22 Mitglieder wird die künftige SPD-Fraktion im Landtag haben. Das sind 20 weniger als bisher. Ein Neuling wird zumindest dabei sein: Michael Busch aus Friesendorf (Landkreis Coburg), angetreten im Stimmkreis Coburg.

Das ergab sich am Montag, als feststand, dass die SPD in Oberfranken ein Ausgleichsmandat erhält. Dann hieß es warten: Die Erst- und Zweitstimmen jedes Listenbewerbers werden addiert; nach dieser Stimmenzahl ergibt sich dann die Reihung auf der Liste (mehr dazu in der Infobox). Aber schon am Nachmittag zeichnete sich ab, dass Busch der dritte Listenplatz nicht mehr zu nehmen sein würde.

"Wenn es nun über die Liste funktioniert, hat es sich für meine Mitstreiter gelohnt", sagte Busch. Er selbst verspüre "keine überschäumende Freude, in einer halbierten Fraktion zu sitzen". Aber ablehnen werde er das Mandat nicht. "Ich habe mich beworben, und ich nehme das Amt selbstverständlich an."

Geheimer Wunschnachfolger

Dafür gibt er nach zehn Jahren das Amt des Landrats ab. Sobald sich der Landtag konstituiert (voraussichtlich am 5. November) ist Busch nicht mehr Landrat. Innerhalb von drei Monaten muss dann neu gewählt werden. Er habe einen Wunschkandidaten für seine Nachfolge, sagte Busch am Montag. "Aber welchen, sage ich erst, wenn wir uns abgestimmt haben." Bislang sei es ihm und den drei anderen Beteiligten gelungen, das Thema "ein halbes Jahr unter der Decke zu halten".

Dass schon offen darüber spekuliert wird, der Neustadter Oberbürgermeister und Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Frank Rebhan, könne Landratskandidat werden, "haben wir weder dementiert noch kommentiert", betonte Busch. "Solche Spekulationen müssen zwangsläufig kommen. Es gibt ja noch andere, über die spekuliert wird."

Wenn, werde der Kreisvorstand der SPD bekannt geben, welchen Kandidaten er der Delegiertenversammlung vorschlagen werde, betonte Busch. Der Kreisvorstand trifft sich nach Aussage von Vorsitzendem Carsten Höllein am Donnerstagabend. Das bedeute aber noch nicht, dass am Freitag ein Name verkündet werde, wiegelte Höllein gestern auf Nachfrage ab. "Vielleicht bilden wir auch erst eine Kommission."

Taktieren in der K-Frage

Höllein müsste nach Lage der Dinge gleich zwei Wahlkämpfe organisieren: Den für den Landratskandidaten und den für den SPD-Bewerber um das Amt des Seßlacher Bürgermeisters, denn dort ist Höllein Ortsvorsitzender. Ob er bei einer der beiden Wahlen antritt, sei noch offen, betont er. Gerade in Seßlach will die SPD die Kandidatenfrage offenbar erst beantworten, wenn sich die anderen Parteien erklärt haben. Die CSU hat bereits angekündigt, erst am 27. Oktober eine Klausurtagung deshalb abzuhalten.

Schuld ist der Bund

Einig sind sich Höllein und Busch darin, dass die Bundespolitik sich aufs Wahlergebnis ausgewirkt hat. "Das haben wir doch an den Infoständen gemerkt", sagt Busch. "Landtags- und Bundestagswahlen sind keine Persönlichkeitswahlen", sagt Höllein und verweist auf frühere Wahlergebnisse: Auch ein Bundestagskandidat Norbert Tessmer sei gegen den CSU-Bewerber Hans Michelbach in der Stadt Coburg unterlegen.

Gegen diese Parteipräferenzen komme man schwer an, sagt Höllein: "Wenn wir einen anderen Kandidaten gehabt hätten, hätten wir noch schlechter abgeschnitten."