Das Akkordeon ist ein Instrument mit vielen künstlerischen Ausdrucksdruckmöglichkeiten. In der öffentlichen Wertschätzung aber leidet es bis heute unter Vorurteilen, die gerne ungeprüft tradiert werden. Noch immer wird das Akkordeon unbedacht auch als "Schifferklavier" tituliert - ein Schimpfwort, findet Dagmar Weiß, die seit vielen Jahren Akkordeon unterrichtet. Mit großem Erfolg. Henrik Letzer, einer ihrer Schüler, hat erst vor wenigen Wochen beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" in Coburg einen ersten Preis mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb errungen, der Ende März in Cham ausgetragen wird. Bereits Anfang März aber nimmt das 15-jährige Talent in Klingenthal an den "Kleinen Tagen der Harmonika" teil.

Wie bist Du zum Akkordeon gekommen? Seit wann spielst Du dieses Instrument?
Henrik Letzer: An der Musikschule im Kreis Erbach in Hessen habe ich mit sieben Jahren zunächst mit Keyboard angefangen, fand das aber bald langweilig. Weil mein Keyboard-Lehrer jedoch eigentlich Akkordeon-Lehrer war, hat er mir vorgeschlagen, es doch einfach mal mit dem Akkordeon zu versuchen.

Und was reizt Dich am Akkordeon im Vergleich zu anderen Instrumenten?
Henrik Letzer: Es hat viele verschiedene Klangfacetten durch die Registrierungen. Im Grunde kann man auf dem Akkordeon alles spielen.

Im Vergleich mit dem Klavier hat es das Akkordeon oft schwer in der öffentlichen Wahrnehmung. Ist das gerecht?
Henrik Letzer: Ich bin der Meinung, das sind absolut gleichwertige Instrumente.
Dagmar Weiß: Das Akkorden wird ja leider immer noch gerne als "Schifferklavier" bezeichnet. Ich hasse das Wort. Das Akkordeon wurde immer weiterentwickelt und ist mittlerweile ein vollwertiges Instrument, mit dem man sogar Kammermusik machen kann. Das ist nur noch nicht so bekannt.

Wie oft und wie lange übst Du?
Henrik Letzer: Jeden Tag - wenn es geht. Rund eine Stunde.

Und was machst Du, wenn Du mal keine Lust zum Üben hast?
Henrik Letzer: Keine Lust zum Üben - das kommt selten vor. Ich habe feste Zeiten zum Üben, da denke ich eigentlich gar nicht mehr drüber nach.

Bleibt neben Schule und Musik noch Zeit für Hobbys?
Henrik Letzer: Klar - Schule zieht bei mir zum Glück nicht so viel Zeit. Das ist meist schnell erledigt. Daneben lese ich gerne, mache Sachen am Computer oder höre natürlich Musik.

Wie sieht die Vorbereitung auf einen Wettbewerb aus?
Henrik Letzer: Wir fangen rechtzeitig an, das Programm auszusuchen. Richtig intensiv wird es dann drei Wochen vor dem Wettbewerb.

Mit welchen Erwartungen nimmst Du an Wettbewerben teil? Was ist Dir besonders wichtig dabei?
Henrik Letzer: Ich setze mir schon Ziele. Aber eigentlich versuche ich, so gut zu spielen, wie es geht. Wenn ich dann das Gefühl habe, dass es gut war, bin ich zufrieden. Preise sind nicht so wichtig.

Aus der Sicht der Lehrerin: Welche Bedeutung haben Wettbewerbe?
Dagmar Weiß: Wettbewerbe bieten manchmal auch die Chance, Anregungen zu erhalten von der Jury, selbst wenn man nicht immer alle Entscheidungen nachvollziehen kann.

Wie sieht es mit Lampenfieber vor den Wettbewerben aus?
Henrik Letzer: Ein bisschen schon, aber nicht extrem.
Dagmar Weiß: Henrik wirkt immer sehr cool. Ich selber habe Wettbewerbe gehasst - ich musste teilnehmen, habe schon mit sechs Jahren meinen ersten gespielt.

Das Akkordeon ist ja ein sehr wuchtiges Instrument. Weißt Du, wie schwer Dein Akkordeon ist?
Henrik Letzer: Ganz genau weiß ich das nicht. Aber ich hab's mal gewogen, ich glaube, es sind 13 Kilogramm.

Du hast bereits an einer Reihe von Wettbewerb mit Erfolg teilgenommen und Preise gewonnen. Da drängt sich die Frage auf: Willst Du die Musik zu Deinem Beruf machen?
Henrik Letzer: Das weiß ich noch gar nicht genau. Ich kann's mir schon vorstellen. Aber ich habe ja auch noch dreieinhalb Jahre Schule vor mir.
Dagmar Weiß: Die Voraussetzungen dafür hätte er aber auf jeden Fall.



Musikerkarrieren im Zeichen des Akkordeons


Henrik Letzer 1997 in den Niederlanden geboren, in Hessen aufgewachsen, erhält Henrik Letzer seit seinem achten Lebensjahr Akkordeonunterricht. Seit rund dreieinhalb Jahren lebt er mit seiner Familie in Coburg und besucht gegenwärtig die 9. Klasse des Gymnasiums Albertinum. Seit dieser Zeit erhält er an der Musikschule Coburg Akkordeon-Unterricht bei Dagmar Weiß. Er hat bereits an vielen Wettbewerben teilgenommen und Preise errungen, zuletzt beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" in Coburg einen ersten Preis mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb. Ausgetragen wird der Landeswettbewerb vom 22. bis 26. März in Cham. Zuvor nimmt Henrik Letzer Anfang März an den "41. Kleinen Tagen der Harmonika" in Klingenthal teil.

Dagmar Weiß ist staatlich geprüfte Musiklehrerin für Akkordeon und Klavier. Sie arbeitet als freischaffende Musiklehrerin im Landkreis Coburg, an der Musikschule Coburg und an der Orchestermusikschule Rödental. Als Instrumentalistin tritt sie regelmäßig mit Ensembles verschiedener Besetzung in Konzerten auf (zum Beispiel im Ensemble Tanguedon). Daneben war sie schon an vielen Produktionen des Landestheaters Coburg (Musical, Ballett, Operette, Oper, Schauspiel) beteiligt. Zudem ist Dagmar Weiß Leiterin des "Akkordeon-Orchesters 1951 Coburg".