Wer das Geheimnis des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken beschreiben will, kommt an dem Begriff Enthusiasmus nicht vorbei. Denn Enthusiasmus wirkt als Katalysator, wenn es darum geht, in der Kürze der Zeit nicht nur ein Orchester zu formieren, sondern zugleich ein anspruchsvolles Programm einzustudieren. Enthusiasmus allein erklärt freilich noch nicht, wie daraus gut harmonierendes Musizieren entsteht.

Beim österlichen Gastspiel im Coburger Kongresshaus jedenfalls präsentiert sich das Jugendsymphonieorchester Oberfranken als sorgfältig einstudierter, ebenso konzentriert wie differenziert musizierender Klangkörper - in diesem Jahr erstmals unter Leitung von Till Fabian Weser.

Dozent aus Coburg: Norbert Röder

Nicht nur die jungen Musiker machen aus diesem Orchester ein oberfränkisches Gemeinschaftsprojekt. Auch die Dozenten vertreten Oberfranken - die kommen aus den drei großen Orchestern des Regierungsbezirks - Bamberger Symphoniker, Hofer Symphoniker und Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg. So hat Coburgs Solo-Pauker Norbert Röder die Schlagzeuggruppe des Orchesters betreut.

Die kurze Fanfare zu Paul Dukas' Ballett "La Péri" dient als Einleitung - und ist vielleicht auch eine kleine Reverenz an den neuen Dirigenten. Schließlich ist das Stück dem Blechbläserensemble vorbehalten - und Till Fabian Weser ist nur nicht Dirigent, sondern hauptamtlich Trompeter der Bamberger Symphoniker.

Neuer Dirigent: Till Fabian Weser

Als neuer musikalischer Leiter ist Till Fabian Weser unverkennbar ein völlig anderer Typus Dirigent als sein Vorgänger Raoul Grüneis, der das Jugendsymphonieorchester viele Jahre geleitet und ihm beachtliches Renommee erarbeitet hat.

Wo Grüneis als Maestro gern die große Geste fotogen in Szene setzte, nimmt sich Weser bewusst zurück. Er will das Orchester in den Vordergrund treten lassen. Und während Grüneis - unbestritten mit beträchtlichem Erfolg beim Publikum - immer wieder mit großem Nachdruck alle möglichen Effekte aus den Partituren kitzelte und dafür oft ungehemmt Kontraste in Dynamik wie Tempo ausreizte, achtet Weser auf ein stets ausgewogenes Musizieren. Die einzelnen Instrumentengruppen sollen aufeinander hören, sollen dynamisch gut ausbalanciert musizieren.

Huldigung an Richard Wagner

So gestattet er in Richard Wagners "Rienzi"-Ouvertüre den Blechbläsern zwar durchaus kraftvolle Klangentfaltung. Zugleich aber achtet er stets auf das genau abgestimmte Zusammenspiel zwischen Streichern, Blech- und Holzbläsern. Musizieren im Orchester wird zur Kunst und zum Genuss für das Publikum nur durch reaktionsschnelles, konzentriertes Miteinander. Präzision liefert die Basis für einen lebendigen musikalischen Dialog.

Das zeigt auch das 1. Cellokonzert a-Moll von Camille Saint-Saens, bei dem sich Weser als Solistin eine Orchesterkollegin aus den Reihen der Bamberger Symphoniker geholt hat: Verena Obermayer. In diesem Cellokonzert lässt Weser stets ebenso aufmerksam wie einfühlsam begleiten, achtet genau darauf, dass Solostimme und Orchester gut in Balance gehalten sind.

Verena Obermayer, die in dieser Probenphase als Dozentin zugleich auch die Cellogruppe des Jugendsymphonieorchesters betreute, gefällt mit schlanker Virtuosität und tragfähigem Ton in allen Lagen. Sie bringt die lyrischen Passagen des gefälligen Werkes mit weit ausschwingender Phrasierung regelrecht zum Singen. Zugleich bleibt sie dem Konzert auch Brillanz und funkelnde Leichtigkeit keineswegs schuldig. Der verdiente Lohn: begeistert ausdauernder Beifall des beachtlich zahlreichen Publikums.

