buchmesse zum Beispiel. Da ist es dann auch der richtige Rahmen. Es war für uns aber auch eine Frage der Hallengröße. Wenn 700 bis 800 Leute da sind und man sitzt nur am schwarzen Tisch, das passt dann nicht mehr zusammen.

Ihr Co-Autor hatte schon Bühnenerfahrung. Wie ist das bei Ihnen?
Ich hatte jahrelang täglich heftigen Bühnenkontakt (lacht). Wenn man als Lehrer in seiner täglichen Arbeit "Bühnenprogramme" vorbereitet, ist das schon ähnlich. Man muss da auch immer dramatisieren und Spannung aufbauen, um sich die Aufmerksamkeit zu sichern. Von daher war mir das nicht fremd.

Sind Sie tatsächlich der ruhigere oder täuscht der Eindruck?
Nein das täuscht nicht, ich bin schon der Ruhigere. Lampenfieber hab ich aber keines mehr. Das wär' auch schlimm. Vor Premieren ist das natürlich ein bisschen anders. Da ist man angenehm aufgeregt, aber dass man sich groß was denkt, weil man da jetzt vor ein paar Leuten reden muss, das ist nicht so.

Zweieinhalb Stunden dauert Ihr Programm. Muss das Publikum bei Ihnen eigentlich komische Sachen machen oder ist es ungefährlich, sich in die erste Reihe zu setzen?
(lacht) Vööööllig ungefährlich! Bei uns müssen nur Männer, die in der ersten Reihe sitzen, schlimme Sachen machen. Sie können sich also gefahrlos dorthin setzen. Aber soooo penetrant sind wir andererseits auch wieder nicht...

Das Gespräch führte Ulrike Nauer.



Persönlich

Volker Klüpfel ist 1971 in Kempten geboren und in Altusried aufgewachsen. Er hat in Bamberg Politikwissenschaft, Journalistik und Geschichte studiert, arbeitete in der überregionalen Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen. Volker Klüpfel lebt mit seiner Familie in Augsburg.

Michael Kobr ist 1973 in Kempten geboren und dort und in Durach aufgewachsen. Er arbeitete nach dem Staatsexamen an verschiedenen Realschulen in Bayern, momentan aber ist er beurlaubt - um sich dem Schreiben der Romane, den Shows und der Familie widmen zu können. Kobr wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Allgäu.

Kluftinger-Reihe
Milchgeld (2003), Erntedank (2004), Seegrund (2006), Laienspiel (2008), Rauhnacht (2009), Schutzpatron (2011) und Herzblut (2013).

Eintrittskarten für die Show am Donnerstag, 20. März, 20 Uhr, im Kongresshaus, gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle, Hindenburgstraße 3a.