Am Anfang war ein Maßband. 1,50 Meter lang und auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches. Doch für die Kinder im Caritas Kinderhaus Leo begann damit die Vermessung der Welt. Denn das Maßband weckte nicht nur ihre Neugier - "Wie groß bin ich eigentlich?" - der Wissensdrang der Kinder und der Spaß am Forschen kannte vom Tag an keine Grenzen mehr.
Nachdem Greta überzeugt war, dass ihr Papa der größte Papa im Kindergarten ist, wurden nämlich auch alle Väter vermessen, dann die Erzieherinnen und schließlich die Welt drinnen und draußen: Den Eckardtsturm und das Amphitheater, die Hennebergher Warte in Bad Rodach. Stufen, Höhenmeter, Sitzplätze - alles wurde dokumentiert.

Mit dem Projekt bewarb sich das Kinderhaus beim Wettbewerb "Forschergeist 2018" und wurde prompt Landessieger. Am Mittwoch fand die Preisverleihung statt und die Kinder präsentierten ihr Forscherprojekt unter der Leitung von Erzieherin Anne Reß.
Bei der Firma Waldrich in Coburg durften die Kinder eine raumgroße Vermessungsmaschine bedienen, im Vermessungsamt der Stadt Coburg lernten sie, dass es "immer einen Tachymeter und einen Spiegel braucht, um etwas zu messen." (Mathea)
Ob Messschieber, Messschnabel, Zollstock, Wasserwaage oder rechter Winkel, für die kleinen Leos sind das mittlerweile gängige Begriffe, die sie bei der Präsentation anschaulich erklärten.
In seinem Grußwort betonte Markus Gruber, Ministerialdirektor im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, die wichtige Rolle früher MINT-Bildung für Bayern: "Gemeinsam Natur und Technik erforschen, sich spielerisch Mathematik oder Physik annähern, erst gar keine Berührungsängste mit den Naturwissenschaften aufkommen lassen - all das können Erzieherinnen und Erzieher erreichen, wenn sie den Forschergeist in den Kindern wecken. Denn Kinder haben schon von klein auf Fragen zu ihrer Umgebung, der Natur und ihren Abläufen oder technischen Geräten."
Jutta Moschner, Teamleiterin der Stiftung "Haus der kleinen Forscher, gratulierte den pädagogischen Fachkräften für ihre gelungene Bildungsarbeit und verkündete, warum das Projekt die Jury überzeugen konnte: "Ein Kindergarten vermisst die ganze (eigene) Welt: Gewicht und Länge, Umfang und Inhalt, Zeit und Raum. Das Projekt hat sich sehr spannend entwickelt: von einfachem Messen bis zur Exkursion beim Vermessungsamt."
"Wer hätte gedacht, dass Kita-Kinder schon so viel mit vermeintlich komplizierten Messgeräten anfangen können? Während des Projekts ist es den Mädchen und Jungen gelungen, selbst nach Lösungen zu suchen, sie haben sich getraut, eigene Behauptungen aufzustellen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. So findet lebensnahes Lernen statt!", sagte Kita-Leiterin Stephanie Beck. Projektleiterin Anne Reß sprach von einer großen Wertschätzung, die die Kinder bei der Firma Waldrich erfahren hätten: "Sie durften diese riesige Maschine steuern, was sonst nur Erwachsene können. So etwas bleibt im Herzen hängen!" Individuelles Lernen, eigenverantwortliche Aufgaben, wie das Vermessen des Wachstums einer Amaryllis, mache nachhaltige Bildung aus. "Wenn wir es schaffen, dass das Wissen vom Kopf ins Herz wandert, darf man das Herzensbildung nennen", formuliert sie ihren leidenschaftlichen Anspruch.
"Schon lange bilden sich die pädagogischen Fachkräfte der Einrichtung in den MINT-Fortbildungen weiter, die wir als lokaler Partner der Stiftung ,Haus der kleinen Forscher' Coburg anbieten. Wir freuen uns mit der Kita, dass sich das Engagement nun ausgezahlt hat", sagte Coburgs dritter Bürgermeister Thomas Nowak. Die Stadt und der Landkreis Coburg sind lokaler Netzwerkpartner der Stiftung "Haus der kleinen Forscher".
Mit zwei knallenden Konfettiraketen ging es schließlich zur Preisverleihung. Steffi Beck machte mit dem gläsernen "Forschergeist" die Runde bei den Kindern, die ihn alle wenigstens einmal berühren wollten.
Die Kita erhält ein Preisgeld in Höhe von 2000 Euro zur Förderung der Qualität der mathematischen, informatischen, naturwissenschaftlichen oder technischen Bildungsarbeit. Als Landessieger hat das Caritas Kinderhaus LEO nun zudem die Chance, einer von fünf Bundessiegern zu werden, die am 6. Juni in Berlin bekannt gegeben und geehrt werden. Jeder Bundessieger erhält zusätzlich 3000 Euro.