Slawischer Tanz als Zugabe

Zum Dank gibt's noch eine klangvolle Zugabe: den unverwüstlich populären "Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" von Saint-Saens, hier in einer Fassung, in der die Cellogruppe des Jugendsymphonieorchesters anstelle eines Klaviers die Begleitung übernahm.

Aus der neuen Welt

Das Hauptwerk des Programms ist dann Dvoráks 9. Symphonie e-Moll - nach der 8. Symphonie im Vorjahr. Mit präzisen Akzenten führt Weser sein Orchester zu einer Interpretation, die einfühlsam differenziert im Ausdruck und stets lebendig atmend ist. Weser beweist gutes Gespür dafür, die formalen Zusammenhänge des Werkes deutlich werden zu lassen. Schwungvoll und mit symphonischem Ernst gelingen die beiden raschen Ecksätze, während der langsame Satz gesanglich wunderbar aufblüht (Englischhorn: Erik Konietzko)

Nach ausdauerndem Beifall dankt das Orchester mit einer Zugabe und bleibt bei Dvorák - mit dem slawischen Tanz c-Moll.


Die Mitglieder des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken 2013


1. Violine

Silke Andrae, Hof
Andrea Hepple, Bamberg (KM)
Lukas Jess, Bayreuth
Franziska Klein, Hof
Erik Konietzko, Bad Staffelstein
Barbara Mühlbauer, Bamberg
Annabel Nolte, Bayreuth
Katharina Tkotz, Erlangen
Verena Trottmann, Kulmbach
Franziska Ulrich, Hof
Emelie Walther, Hof

2. Violine

Annamarie Bauer, Bamberg
Yasin Cetin, Bamberg
Sophie Fischerauer, Bayreuth
Clara-Sophie Freitag, Coburg
Sophia Furthmüller, Bamberg
Vanessa Götz, Stockheim
Veronika Jaeger, Marktredwitz
Johanna Karl, Stegaurach
Annalena Rößler, Waldershof
Johanna Wander, Bindlach

Viola

Elisabeth Esser, Redwitz
Julian Hoff, Hof
Lukas Karl, Stegaurach
Frederic Schmidt, Hof
Emilia Senf, Döhlau
Johanna Villmann, Bamberg

Violoncello

Corinna Kufner, München
Michael Popp, Stegaurach
Franziska Rees, Georgsmarienhütte
Sophie Rees, Georgsmarienhütte
Jakob Rüttinger, Coburg

Kontrabass

Friederike Klek, Erlangen
Mariska-Alenka Klein, Adelsdorf
Francis Maheux, Coburg
Lucie Meißner, Erlangen

Flöte

Margarethe Geigerhilk, Kronach
Verena Rögner, Friedenfels
Valeria Stein, Wiesenttal

Oboe

Laura Hofmann, Kasendorf
Julia Saam, Hirschaid

Englischhorn

Erik Konietzko, Bad Staffelstein

Klarinette

Melanie Göricke, Bischberg
Sandra Schnappauf, Kronach
Jonathan Weimer, Bamberg

Bassklarinette

Nicole Krüger, Staufing

Fagott

David Gahlau, Bamberg
Lea Vogel, Bischberg

Horn

Alexander Hertel, Bayreuth
Doris Hittinger, Hallstadt
Patrik Seuling, Bamberg
Daniela Wachter, Kronach
Anna Werner, Viereth

Trompete

Markus Fuchs, Schwarzenbach/S.
Sebastian Hensiek, Walsdorf
Nina Michalok, Pettstadt
Sebastian Saffer, Hirschaid

Posaune

Jakob Gradl, Walsdorf
Paul Henzler, Tröstau
Johannes Köhler, Stegaurach

Tuba

Wolfgang Geiger, Marktredwitz
Johannes Holler, Marktredwitz

Schlagwerk

Paul Lewandowski, Stegaurach
Konstantin Mann, Neudrossenfeld
Pius Neuner, Waischenfeld
Sarah Rempe, Bamberg