Als Vorstandsvorsitzender der Milchwerke Oberfranken West ist Harald Reblitz mit der geschäftlichen Entwicklung zufrieden. "Das gesetzte Ziel betreffend der Stärkung des Eigenkapitals in Verbindung mit einer überdurchschnittlichen Auszahlungsleistung an unsere Milchlieferanten konnte 2017 wieder erreicht werden", sagte er bei der Vollversammlung der Werke.
Gleichzeitig wurden im Geschäftsjahr 2017 auch Investitionen im Wert von 3,5 Millionen Euro getätigt. Dabei ging es vor allem um Schneide- und Abpackanlagen. Die Großinvestition in ein eigenes Hochregallager ist bereits abgeschlossen.
Ein Lager, das, wie Geschäftsführender Direktor Ludwig Weiß betonte, für das Unternehmen von größten Wert ist. Zum einen konnten damit Transportkosten zu externen Lagern in erheblichem Umfang eingespart werden. Gleichzeitig sanken die Zahlen an Warenverlusten durch Transportschäden. Vor allem aber nutzt Weiß das Lager, um auf Preisschwankungen am Markt zu reagieren und seine Waren gezielt zu günstigen Zeitpunkten auf den Markt zu bringen.
Bei der Zusammenstellung des Sortiments hat der Direktor ständig das Ohr am Puls des Marktes, wie Harald Reblitz lobte. So wird das Sortiment ständig nicht nur der Nachfrage angepasst, sonder es wird auch darauf reagiert, wie die abnehmenden Märkte ihre Preispolitik gestalten. Wenn etwa Käse mit hohem Fettanteil im Preis gedrückt wird, sinkt die mögliche Gewinnspanne für die Milchwerke und die Herstellung wird unattraktiv.


Grillkäse als Renner

Sehr attraktiv ist zurzeit die Produktion von speziellen Angeboten wie Grillkäse, erklärte Weiß. Daneben besteht hohe Nachfrage nach geriebenem Käse, während Sorten wie etwa manche Weichkäse, die noch vor kurzem gute Gewinne versprachen, jetzt nicht mehr zu den Zugpferden im Wiesenfelder Sortiment gehören. Steigend ist die Nachfrage nach Bioprodukten aller Art - nicht nur in Deutschland
Neben dem Sortenmanagement gilt es auch stets nach Abnehmern in der ganzen Welt zu suchen. Dabei entwickelt sich gerade der US-amerikanische Markt für die Milchwerke sehr gut. "Die Transportkosten spielen dabei keine Rolle", zerstreute Weiß mögliche Bedenken. Im Gegenteil. Bei kleinen Abnahmemengen im Inland können die Transportkosten weit über denen liegen, die für eine große Frachtladung in Richtung Übersee anfallen.


Weltmarkt im Blick

Gerade weil die Milchwerke große Mengen ihrer Produkte ins Ausland verkaufen, muss sie der Weltmarkt für Milchprodukte ständig interessieren. Hier spricht Ludwig Weiß von einem fortgesetzten Wachstum der weltweiten Milcherzeugung. Die Gesamtproduktion 2017 werde auf 833,5 Millionen Tonnen geschätzt, sagte er. Das entspricht einem Anstieg um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hauptproduzent ist dabei Indien, dessen Produktionsmenge sogar um vier Prozent auf 169 Millionen Tonnen gesteigert wurde. Überhaupt geht der Anstieg vor allem auf die Milcherzeugung in Asien zurück.


Wachstum bei Bio

Bei den Milchwerken Oberfranken West verringerte sich die Milcherzeugung im konventionellen Bereich um 4,74 Prozent. Im Biobereich erfolgte aber ein Anstieg um 15,7 Prozent und der Markt verträgt laut Weiß noch eine weitere Steigerung in diesem Segment. Insgesamt sank dennoch die angenommene Milchmenge um 2,43 Prozent auf 414 Millionen Kilo. Der Käseabsatz steigerte sich dennoch gleichzeitig um 1244 Tonnen und brachte Verkaufserlöse ein, die den Umsatz um 18,54 Prozent auf 255 Millionen Euro klettern ließen. Mit zu diesem Erfolg beigetragen hat die Sahne, die Weiß als "Koppelprodukt" bezeichnet.
Der Milchpreis, den die Werke ihren Lieferanten, den Landwirten, zahlen konnten lag im vergangenen Geschäftsjahr wie schon in den Vorjahren stets über dem bundesweiten Durchschnitt. Bei Werten von 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß lag der mittlere Preis bei 39,87 Cent je Kilogramm. Weiß gab als Ziel für diese Jahr aus, zumindest wieder einen Durchschnittspreis von 35 Cent je Kilogramm zu erreichen.


Vorsichtige Prognose

Für das laufende Jahr sieht Ludwig Weiß eine weiter steigende Milchproduktion auf dem Weltmarkt. Vor allem in Nordamerika und Asien werde mit Hochdruck produziert. Gleichzeitig gibt es hohe Lagerbestände bei Magermilchpulver auch in Europa. Saisonbedingt werden auch bei uns die Milchmengen auf dem markt steigen, ist der Direktor überzeugt. Dadurch könne Marktdruck entstehen. Dagegen werden die hohen Preise von Butter und Sahne den Markt stützen.
Die Milchwerke wollen in diesem Jahr ein Blockheizkraftwerk in Betrieb nehmen, das seit 2017 geplant ist.