Der Schock beim Hersteller Hauck im fränkischen Sonnefeld sitzt tief. "Eine ganz, ganz schwierige Geschichte", gibt Produktentwickler Matthias Kirstein zu. Das Modell "Varioguard" hatte Tage zuvor im Test von ADAC und Stiftung Warentest mit mangelhaft abgeschnitten. Den Crashtest mit Tempo 64 hat der Kindersitz nicht bestanden. Beim Aufprall brach der Sitz aus seiner Basis, die Hartschale hielt den Kräften nicht stand, der rund 14 Kilo schwere Dummy schleuderte aus dem Sitz.

Matthias Kirstein erklärt im Gespräch mit inFranken.de, wie es so weit kommen konnte: "Der Varioguard ist optimiert für die Befestigung mit dem Isofix-Standard." Isofix ist ein besonders sicheres Befestigungssystem für Kindersitze. Eine starre Verbindung zwischen Karosserie und Kindersitz garantiert mit zwei Haltebügeln einfache Bedienung und größtmögliche Sicherheit. Nahezu jedes moderne Auto ist mit dem Isofix-Standard ausgestattet.

"Beim Test mit Isofix gab es beim Varioguard keinerlei Beanstandungen. Allerdings kann unser Sitz bei älteren Autos auch mit dem Drei-Punkt-Gurt befestigt werden. Hier sind Probleme aufgetreten", sagt Kristein. Firmeneigene Test mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 50 km/h habe der Varioguard stets zuverlässig gemeistert. Die Prüfung mit 50 km/h ergibt sich durch die aktuell gültige ECE-Richtlinie 44/04 für Kindersitze.

Um die Straßenzulassung vom Gesetzgeber zu erhalten, müssen alle Kindersitze verschiedene Unfallsimulationen bestehen, darunter der Frontalaufprall mit einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h sowie einen Heckaufprall mit einer Geschwindigkeit von rund 30 km/h. ADAC und Stiftung Warentest hatten jedoch mit 64 km/h getestet.


Hersteller reagiert umgehend

Für besorgte Eltern und Besitzer des Varioguard, die diesen mit der Drei-Punkt-Gurt-Variante in ihrem Auto befestigt haben, bietet die Firma Hauck Nachbesserung an. "Wir stehen für Kindersicherheit und möchten nicht, dass sich unsere Kunden Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder machen müssen", bekräftigt Kirstein. Das geht auch aus der offiziellen Stellungnahme des Unternehmens hervor.

Die Firma Hauck bietet betroffenen Kunden eine kostenfreie Nachbesserung durch ein gesondertes Sicherheitskit. Ein zusätzlicher Gurt zur Fixierung bei der Einbauvariante mit Drei-Punkt-Gurt stärkt die Basis und soll die Sicherheit im Falle einer Frontalkollision auch bei Aufprallgeschwindigkeiten über 50 km/h sicherstellen. Kunden, die den Varioguard mit Drei-Punkt-Gurt-Befestigung betreiben, können sich zwecks Nachbesserung hier an die Firma wenden.