Nebel wallen, Schwerter klirren, literweise fließt das Theaterblut, wenn böse und gute Mächte gegeneinander kämpfen. Mit einem Bühnenspektakel eröffnet das Landestheater Coburg den Premierenreigen dieser Saison im Großen Haus. Auf dem Programm: Henry Purcells "King Arthur".


Der Untertitel verspricht eine "Semi-Opera" - doch gemeint ist damit ganz gewiss keine halbe Oper, sondern eine Verbindung aus Schauspiel, Musiktheater und Ballett samt Fechtchoreografie, die den Begriff Gesamtkunstwerk ganz neu definiert und sogar raffinierte Videoeffekte klug einbezieht.


Gute und böse Zauberer, Luftgeister und grimmige Recken, Schäfer und Priester - das ganze Personal barocker Bühnenfiguren bietet Purcells Librettist John Dryden in seinem "King Arthur" auf. Chor und Ballett, Sänger und Schauspieler - viele Akteure bevölkern an diesem Abend die eigentlich recht enge Bühne. Coburgs Schauspieldirektor Matthias Straub aber beweist, dass er genau mit dieser Herausforderung bestens umgehen kann. Mit "Blues Brothers" und "Tombstone" hat Straub bereits mehrfach sehr erfolgreich demonstriert, dass er im traditionsreichen Musentempel am Schlossplatz der Mann für das versiert in Szene gesetzte Spektakel ist.

Lebende Bilder

In seiner Deutung kehrt er ganz ungeniert den Revue-Charakter des Werkes heraus. In diesem "King Arthur" geht es nicht darum, die Rollen psychologisch zu durchleuchten oder dramaturgisch glaubwürdig erscheinen zu lassen. Matthias Straub spielt vielmehr munter auf der Klaviatur der Theatereffekte, lässt die Drehbühne eifrig rotieren und hält die Hubpodien fast ständig in Bewegung. Vor allem aber beweist er sein Geschick, die Massenszenen regelrecht zu lebenden Bildern zu arrangieren und zu verdichten. Dass er bisweilen auch keine Scheu davor hat, an der Grenze zur Klamotte zu balancieren, schadet der Wirkung beim Publikum offenkundig überhaupt nicht.

Gabriele Wasmuth, die bereits mehrfach am Landestheater gastierte, hat für dieses Spektakel die perfekt passende Ausstattung geschaffen. Sie spielt stilsicher mit den Attributen barocker Kostüme und arrangiert einige wenige Versatzstücke souverän zu immer neuen Bildern.

Musikalisches Zentrum des Abends: Lorenzo Da Rio. Als Kapellmeister behält Coburgs Chordirektor jederzeit den Überblick und zeigt sicheres Stilgefühl am Dirigentenpult. Unter seiner Leitung demonstriert das Philharmonische Orchester, dass sich auch auf modernen Instrumenten wichtige Aspekte der sogenannten historischen Aufführungspraxis überzeugend umsetzen lassen. Der Klang ist klar konturiert und fein differenziert in der Artikulation. Kammermusikalisch transparent oder kraftvoll festlich - das Orchester entfaltet Purcell Partitur bemerkenswert facettenreich.

Ausgefeilte Fechtszenen

Außergewöhnliches leistet der bestens einstudierte Chor des Landestheaters - darstellerisch wie sängerisch. Das Solistenensemble überzeugt in vielen wechselnden Rollen durch beachtliche Stilsicherheit im barocken Genre - besonders nachdrücklich der neu engagierte junge finnische Bassbariton Tapani Plathan in der berühmten Frost-Arie. In der Choreografie von Tara Yipp belebt das Ballett des Landestheaters viele Szenen tänzerisch wie darstellerisch.

Auch für das Schauspielensemble hält dieser "King Arthur" neben pathetischem Deklamieren einige interessante Herausforderungen parat, die sich durchaus auch in sportlicher Hinsicht als ambitioniert beschreiben lassen.
So beeindrucken Frederik Leberle in der Titelrolle als König Arthur und Nils Liebscher als Sachsen-König Oswald bei ausgefeilten Fechtszenen (Choreografie: Jochen Schmidtke und Jean-Loup Fourure). Gebannt folgt das Publikum im gut gefüllten, aber keineswegs ausverkauften Landestheater diesem barocken Gesamtkunstwerk und spart am Ende verdientermaßen nicht mit Bravo-Rufen.


"King Arthur" auf der Bühne des Landestheaters


Termine "King Arthur" - Semi-Opera von Henry Purcell und John Dryden; 3. Oktober, 19.30 Uhr, 5. Oktober, 15 Uhr; 10., 11., 16., 19., Oktober, 13., 19., 28. November, 2. Dezember, 10. Dezember, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg

Das Werk Als großes Spektakel zur Herrscherhuldigung schufen der Dramatiker John Dryden und der Komponist Henry Purcell die 1691 im Londoner Dorset Garden uraufgeführte Semi-Opera "King Arthur". Der pralle Bühnenzauber erwies sich im England der Barockzeit als Publikumsmagnet.

Produktions-Team
Musikalische Leitung und Chor: Lorenzo Da Rio; Inszenierung: Matthias Straub; Bühnenbild und Kostüme: Gabriele Wasmuth; Choreografie: Tara Yipp; Kampfchoreografie: Jochen Schmidtke, Jean-Loup Fourure; Dramaturgie: Renate Liedtke

Besetzung Arthur, König der Briten Frederik Leberle
Merlin, ein Zauberer Harald Schröpfer
Aurelius, Arthurs Freund Oliver Baesler
Albanact Ingo Paulick
Emmeline Anne Rieckhof
3 Matildas, Emmelines Dienerinnen Eriko Ampuku, Chih-Lin Chan,
Emily Downs
Oswald, König von Kent, Sachse Nils Liebscher
Osmond, ein sächsischer Zauberer Thorsten Köhler
Grimbald, ein Erdgeist Vincent Wojdacki
Philidel, ein Luftgeist Sandrina Nitschke
1. Luftgeist/She/Nereide/1. Schäferin/1. Sirene/Honour Julia Klein
Cupido/2. Luftgeist/4. Priester/2. Schäferin/
2. Sirene/Venus/Nymphe Ana Cvetkovic
3. Luftgeist/3. Priester Kora Pavelic
4. Luftgeist/2. Priester/Ein Herold/Schäfer José Manuel
5. Luftgeist/Grimbalds Geist/He/Aeolus/Comus Jiří Rajniš
1. Priester/Cold Genius/Pan Tapani Plathan
Chor des Landestheaters
Ballett Coburg
Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg