Das schönste Geschenk für Gerhard Deutschmann braucht kein Geschenkpapier. Das schönste Geburtstagsgeschenk für den in Ahorn lebenden Komponisten ist die eigene Musik. Das Konzert, das der Kammerchor Coburg am Samstag (17 Uhr) in St. Augustin exakt an Deutschmanns 80. Geburtstag gibt, ist jedenfalls ganz ausdrücklich als Geburtstagspräsent gedacht - einige Uraufführungen inklusive. Schließlich verbindet Leopold Schindler, den Gründer und Leiter des Kammerchors, eine jahrelange Zusammenarbeit mit Gerhard Deutschmann. Von Anfang an bilden Werke Deutschmanns einen Eckpfeiler im Repertoire des Kammerchors.


Kantate "La Musica" war ein regelrechter Hit


Das ist gewiss kein Zufall. Schließlich finden Deutschmanns Chorsätze dank ihrer guten Sangbarkeit viel Anklang bei Chören - nicht nur in der Region Coburg. Selbst die renommierten "Windsbacher" haben schon Musik von Deutschmann gesungen. Und seine Kantate "La Musica", mit der er 1975 einen renommierten Preis in Barcelona gewann, war viele Jahre lang ein regelrechter Hit - nicht nur bei diversen Veranstaltungen des Deutschen Sängerbundes.

Immer gute Förderer gehabt

Die Musik ist von jeher nicht nur Wegbegleiter, sondern - im Rückblick betrachtet - auch Wegweiser im Leben Gerhard Deutschmanns gewesen. Sie hat schon dem Flüchtlingsjungen Orientierung gegeben. "Musik war von Anfang an meine Leidenschaft", sagt Deutschmann, der lange Jahre als Musiklehrer an Coburger Gymnasien wirkte, und fügt hinzu: "Ich habe immer gute Förderer gehabt." Allen voran: Karl Hunger. Der Kirchenmusikdirektor wurde zur prägenden Gestalt für den 15-jährigen Gerhard Deutschmann, als die auf der Flucht versprengte, erst drei Jahre später wieder vereinte Familie 1948 schließlich nach Markt Berolzheim übersiedelt. "Karl Hunger hat mich kostenlos unterrichtet, weil ich ein armes Flüchtlingskind war", erinnert sich Deutschmann: "Ihm habe ich am meisten zu verdanken."


Irrfahrten kreuz und quer durch Deutschland und Österreich


1948 - da lagen aufreibende Jahre der Flucht hinter dem musikbegeisterten Knaben, Irrfahrten von Königsberg in Preußen kreuz und quer durch Deutschland und Österreich. Die Schul- und Studienzeit in München hat Deutschmann geprägt. Für Opernkarten hat sich der zwölfjährige Schüler, der damals in einem Kinderheim der Inneren Mission lebte, schon in der Nacht vor der Vorverkaufsstelle angestellt.


Bekenntnis zur Tradition


Als Komponist bekennt sich Deutschmann unerschütterlich zur Tradition. "Ich bin noch - oder schon wieder - Romantiker", sagt er über sich selbst. Die grenzenlose Freiheit der Avantgarde verstand er nie als Versuchung, sondern als grenzenlose Beliebigkeit. Deutschmann hielt sich lieber an bewunderte Vorbilder der Vergangenheit - vom verehrten Johann Sebastian Bach bis zu den Impressionisten.



Dennoch war er immer auch an den Entwicklungen der modernen Musik interessiert, interpretierte als Dirigent beispielsweise Frank Martins Oratorium "In terra pax" 1972 mit dem Konzertchor Coburg, den er 15 Jahre lang leitete. Einen freundlichen Brief des Komponisten bewahrt Deutschmann noch heute in seiner exquisiten kleinen Autogramm- und Autographen-Sammlung auf.


Darin findet sich auch ein Telegramm Frank Martins, dass dieser just zum Tag der Aufführung nach Coburg schickte: "In Gedanken mit Ihnen recht herzliche Grüße und Wünsche allen Ausführenden von ,In terra pax'". Zu den Konstanten in Deutschmanns Leben zählt seine Arbeit als Musikkritiker. Seit einem halben Jahrhundert begleitet er für das "Tageblatt" das reichhaltige Musikleben Coburgs.

Uraufführungen in Vorbereitung

Von Anfang an ist der Komponist Deutschmann ganz bewusst ein Pragmatiker. Seine Maxime: "Ich will Musik schreiben, die auch von Laien gespielt werden kann." Das schließt freilich anspruchsvolle Aufgaben für Solisten keineswegs aus. Seine Werke sind meist als Auftragswerke entstanden - für bestimmte Ensembles, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet wie das "Collegium musicum" der Coburger "Musikfreunde", oder für bestimmte Solisten.
Das gilt auch für die jüngsten Werke, die allesamt noch der Uraufführung harren. Dazu zählt ein Doppelkonzert für Violine und Violoncello, das für die Geigerin Birgit-Thorgerd Müller und den Cellisten Milos Mlejnik entstand.



Den Orchesterpart der Uraufführung wird wiederum das "Collegium musicum" übernehmen, das bereits viele Deutschmann-Werke uraufgeführt hat: "Ich bin fast so etwas wie der Hauskomponist beim Collegium."


2. Sinfonie wartet auf die Uraufführung


Stichwort Uraufführung: Aus der Taufe zu heben ist auch noch die viersätzig angelegte 2. Sinfonie, die zwischen 2008 und 2011 entstand und auf einen Interpreten wartet.



Aus dem Leben eines Komponisten

Lebenslauf
- 1933: am 4. Mai in Königsberg/Preußen geboren
- 1951: Beginn des Schulmusikstudiums in München
- 1958: Studienassessor am Gymnasium Ernestinum Coburg, 1966 Wechsel ans Gymnasium Albertinum (bis 1996)
- 1963: Beginn seiner Tätigkeit als Musikkritiker beim Coburger Tageblatt
- 1969: Chorleiter des Konzertchors Coburger Sängerkranz (bis 1983 zahlreiche Oratorienkonzerte unter seiner Leitung; 1984 Ernennung zum Ehrenchorleiter)
- 1983: Uraufführung "Coburger Te Deum", Plakette "Die Stadt Coburg dankt" in Silber
- 1993: Uraufführung von Deutschmanns "Sinfonie in E"
- 2008: Uraufführung des Orchesterwerks "Evocation" im Landestheater (17. März)

Verlegte Kompositionen In etwa 20 Verlagen sind zahlreiche Werke erschienen, darunter viele Chor- und Instrumentalwerke (seit 1997: Wolfgang G. Haas-Verlag).

Auszeichnungen Wiederholt gehörte Deutschmann zu den Preisträgern des "Valentin-Becker-Wettbewerbs". Mit "La Musica" gewann er 1975 den 1. Preis beim Kompositionswettbewerb in Barcelona.

Konzert-Tipp Kammerchor Coburg, Leitung: Leopold Schindler, Nele Gramß (Gesang), Attila Gergely (Violine), Thomas Meyer (Orgel), Hornquartett Cordial, 4. Mai, 17 Uhr