Es gab sie mit Sicherheit schon vor 1484. Aber aus diesem Jahr ist die erste Abrechnung über Coburger Bratwürste überliefert. Und weil sie schon seit mindestens 500 Jahren nach traditionellem Rezept hergestellt wird, ist nicht nur Joachim Grosch, der Sprecher der Coburger Marktkaufleute und Bratwurstbrater, davon überzeugt, dass die Coburger Bratwurst in die erste Reihe lokaler Kulturgüter gehört.

Nun hat leider das Traditionsrezept in Verbindung mit der traditionellen Zubereitungsmethode dafür gesorgt, dass Bratwürste unter Umständen zu viel Benzoapyren enthalten können. Dieser Stoff entsteht beim Räuchern von Fett und gilt als krebserregend. "Wir versuchen alles, um die Grenzwerte einzuhalten", betont Joachim Grosch. Da würden die Coburger Bratwurstbrater eng mit dem Landesamt für Lebensmittelsicherheit zusammenarbeiten und nach einer schadstoffarmen Zubereitungsmethode suchen. "Aber es ist noch nicht abgeschlossen."

Am Sonntag jedenfalls quoll der Rauch der Kiefernzapfen - der "Kühle" - wie in früheren Zeiten aus den seitlichen Fenstern der Holzbratwurstbude am Albertsplatz. Etwas altertümlich im Bild, aber"hygienisch einwandfrei", wie Grosch betonte: Staubfreier Boden, Handwaschbecken, Feuerlöscher - alles da, was die Hygienevorschriften verlangen. Drinnen blies Renate Wolf mit dem roten Blasebalg Luft in die Glut, Claudia Erbe brachte die Würste im Schleißdarm an den Mann und musste sich nie Sorgen machen, ob es denn zu viele seien: Die Schlange riss einfach nicht ab.

Das Kontrastprogramm zur handfesten Coburger Bratwurst lieferte die Buchhandlung Rieman mit Niklaus Scheibli und Thomas Apfel. Die beiden lasen Apfelgedichte, die Kunden der Buchhandlung abgeschrieben oder selbst gedichtet hatten.

Das alles vor großer Kulisse: Von der Ketschengasse bis in den Steinweg war die Stadt voller Menschen. Dass viel los war, nutzte nicht nur die Rettungshundestaffel des ASB zum Spendensammeln. Die Thermalbäder in Bad Rodach und Staffelstein waren genauso mit Werbeständen vertreten wie der Coburger Tourismusbetrieb. Am Ende des Tages konnte Citymanagerin Julika Gerlach eine zufriedene erste Bilanz ziehen: Bis aus dem Raum Bamberg waren die Besucher gekommen.